"Nase voll von braunen Schreihälsen"

Beigeordneter benennt Grundsätze

Wenn das Land die Erstunterkunft für Flüchtlinge in Sythen zum 30. August schließt, will die Stadt das Camp übernehmen. Bei Bedarf wird sie hier Asylbewerber unterbringen. Das kündigte Bürgermeister Bodo Klimpel am Dienstagabend an.

HALTERN

, 27.04.2016, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Menschen sind gekommen, um sich über die Situation der Flüchtlinge in Haltern informieren zu lassen.

Viele Menschen sind gekommen, um sich über die Situation der Flüchtlinge in Haltern informieren zu lassen.

Auf der mit über 300 Gästen gut besuchten Bürgerversammlung, zu der er eingeladen hatte, ermunterte Klimpel die ehrenamtlichen Helfer deshalb zum Weitermachen. "Es ist gut denkbar, dass Sie auch künftig in Sythen gebraucht werden. Ohne Sie würde vieles deutlich schwerer", betonte er.

Individuelle Fragen

"Flüchtlingspolitik in Haltern am See" war die Versammlung überschrieben. Bodo Klimpel hatte dazu neben Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller unter anderem Landrat Cay Süberkrüb, Polizeidirektor Arno Langanke, Stadtrat, Asylkreis, Kirchen, VHS-Leiter Tanja Steinhaus, DRK-Vorstand Christoph Schlütermann und verantwortliche städtische Mitarbeiter wie Michael Schniederjan (Leiter Bereich Soziales) in die Aula gebeten. Nach Vorträgen sollten sie mit Bürgern an Stehtischen individuelle Fragen erörtern.

Beifall der Zuhörer

Die wichtigste Frage des Abends beantwortete Dorothee Feller. Wird der Schacht Auguste Victoria 8 Landesunterkunft für Flüchtlinge? "Nein, vorerst nicht", antwortete sie unter dem Beifall der Zuhörer.

Denn die Zahl der ankommenden Flüchtlinge nimmt ab. Waren es beispielsweise am 5. September vergangenen Jahres 3200, so registrierte das Land am Dienstag (26. April) dieser Woche 230. "Das gibt Zeit, das System der Registrierung besser aufzubauen und veranlasst uns, Notunterkünfte wie in Sythen vom Netz zu nehmen sowie auf die Akquirierung neuer Unterkünfte zu verzichten", sagte Feller. Der Gast aus Münster dankte allen Vereinen, die in den kritischen Monaten ein tolles Verantwortungsbewusstsein gezeigt hätten.

Forderungen

Erster Beigeordneter Hans-Josef Böing nutzte einmal mehr die Gelegenheit, Forderungen an Land und Bund zu schicken. Wenn es endlich ein vernünftiges Einwanderungs- und Integrationsgesetz gäbe und den Kommunen nur noch Asylbewerber mit einer echten Bleibeperspektive zugewiesen würden, dann könnte man die Zuwanderung sogar als Chance begreifen. Die Stadt Haltern habe trotz hoher Belastung immer versucht, nicht zu scheitern. "Wir lassen uns von vier Grundsätzen leiten: Vermeidung von Obdachlosigkeit, keine Turnhallen-Belegung, menschenwürdige Unterbringung und Hilfe entsprechend der Leistungsfähigkeit Halterns", so Josef Böing.

"Blödsinn in sozialen Medien"

Wovon sich Politik und Verwaltung nicht leiten ließen, sei der unsägliche Blödsinn in den sozialen Medien. "Davon haben wir die Nase gestrichen voll." Und: "Wir möchten keinem braunen Schreihals eine Plattform geben."

Die Entscheidung gegen AV 8 hatte auch etwas mit dem Bürgerwillen zu tun. Aber Böing machte deutlich, dass die Stadt nicht bei jedem Standort erst um Erlaubnis der Nachbarschaft bitten werde. 

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