Windräder im Wald sind in Haltern kein Tabu mehr. Der Kreis Recklinghausen hat gerade vier neue Windräder genehmigt. Sie werden sich künftig in der Hohen Mark drehen.

Lippramsdorf

, 07.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht erst seit Ende des Kohleabbaus setzt die RAG auf erneuerbare Energien. In den vergangenen Jahren hat die RAG Montan Immobilien schon 18 Windräder im Ruhrgebiet und im Saarland gebaut, jetzt nimmt sie den Windpark in Lippramsdorf in Angriff.

Denn der Kreis Recklinghausen hat die beantragten Windenergie-Anlagen am ehemaligen Wetterschacht-Gelände Auguste Viktoria 9 am 4. September genehmigt. Das bestätigte Kreissprecher Jochem Manz.

Versorgung für 6900 Haushalte

Drei Jahre dauerte das Verfahren. Auf dem Grundstück inmitten der Hohen Mark zwischen Eppendorf und Tannenberg entstehen zwei 243 Meter hohe Windräder vom Typ Nordex. Die Hamburger Firma bietet mit dem Typ N149 seine ertragsstärkste Turbine für Standorte mit schwachen bis mittleren Windgeschwindigkeiten an. Wie Frank Schwarz von RAG Montan Immobilien auf Nachfrage mitteilt, können diese beiden Anlagen mit einer Nennleistung von neun Megawatt im Jahr 6900 Drei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.

Stadtwerke beteiligen sich

Als Partner hat sich die RAG die Stadtwerke Haltern an die Seite geholt und mit ihnen die „Windpark Haltern AV 9 GmbH“ gegründet. Die Stadtwerke investieren seit 2015 in Windenergie, sie beteiligten sich auch am Windpark in Lavesum. Bereits im Januar hatte Stadtwerkesprecher Thomas Liedtke erklärt, das Unternehmen verfüge über Eigenmittel, um einen kleinen Anteil an der Projektgesellschaft zu erwerben. Laut Frank Schwarz besitzen die Stadtwerke 20 Prozent der Anteile. Eine gute Investition, wie das Unternehmen findet: Stadtwerke-Kunden würden profitieren, indem sie mit heimatnahem, nachhaltig erzeugtem Strom versorgt würden.

Der zweite Windpark im Wald

Mitte Oktober beginnen die vorbereitenden Arbeiten. Dazu gehören das Abholzen von Bäumen und die Herrichtung von Zufahrten. Ab Mai 2020 werden die Anlagen aufgebaut, Ende 2020 sollen sich die Windräder drehen und Ertrag bringen. „Für uns ist das nicht der erste Windpark im Wald“, erklärt Frank Schwarz. Zusammen mit der Gelsenwasser AG und der Thyssen-Krupp-Vermögensverwaltung betreibt die RAG Montan Immobilien einen Windpark mit vier Anlagen in der Hünxer Heide.

Der Kreis genehmigte am 4. September außerdem zwei Windräder, die die Windenergie-Gesellschaft Ennenberg auf einem Waldgrundstück zwischen der Straße Zum Büning und der Autobahn 43 nahe des Annabergs baut. Auch hier stehen die 239 Meter hohen Anlagen mitten im Wald.

Genossenschaft wirbt bei Nachbarn

Die Energiegenossenschaft Haltern wird - so hatten die Mitglieder beschlossen - über den Kauf und die Übernahme eines dieser beiden Windräder mit der privaten, von Georg Dammann gegründeten Gesellschaft Ennenberg verhandeln. Die Energiegenossenschaft besitzt bereits einen Anteil von 12,5 Prozent an der Windenergie Haltern am See GmbH & Co KG und damit an den Windrädern in Lavesum.

„Wir planen, dass unser Windrad im Laufe des Jahres 2021 ans Netz geht“, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Henning Henke gegenüber der Halterner Zeitung. „Wir freuen uns auf dieses Projekt!“ Seit Bekanntgabe der Beteiligung hat die Energiegenossenschaft über 50 neue Mitglieder gewonnen. Vorgesehen ist, den Nachbarn im Umkreis von 1,5 Kilometern sowie den Bewohnern von Bergbossendorf Beteiligungen an dem Windrad anzubieten. Genossenschaftsvertreter werden dazu rechtzeitig mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Abstände passen

Abstände von 1500 Metern zwischen Windenergieanlagen und Wohngebieten - wie von der Landesregierung gefordert - sind bei allen vier genehmigten Projekten gegeben.

Für ein Windrad in der Hohen Mark in der Nähe der RAG-Anlagen muss das Verfahren neu aufgerollt worden. Der Windkraft-Konzern Senvion, der das Windrad liefern sollte, hat Insolvenz beantragt. Jetzt agiert die private Gesellschaft mit Vestas Wind Systems A/S. Das Unternehmen hat seinen Sitz im dänischen Aarhus, es ist der nach Umsatz und installierter Kapazität weltgrößte Hersteller von Windkraftanlagen.

5,5 Hektar Wald beansprucht

In NRW sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 83 Windräder auf Waldflächen in Betrieb. Elf Windräder sind im Bau. Damit wird insgesamt etwa eine Waldfläche von rund 5,5 Hektar für Windräder in Anspruch genommen.

Ein Verbändebündnis aus Energie- und Forstwirtschaft fordert mehr und wünscht sich, der Landesentwicklungsplan solle auf geplante Einschränkungen bei der Windenergie im Wald verzichten. Die Einnahmen durch Windenergie könnten den Waldbauern helfen, die finanziellen Folgen von Sturmschäden und Schädlingsbefall zu bewältigen.

Lesen Sie jetzt