Neues Altenwohnheim nach holländischem Vorbild

Interview

Im Neubaugebiet in Haltern-Sythen entsteht ein neues Altenwohnheim. Über das besondere Konzept dieses Heims spach Redakteurin Silvia Wiethoff mit Stefan Rehse von der Rehse-Gruppe, die das Projekt verwirklicht.

HALTERN

13.11.2012, 14:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist gut. Es handelt sich um einen Standort in einer relativ zentralen Lage. Gut und wichtig ist nun, dass sich das Neubaugebiet mit Leben füllt. Nachbarschaft ist wichtig für das Konzept unserer Einrichtung.

Die Grundidee ist, dass eine Pflegeeinrichtung betrieben wird, die aufgrund ihrer Gebäudekonzeption und ihrer inhaltlichen Konzeption vom Betrachter nicht als Altenwohnheim wahrgenommen wird. Deshalb wird zum Beispiel ein Dorfplatz angelegt, um den sich die vier Häuser mit den Wohngemeinschaften platzieren. Die Bewohner sollen das Gefühl haben, ich lebe hier in meiner Wohnung mit meiner Terrasse. Die Mitarbeiter sollen mit ihnen leben. Die Pflege findet begleitend statt.Der Mensch, der in die Einrichtung wechselt, soll keinen Lebensbruch erleben. Dieser passiert zwar trotzdem, aber er soll so klein wie möglich gehalten werden. Fachlich findet natürlich Pflege statt, aber sie steht in der Wahrnehmungssphäre nicht im Vordergrund.

Ich habe lediglich von ähnlichen Modellen in Deutschland gehört, kann aber nicht sagen, ob sie realisiert wurden. Unsere Idee stammt aus dem holländischen Projekt „Hogewey“ (Anm. d. Red.: Es handelt sich um ein ganzes Dorf für Alzheimer-Patienten). Wir haben uns mit den gedanklichen Vätern auseinander gesetzt und Erfahrungen ausgetauscht. In dem Dorf gibt es zum Beispiel auch ein Ladengeschäft und ein Café, aber diese Einrichtungen sind rein nach innen gerichtet. Wir haben die Pioniere nach ihren Erfahrungen gefragt. Sie haben uns geantwortet, dass sie die Einrichtungen heute nach außen richten würden, um sie in der Nachbarschaft zu integrieren. Deshalb wird unser Cafébereich in Sythen über zwei Etagen zum Dorfplatz geöffnet, um einladend zu sein und die Menschen ins Haus zu holen. Dies soll auch für den Laden und den Friseursalon gelten. Wir wissen allerdings bei diesen noch nicht, ob das so einfach zu realisieren ist oder es eventuell Auflagen gibt.

Es gibt sicherlich Konzeptionen und Baumodelle, die bis auf die letzte Stelle ausgerechnet sind. Bei uns liegt der Fokus nicht darauf, den letzten Cent herauszuquetschen. Wirtschaftlichkeit ist natürlich trotzdem relevant, denn ohne sie kann man auch keine Qualität anbieten. Wir konnten bisher rechnen, ich gehe davon aus, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.

Die Bewohner können natürlich unser Café nutzen, auch den Friseur und den Laden, wenn diese Einrichtungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die Versorgung, den ambulanten Dienst oder hauswirtschaftliche Hilfe, werden wir uns Partner vor Ort suchen.

Im Zuge der Gesamtplanung wollen wir mit der Politik zu einer Bürgerversammlung einladen. Wir wollen die Veranstaltung nutzen, um Anregungen der Bürger zu sammeln. Dies wäre dann auch ein geeigneter Zeitpunkt, um auf den Ideenwettbewerb hinzuweisen.

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