Nachtdienst bemerkt das Fehlen einer Bewohnerin im Alloheim Sythen

mlzAlloheim Sythen

Das Alloheim Sythen steht weiterhin im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Diesmal geht es um eine vermisste Bewohnerin und ein befremdliches Bewerbungsgespräch.

Sythen

, 07.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Nacht von Sonntag auf Montag (1./2. November) wurde in der Senioreneinrichtung am Bonhoeffer Weg in Sythen eine 85-jährige Bewohnerin vermisst. Mitarbeiter meldeten den Fall der Polizei. Diese bestätigte auf Anfrage die Suche nach einer Person, die an der Straße Eltritt in der Nachbarschaft des Seniorenheimes aufgefunden und mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde.

Nach einer Quelle der Halterner Zeitung wurde die Frau wegen starker Unterkühlung auf der Intensivstation behandelt. Auf Anfrage der Redaktion reagierte der Träger der Einrichtung, die Alloheim Seniorenresidenzen SE, mit folgender Stellungnahme auf den Fall. Am späten Sonntagabend habe die Mitarbeiterin des Nachtdienstes bemerkt, dass eine Bewohnerin nicht in ihrem Zimmer war. Daraufhin seit vorschriftsmäßig zunächst der Wohnbereich und dann die Einrichtung abgesucht worden.

„Die Polizei wurde umgehend eingeschaltet“

„Nachdem sie die Bewohnerin nicht finden konnte, informierte sie umgehend die Polizei sowie die Angehörige der Bewohnerin. Anschließend suchte sie gemeinsam mit einer Kollegin noch die unmittelbare Umgebung der Einrichtung ab“, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Seit Donnerstag (5. November) befinde sich die Bewohnerin wieder wohlbehalten in der Einrichtung. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts könnten grundsätzlich keine Angaben über Krankheitsbilder oder Gesundheitszustand einzelner Bewohner gemacht werden.

Auf die Frage, wie es möglich ist, dass Bewohner in den Abend- und Nachtstunden das Haus unbemerkt verlassen, erklärte Alloheim: „Die Bewohnerin lebt in einem offenen Wohnbereich. Die Einrichtung in Haltern-Sythen verfügt über keinen geschlossenen Wohnbereich mehr, da das Amtsgericht Marl nach einer Sammelbegutachtung aller Bewohner dieses Wohnbereichs die Unterbringungsbeschlüsse der heute in der Einrichtung lebenden Bewohner aufhob.“

„Keine Notwendigkeit für geschlossenen Bereich“

Für diese 27 Bewohner bestehe nach richterlichem Beschluss keine Notwendigkeit für eine Unterbringung in einem geschlossenen Bereich. Sobald Bewohner jedoch erste Anzeichen einer sogenannten „Hinlauftendenz“ zeigten, erhielten sie einen Armbandsensor, der dem Pflegepersonal umgehend mitteilt, ob der Bewohner die Einrichtung selbstständig verlassen hat.

Eine Prüfung der Heimaufsicht des Kreises, die vor rund drei Wochen durch Vorwürfe eines Angehörigen ausgelöst wurde, hat indes bisher noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt. Auf Nachfrage ließ die Kreisverwaltung mitteilen, dass noch Abstimmungen im Haus notwendig seien.

Man ließ jedoch durchblicken, dass zurzeit wohl kein Bedarf für dringliche Maßnahmen seitens der Behörde gesehen werde. Die Probleme hätten durch Gespräche vor Ort geklärt werden können.

Bewohner waschen statt Tische abräumen

Befremdlich empfand eine Halternerin den Verlauf eines Bewerbungsgesprächs in der Sythener Einrichtung. Gegenüber der Redaktion schilderte sie, dass sie sich für die Stelle einer ungelernten Hilfskraft interessiert habe. Laut Ausschreibung sollten zu den Aufgaben unterstützende Tätigkeiten im Service (z.B. Tische abräumen) gehören.

Im Bewerbungsgespräch sei dann davon die Rede gewesen, Bewohner zu waschen und anzuziehen.

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Dieser Darstellung widerspricht das Unternehmen Alloheim. Die Bewerberin habe sich auf eine ausgeschriebene Stelle als Servicekraft gemeldet. „In dem Bewerbungsgespräch wurde zunächst ausführlich über diese Stelle und die damit verbundenen Aufgaben gesprochen. Die Bewerberin zeigte sich im Verlauf an der Arbeit in einer Pflegeeinrichtung sehr interessiert, so dass unser Mitarbeiter ihr auch davon berichtete, dass zudem eine Stelle als Wohnbereichshelferin frei ist“, teilte der Unternehmenssprecher mit.

Da die Bewerberin ein mögliches Interesse an dieser Stelle gezeigt habe, habe ihr der Mitarbeiter dargelegt, welche Aufgaben eine Wohnbereichshelferin grundsätzlich übernimmt. „Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um pflegefachliche Aufgaben, sondern um Hilfsaufgaben, zu denen spezifisch dafür eingestellte Mitarbeiter von unserem Fachpersonal angeleitet werden“, so das Alloheim.

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