Pauline Brüning schwärmt für Gedichte vom Nobelpreisträger

Lyriker Tomas Tranströmer

Die Entscheidung der Jury des Literatur-Nobelpreises, Lyriker Tomas Tranströmer auszuzeichnen, registrierten viele mit Unverständnis. Gar nicht überrascht ist die Halternerin Pauline Brüning. Sie begann noch im Alter ein Studium in nordischer Philologie und liest die Texte des Schweden seither im Original.

HALTERN

von Von Silvia Wiethoff

, 07.10.2011, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit ihrer Entscheidung, den Nobelpreis für Literatur an den Lyriker Tomas Tranströmer zu verleihen, überraschte die Schwedische Akademie am Donnerstag die Welt der Leser.  Gar nicht erstaunt über die besondere Auszeichnung für den 80-jährigen Poeten ist die Halternerin Pauline Brüning. "Er hat's verdient", sagt die Kennerin schwedischer Literatur. Die 76-Jährige muss es wissen, viele Jahre studierte Pauline Brüning nordische Philologie an der Universität Münster. Im reifen Alter begegnete ihr das wegen seiner "kargen Bildersprache" gefeierte Werk des Schweden, und sie begeisterte sich dafür. 

Während ihres Berufslebens als Lehrschwester für Krankenpflege in Coesfeld blieb Pauline Brüning nur wenig Zeit, sich der Leidenschaft für nordische Sprachen zu widmen. Als sie vor 16 Jahren in Rente ging, war das der Startschuss für ein neues Leben. Sie belegte Seminare im Rahmen des Programms "Studium im Alter" an der Uni Münster und war den jüngeren Kommilitonen in punkto Sprachkenntnisse oft überlegen. "Ich beherrsche Schwedisch und Norwegisch", verrät sie den Grund.

Schwedens dekorierten Lyriker Tranströmer liest Pauline Brüning natürlich im Original. Seine Gedichte seien aber auch in deutscher Übersetzung ein Genuss, betont die Expertin.

Ihren ersten Gedichtband kaufte sie während eines Schwedenurlaubs 1998. Mehrfach lernte sie den Autor persönlich kennen, zuletzt bei einer Lesung, die das schwedische Lektorat an der Uni Münster 2004 organisiert hatte. Weil der Lyriker, der den Beruf des Psychologen erlernte und lange ausübte, 1990 einen Schlaganfall erlitt, halbseitig gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann, trug seine Frau aus seinem Werk vor. "Er schreibt sehr mystisch und geheimnisvoll", erinnert sich Pauline Brüning noch immer gern an dieses außergewöhnliche Erlebnis. Gleichzeitig sei Tranströmer ein sehr bescheidener Mensch, dem der Nobelpreis von Herzen zu gönnen ist.

Geärgert hat sich die Halternerin über die Bemerkung des deutschen Kritikerpapstes Marcel Reich-Ranicki, er kenne den schwedischen Autor überhaupt nicht. Pauline Brüning hofft, dass die Auszeichnung Tomas Tranströmer zu mehr Aufmerksamkeit verhilft. Seine Werke sollen jetzt in Rekordzeit nachgedruckt werden.

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