Atakan Sümbül darf am 26. September zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl seine Stimme abgeben: „Meine ganze Familie und ich sind Autoenthusiasten, da gehört ein Verbrennungsmotor für uns zum Auto einfach dazu.“ © Janis Czymoch
Bundestagswahl 2021

Nachhaltigkeit und Tierwohl: Was Erstwähler in Haltern wollen

Politische Herzensthemen und wie sie überhaupt herausfinden, welche Partei am besten zu ihnen passt: Die Halterner Zeitung hat mit Halterner Erstwählern über ihre erste Bundestagswahl gesprochen.

Junge Menschen, die bei der Bundestagswahl zum ersten Mal ihre Stimme abgeben dürfen – teilweise auch als „Generation Z“, „Generation Greta“ oder „Post-Millennials“ beschrieben – kennen, seit sie denken können, nur Angela Merkel als ihre Bundeskanzlerin.

Die erste Generation, die in einer vollständig digitalisierten Welt großgeworden ist, hat eine hektische Zeit erlebt: Wirtschafts-,Finanz-, und Klimakrisen, weltweite Terroranschläge, Debatten über Migration und mehr globale Gerechtigkeit und dann auch noch die Corona-Pandemie. Nun dürfen sie wählen. Unsere Redaktion hat mit Halterner Erstwählerinnen und Erstwählern darüber gesprochen, was sie von der Politik erwarten.

Axel Rohloff, 18 Jahre, Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten

Der 18-jährige Fachabiturient Axel Rohloff macht zurzeit eine Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten. Wenn er an die Regierung Merkel denkt, dann steht sie für ihn vor allem für Stabilität. „Die Bundeskanzlerin und generell die CDU begleiten mich als Regierung jetzt mein ganzes Leben“, so Axel Rohloff.

Von einer neuen Regierung erhofft sich der Auszubildende vor allem eines. „Auf jeden Fall mehr Umwelt-Beschränkungen für Unternehmen. Denn es sind größtenteils die Konzerne und nicht die Verbraucher, die die Umwelt belasten“, findet der 18-Jährige.

Angefangen, sich mit Politik zu beschäftigen, hat Axel Rohloff ab dem Alter, in dem er wählen durfte: „Ich habe den Wahl-O-Mat gemacht und danach etwas zu den einzelnen Parteien gelesen.“

Die Partei, welche bei der Bundestagswahl seine Stimme bekommen wird, soll vor allem einen Grundstein für die soziale-Zukunft in Deutschland legen: „Unser Rentensystem ist sehr veraltet und ich bin noch sehr jung. Damit ich nicht erst mit Mitte 70 in die Rente gehen kann, muss jetzt etwas passieren“, findet der Auszubildende.

Dana Rogge, 20 Jahre, Psychologie-Studentin

Seit Dana Rogge vier Jahre alt ist, ist Angela Merkel Bundeskanzlerin in Deutschland. „Ich verbinde mit ihr in gewisser Weise meine Kindheit, Jugend und eine angesehene Kanzlerin“, sagt sie. Von der neuen Bundesregierung erhofft sich die Halternerin vor allem, „dass sie ihre Versprechungen in die Tat umsetzt“.

Um sich über die Parteien zu informieren, sieht sich die 20-Jährige deren Wahlprogramme an und verfolgt einige Politiker in den sozialen Medien. Außerdem habe sie sich mit mit Freunden und Eltern ausgetauscht. „Ich habe auch den Wahl-O-Mat gemacht, der mir allerdings kaum geholfen hat“, sagt Dana Rogge.

Politisch liegt es der Psychologie-Studentin vor allem am Herzen, dass „Werte wie Gleichberechtigung, Sicherheit und Toleranz weiterhin von Bedeutung sind und noch stärker umgesetzt werden“.

Sarah Reißmann, 19 Jahre, Berufsschülerin

Dass Sarah Reißmann bei der Bundestagswahl ihre Stimme nicht für Angela Merkel abgeben kann, findet sie schade. „Für mich war sie eine kompetente Frau mit vielen richtigen Ansichten und Entscheidungen. Den Ruhestand hat sie sich auf jeden Fall verdient“, so die 19-Jährige. An die neue Bundesregierung hat sie vor allem einen bestimmten Appell: „ Ich möchte keine leeren Wahlversprechen!“.

Damit Sarah Reißmann am 26. September entscheiden kann, welche Partei ihre Stimme bekommen soll, hat sie die Fragen des Wahl-O-Mats beantwortet und sich im Fernsehen eines der Triells angeschaut. „Aber um ganz sicher zu sein, schaue ich auch im Internet nach den Wahlprogrammen“, sagt die Schülerin des Hans-Böckler-Berufskollegs.

Dabei sieht die 19-Jährige ganz genau hin, welche Partei sich den Aspekt „Nahverkehr-Ausbau“ auf die Agenda geschrieben hat. „Außerdem müssen in den Schulen weiter mehr Gelder einfließen. Für Renovierung und Digitalisierung“, findet Sarah Reißmann.

Pascal Kisker, 19 Jahre, Schulische Ausbildung in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung

Für Pascal Kisker, der am Hans-Böckler-Berufskolleg in Haltern eine schulische Ausbildung absolviert, wirkte die Bundeskanzlerin in ihren politischen Reden immer „sehr kompetent“.

„Politisch gesehen bin ich der Meinung, dass sie viele richtige Entscheidungen getroffen hat, wie zum Beispiel die von manchen stark kritisierte Flüchtlingspolitik im Jahr 2015“, so der 19-Jährige. Von der neuen Bundesregierung erwartet er unter anderem, „dass Spenden von Unternehmen an unsere Parteien in Zukunft nicht mehr erlaubt sein sollten, um Korruptionsfälle zu verhindern“.

Um sich vor der Bundestagswahl über die einzelnen Parteien zu informieren, vergleicht Pascal Kisker die unterschiedlichen Wahlprogramme. Auch den Wahl-O-Mat hat er ausprobiert.

„Mir liegt das Wohl der Menschen und Tiere in Deutschland sehr am Herzen. Dazu gehört es beispielsweise, die Massentierhaltung in den nächsten Jahren immer weiter abzubauen, mehr Wert auf das Tierwohl zu legen und eine Fleischsteuer einzuführen“, findet der Auszubildende.

Außerdem solle der „ÖPNV massiv ausgebaut werden um den Straßenverkehr zu entlasten“ und Bildungsmöglichkeiten „auf dem technisch aktuellsten Stand“ gehalten werden, meint Pascal Kisker.

Eva Bohmert, 21 Jahre, Sonderpädagogik-Studentin

Die Sonderpädagogik-Studentin Eva Bohmert wünscht sich besonders, „dass das Thema Nachhaltigkeit noch mehr in den Vordergrund rückt und verschiedene Maßnahmen diskutiert und die Notwendigen dann auch umgesetzt werden“.

Auch sie benutzte den Wahl-O-Mat, um sich politisch zu orientieren. „Im Anschluss daran kann man sich die verschiedenen Wahlprogramme der präferierten Parteien genauer anschauen. Ich finde, das bietet dann schon eine gute Grundlage für die anstehende Wahl“, so Eva Bohmert.

Besonders wichtig ist der 21-Jährigen, dass alle Menschen „unabhängig ihrer Sexualität, ihrer Herkunft oder ihrer Behinderung“ in der Gesellschaft toleriert werden.

„Die Politikerinnen und Politiker sollten in der Lage sein, dies der Gesellschaft auch vorzuleben und zu vermitteln. Dazu zählt auch, dass die Gesellschaft häufiger mit den Unterschiedlichkeiten der Menschen in Kontakt kommen soll. Ansonsten wird es weiterhin immer nur als ‚anders‘ oder ‚nicht normal‘ betitelt“, findet Eva Bohmert.

Michelle Schwenz, 20 Jahre, Biologielaborantin in der Ausbildung

Für Michelle Schwenz ist es vor allem wichtig, dass Autofahren auch nach den Wahlen bezahlbar bleibt. „Damit zum Beispiel Azubis, die keine Möglichkeit haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen, die Arbeit erreichen können“, sagt die 20-jährige angehende Biologielaborantin.

Außerdem sollte „die Nutzung von erneuerbaren Energien günstiger beziehungsweise noch mehr gefördert werden, damit sich die Anschaffung rechnet“, findet Michelle Schwenz.

Um bei der Bundestagswahl neben der Partei ein Kreuz zu setzen, von der die 20-Jährige hofft, dass sie ihre Interessen umsetzt, „informiere ich mich vor den Wahlen schon über alle Parteien und deren Programme“, hält Michelle Schwenz außerdem fest.

Atakan Sümbül, 20 Jahre, Abiturient und Auszubildender

Der 20-jährige Marler Atakan Sümbül macht am Hans-Böckler-Berufskolleg sein Abitur und dabei eine duale Ausbildung zum Erzieher. Von Angela Merkel hat er eine positive Meinung.

„Ich habe den größten Respekt vor der Dame. Sie ist für mich ein beispielhaftes Vorbild dafür, dass man im Leben alles erreichen kann. Leider gehen Teile der Gesellschaft sehr kritisch mit ihr um“, findet er.

Für Atakan Sümbül bedeutet, nun wählen zu dürfen, sich selbst mit Politik zu beschäftigen. Der Schulunterricht ist für den Abiturienten dabei nur eine Ergänzung: „Wöchentlich zwei Stunden über Politik zu sprechen, finde ich etwas mager. Ich lese die Wahlprogramme, schaue mir im Internet Erklär-Videos an und habe mit meinen Freunden über das Ergebnis vom Wahl-O-Mat gesprochen“, so Atakan Sümbül.

Neben einer besseren Digitalisierung an Schulen gibt es für den 20-Jährigen noch zwei weitere Themen, die ihm besonders am Herzen liegen. Die sorgen schon mal dafür, dass er sich hin- und hergerissen fühlt. „Meine ganze Familie und ich sind Autoenthusiasten. Da gehört ein Verbrennungsmotor für uns zum Auto einfach dazu. Gleichzeitig ist mir der Klimaschutz aber sehr wichtig. Ich finde, da muss es einen Zwischenweg geben“, erzählt der Abiturient.

Und noch eine Sache ist Atakan Sümbül wichtig: „Ich würde gerne noch einen Appell an die junge Wählerschaft richten: ‚Geht wählen‘“.

Über den Autor
Volontär
Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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Janis Czymoch

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