Peta kritisiert Halterner Hegering für intensive Fuchsjagd

mlzNRW-Jagdgesetz

Rolle rückwärts: Der Landtag lockert das Jagdgesetz, nachdem es 2015 verschärft wurde. Die Jäger freut es, die Tierschutzorganisation Peta übt Kritik - auch am Halterner Hegering.

Haltern

, 22.02.2019, 04:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor knapp vier Jahren führte die damalige rot-grüne Landesregierung das sogenannte „ökologische Jagdgesetz“ ein. Die wichtigste Änderung bestand darin, dass die Liste der jagdbaren Arten deutlich minimiert wurde. Nun enthält die Liste wieder alle in Nordrhein-Westfalen heimischen Tiere - und orientiert sich somit am Bundesjagdgesetz. Das hat der NRW-Landtag am Donnerstag (21. Februar) entschieden.

„Praxisferne Einzelbestimmungen sollen aufgehoben, Bürokratie reduziert und Jagdscheininhaberinnen und -inhaber finanziell entlastet werden“, heißt es im Gesetzesentwurf. Dies betreffe etwa die Genehmigungspflicht für Hegemaßnahmen, die nun wieder abgeschafft werden soll. Eine solche Maßnahme ist beispielsweise die Fuchsjagd, die auch in dieser Woche beim Halterner Hegering intensiv durchgeführt wird.

Das Ministerium für Landwirtschaft erklärt in einer Pressemitteilung die Notwendigkeit: „Die Intensivierung der Fuchsjagd ist insbesondere in den Gebieten erforderlich, in denen es sensible Bestände bodenbrütender Vogelarten wie etwa Feldlerche, Kiebitz oder auch Niederwild-Arten wie Rebhuhn gibt.“ Die Fuchsjagd diene demnach dem Artenschutz: weniger Füchse - weniger Gefahr für andere Arten.

Tierschutzorganisation Peta kritisiert Halterner Hegering

Doch diese Rechnung geht für die Tierschutzorganisation Peta nicht auf. „Die Jäger wollen unter dem Deckmantel des Artenschutzes möglichst viele Füchse töten“, heißt es in einer Pressemitteilung anlässlich der Gesetzesänderung. Und dabei bezieht sich die Organisation nicht nur auf die Fuchsjagd im Allgemeinen, sondern direkt auf die Winterfuchswoche der Halterner Hegerings.

„Peta übt scharfe Kritik an dem Hegering, da laut Tierschutzgesetz ein ‚vernünftiger Grund‘ für das Töten eines Tieres vorliegen muss - bei der flächendeckenden Jagd auf Füchse ist ein solcher jedoch nicht gegeben.“ Die Organisation bezieht sich dabei auch auf das Thema Artenschutz: „Das vorgeschobene Argument des Artenschutzes ist Augenwischerei.“

„Artenschutz ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag“

Reinhold Bergjürgen, Vorsitzender des Halterner Hegerings, weist diese Kritik entschieden zurück: „Artenschutz ist kein Deckmantel, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.“ So gebe es in unserer Kulturlandschaft Gewinner und Verlierer. „Der Fuchs zählt eindeutig zu den Gewinnern und die vom Aussterben bedrohten Arten gehören ebenso eindeutig zu den Verlierern.“ Genau hier seien daher die Jäger gefragt.

Laut Peta sei aber etwa der Bestand von Feldhasen nicht wegen des Fuchses zurückgegangen, sondern durch „Lebensraumverlust und das schwindende Nahrungsangebot“. Von Schutz für bodenbrütende Vogelarten ist in der Pressemitteilung keine Rede. Peta verweist lediglich darauf, dass „sich Füchse vornehmlich von Mäusen ernähren.“

Fuchspopulationen in Städten steigt massiv an

Auch dies sieht Reinhold Bergjürgen anders: „Füchse als Nahrungsgeneralisten ernähren sich von allem verfügbaren Futter.“ Dies sei auch ein Grund für die massiv steigenden Fuchspopulationen in den Städten. „Durch die damit verbundene Populationsdynamik gefährden Füchse viele gefährdete Tierarten, wie etwa alle Bodenbrüter.“

Neben der eigentlichen Jagd kritisiert Peta ebenso das „Streckelegen“ des Hegerings, bei dem die Tiere „zur Schau gestellt“ werden. Dieses findet am Sonntag (24. Februar) auf dem Hof Tappe statt. Bergjürgen verweist auf die lange Tradition und das eigentliche Brauchtum: „Hierbei handelt es sich um einen jahrhundertealten Brauch, der bereits um 1210 in der Literatur beschrieben wurde. Grundsätzlich ist das Streckelegen als Wertschätzung des erlegten Wildes zu betrachten.“ Die übrigen, insbesondere neuzeitlichen Interpretationen seien daher falsch und nicht mit dem Brauchtum zu vereinen.

Halterner Hegering bewegt sich im Bereich des Erlaubten

Man mag von der Fuchsjagd halten, was man möchte. Unumstritten ist jedoch, dass sich die Jäger in Haltern innerhalb der Grenzen des NRW-Jagdgesetzes bewegen, erklärt Jochem Manz, Pressesprecher des Kreises Recklinghausen: „Das Amt für Jagdangelegenheiten hat die Aufgabe, die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren. Beim Halterner Hegering gibt es keine Beanstandungen, denn zur Zeit darf der Fuchs gejagt werden. Dort ist also alles in Ordnung.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Meistgelesen