Die Sparkasse Haltern bietet ihre Immobilien jetzt nicht nur auf klassischen Wegen, sondern auch in einem Bieterportal an. © picture alliance/dpa
Online-Bieterportal

Online auf Immobilien bieten: Sparkasse Haltern eröffnet Auktionsverfahren

Die Stadtsparkasse in Haltern hat ein neues Bieterportal für Immobilien eingerichtet. Der Meistbietende bestimmt den Preis. Für andere Makler ist das keine Option.

Das ist hierzulande noch eher unüblich: Die Immobilienabteilung der Sparkasse bietet für Immobilienverkäufe ein sogenanntes Bieterverfahren an. Das Besondere: Hier wird der Preis wie in einer Auktion festgelegt. „Dies stellt sicher, dass sich sowohl Käufer als auch Verkäufer gemeinsam dem wahren Wert einer Immobilie nähern“, so die Sparkasse in einer Pressemittteilung.

Das neue Verkaufsverfahren funktioniert so: Auf dem Web-Portal www.spk-bieterportal.de stellen die Makler die Immobilie vor, laden Interessenten ein und legen einen Zeitrahmen fest, in dem diese auf die Wunsch-Immobilie bieten können. Auf diesem Weg wird innerhalb kürzester Zeit der Höchstbietende ermittelt. Dem Verkäufer wird nach Ende der Auktion der gesamte Verlauf transparent aufgezeigt – die Bieter bleiben dabei aber für den Verkäufer anonym.

„Die ersten Tests sind sehr gut angelaufen“, berichtet Kamil Orschulka, Immobilienberater der Sparkasse Haltern am See. „Wir bieten über das neue Verfahren eine ganz neue Möglichkeit, den Preis einer Immobilie transparent für alle Beteiligten zu ermitteln.“

Es geht um die Preisfindung

Orschulka betont, dass ein Bieterverfahren nicht mit einer bindenden Auktion zu verwechseln sei. „Hier geht es vorrangig um eine Preisfindung“, erklärt er. Erst durch den notariellen Kaufvertrag wird alles festgemacht.

Nicht nur Neubau-Immobilien sind und bleiben in Haltern sehr gefragt.
Nicht nur Neubau-Immobilien sind und bleiben in Haltern sehr gefragt. © Jürgen Wolter (A) © Jürgen Wolter (A)

Immobilienmaklerin Angelika Frank aus Haltern sieht das Verfahren eher kritisch. „Letztlich geht es dann nur noch ums Geld“, sagt sie. „Ich selbst habe ein ähnliches Verfahren nur einmal in einem speziellen Fall angewandt, aber ansonsten würde so ein Portal nicht einrichten.“

Letztlich würde der Kaufinteressent ja auf eine Immobilie bieten, die er noch gar nicht besichtigt hat und die er nur von der Online-Beschreibung kennt, so Frank. „Dann bieten womöglich alle möglichst hoch, allein um einen Besichtigungstermin zu bekommen. Das könnte ich mir für mich nicht vorstellen.“

„Die Finanzierungszusage der Bank braucht Zeit“

Ähnlich argumentiert Cornelia Kopp, Geschäftsführerin von Kopp Immobilien in Haltern. „Beim Bieterverfahren sehe ich das grundsätzliche Problem, dass bei denjenigen, die das höchste Angebot abgeben, durchaus nicht immer ihre Finanzierung gesichert ist. Denn die Finanzierungszusage der Bank dauert ihre Zeit. Das bedeutet, dass, wenn die Käufer wieder abspringen, eher geringere Verkaufserlöse erzielt werden können. Das sind Erfahrungen, die wir selbst schon mit einem Bieterverfahren gemacht haben. Deshalb wenden wir es nicht mehr an“, sagt sie.

Kopp Immobilien bleibt deshalb bei der konventionellen Ausschreibung der Immobilienangebote. „Bei der derzeitigen Lage auf dem Immobilienmarkt gibt es sowieso für jedes Objekt mehrere Interessenten, die danach automatisch in ein Bieterverfahren gehen, aber nachdem sie ihre Finanzierungen geklärt haben.“

Volksbank: Bieterverfahren nur in Einzelfällen

Auch die Volksbank Immobilien Südmünsterland GmbH denkt nicht an die Einrichtung eines Online-Bieterportals. „Wir führen nur in Einzelfällen ein Bieterverfahren durch, aber nicht auf Online-Basis“, erklärt Geschäftsführer Jörg Mengelkamp. „Die Bedingungen bei Verkäufen sind ja sehr unterschiedlich. Einmal hat der Verkäufer schon einen Interessenten, dem er das Haus gern verkaufen möchte, weil er ihn beispielsweise schon seit langem kennt. Dann braucht es kein Bieterverfahren. Bei einer anderen Immobilie ist es dem Verkäufer egal, dann richten wir gegebenenfalls ein individuelles Bieterverfahren ein, wenn es viele Interessenten gibt.“

Die Angebote werden aber nicht online, sondern in verschlossenen Umschlägen abgegeben. „Diese Umschläge öffnet nur der Verkäufer, der sich für ein Angebot entscheiden kann. Wir bekommen sie nicht zu sehen“, sagt Jörg Mengelkamp.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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