Kreis Recklinghausen

Neues Kreishaus für schlanke 26 Millionen Euro

Umgerechnet 26 Millionen Euro - für so wenig Geld konnte man 1980 Verwaltungsgebäude errichten. Allein die Sanierung ist jetzt vier Mal so teuer. Aber auch die Anforderungen sind gestiegen.
Das Recklinghäuser Kreishaus aus der Luft. Bei der Einweihung galt es als Leuchtturm in der Recklinghäuser Verwaltungslandschaft. © Jörg Gutzeit

Am 18. April 1980 ist das Kreishaus in Recklinghausen eingeweiht worden. Die Errichtung des Verwaltungsgebäudes für etwa 850 Mitarbeiter hat damals 51 Millionen Deutsche Mark gekostet. Das sind umgerechnet 26 Millionen Euro. Wenn man bedenkt, dass die bevorstehende Sanierung des Kreishauses fast mit dem Vierfachen dieses Betrags veranschlagt ist (99 Millionen Euro), erhält man eine Vorstellung davon, wie sich die Baupreise in den zurückliegenden gut 40 Jahren entwickelt haben.

Natürlich sind auch die Anforderungen, die heutzutage an ein modernes Verwaltungsgebäude gestellt werden, von einem ganz anderen Kaliber. Energieeffizienz und Klimaschutz sind Faktoren, die mittlerweile eine zentrale Bedeutung haben. 33 Mio. Euro für Dach, Fenster und Fassade müssen allein in dieser Kategorie verbucht werden. Hinzu kommen 6 Mio. Euro für Fotovoltaik, Dachbegrünung und die Gestaltung der Außenanlagen mit Pflanzen, die dem Klimawandel standhalten.

Sicherheitskonzept gegen Anfeindungen und Drohungen

Auch an Sicherheitskonzepte hatte früher niemand gedacht. Heute sehen sich der Landrat und seine Mitarbeiter aus sensiblen Bereichen akuten Anfeindungen ausgesetzt, die bis zu Morddrohungen reichen. Im sanierten Kreishaus wird es deshalb einen „Bürgerbereich“ geben, weite Teile des Gebäudes wird man nur noch als autorisierte Person betreten dürfen. Zusammen mit der mittlerweile obligatorischen Barrierefreiheit werden in dieses Konzept 4 Mio. Euro investiert.

Wie sich die Informationstechnologie entwickeln würde, konnte vor 40 Jahren ebenfalls niemand voraussehen. Die Kreishaus-Sanierung bietet die Chance, die Infrastruktur in diesem Bereich auf den aktuellen Stand zu bringen und zukunftsfähig zu machen. Allein die IT-Verkabelung kostet 2 Mio. Euro.

Leuchtturm in der Recklinghäuser Verwaltungslandschaft

Gleichwohl war das Kreishaus an der Kurt-Schumacher-Allee im Jahr 1980 ein Leuchtturm in der Recklinghäuser Verwaltungslandschaft – ein Gebäude, „in dem optimale Arbeitsplätze den Vorrang haben gegenüber der Repräsentation“. Hervorgehoben wurden auch die fünf „mit besonderer Sorgfalt landschaftlich gestalteten Innenhöfe, die den Besucher zum Verweilen einladen“.

Regierungspräsident Erwin Schleberger, Landrat Helmut Marmulla, Oberkreisdirektor Rudolf Pezely und Ministerpräsident Johannes Rau (v. l.) am Tag der Kreishaus-Einweihung. © Hermann Pölking © Hermann Pölking

Entsprechend stolz waren die Protagonisten, als das neue Gebäude am 18. April mit einem Festakt seiner Bestimmung übergeben wurde. Festredner war NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, Landrat Helmut Marmulla und Heinz Netta (Oer-Erkenschwick) in seiner Eigenschaft als dienstältester Bürgermeister des Kreises hielten weitere Ansprachen. Im Festzelt auf dem Konrad-Adenauer-Platz (heute – in einer ganz anderen Zeit – steht dort das Impfzentrum) ging es dann ungezwungen weiter: „Tanz bis 2 Uhr nachts“, schrieb diese Zeitung damals – auf Schwarz-weiß-Seiten versteht sich.

Als die Fassadenfirma in Konkurs ging, hatte der Kreis Glück

Landrat Marmulla würdigte insbesondere die Leistung des damaligen Kreisarchitekten Günter Stebner, der es geschafft hatte, den vereinbarten Kosten- und Zeitrahmen exakt einzuhalten – und das trotz des Konkurses der Fassadenfirma aus Berlin. Doch der Kreis hatte in dieser Situation auch eine gehörige Portion Glück: Vom Konkursverwalter erhielt die Behörde innerhalb einer Woche einen Anschlussauftrag, und die gesamte Bauarbeitertruppe blieb bei der Stange. Der erste Spatenstich für das Großprojekt erfolgte übrigens am 7. Juli 1977.

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Neues Kreishaus für schlanke 26 Mio. Euro

Ein Viertel der Aufträge blieb in der Region

Mit großer Genugtuung wurde im Rahmen der Kreishaus-Einweihung auch registriert, dass ein Viertel des Auftragsvolumens bei Unternehmen „in unserem Raum“ geblieben ist. „Angesichts einer bundesweiten Ausschreibung ein erheblicher Prozentsatz“, kommentierte diese Zeitung damals.

Auch in dieser Hinsicht haben sich die Anforderungen geändert. Jetzt müssen die Gewerke für die Kreishaus-Sanierung europaweit ausgeschrieben werden. Landrat Bodo Klimpel kündigte an, Aufträge möglichst kleinteilig zu vergeben. Damit erneut viele heimische Firmen zum Zuge kommen können.

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