Martin Ahls, 19 Jahre Kaplan und Pfarrer in St. Sixtus, feiert am 26. Mai in Rheinberg sein silbernes Priesterjubiläum. Was ihn bis heute mit Haltern verbindet, sagt er im Interview.

Haltern

, 20.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast 19 Jahre Haltern, dazu knapp vier Jahre Goch und jetzt zwei Jahre Rheinberg am Niederrhein - das macht zusammen 25. Am Sonntag (26. Mai) feiert Martin Ahls sein silbernes Priesterjubiläum mit einem Gottesdienst in St. Peter Rheinberg und einer Begegnung in der Stadthalle. Wie es ihm am Niederrhein ergeht und was ihm bis heute Haltern und die Menschen hier bedeuten, beschreibt er in einem Interview.

? Der Abschied 2017 von St. Sixtus Haltern als leitender Pfarrer und Dechant im Dekanat Lippe kam überraschend, gab es nicht eigentlich einen anderen Plan?
Eigentlich hieß der persönliche Plan, bis zum Jubiläum zu bleiben und dann irgendwann zu wechseln, aber das kam bekanntlich anders und jetzt findet das Weihejubiläum am 26. Mai in St. Peter in Rheinberg statt. Manchmal ändern sich Pläne halt. Vor zwei Jahren musste ich mich fragen, wie lange ich noch in der Lage sein werde, neue Aufgaben zu übernehmen und neue Menschen kennenzulernen. Ich dachte, dass ich es eher mit 50 als mit 60 Jahren noch schaffen könnte. Hinzu kommt, dass meine Eltern am Niederrhein leben und ich als Einzelkind ihnen nahe sein möchte. Von Rheinberg sind es nur 17 Kilometer bis zu Hause. So war es letztlich die realistische Einschätzung der eigenen Kräfte und Lebensperspektive, die mich wieder zum Niederrhein führte.

? Welche Erinnerungen gingen von Haltern am See mit nach Rheinberg?
Es war eine überaus prägende Zeit! Als Kaplan anzufangen und zu lernen „unter“ Bruno Pottebaum als Pfarrer, das war gut. Und Zeit zu haben wie nie wieder danach, zum Beispiel für Projekte wie den Kirchentag, den Kerkepad oder auch für Theater-Inszenierungen mit jungen Menschen. Es war auch eine Zeit des kreativen Gestaltens: Bei der behutsamen Veränderung in der Marienkirche, bei den Friedhofshallen und vor allem bei der „neuen Mitte“ in Sythen. Es gibt Etappen, die schreiben sich ins Herz - auch wenn man woanders ist.

? Gibt es Ereignisse, die Sie heute noch zum Schmunzeln bringen?
Vor allem waren es in Haltern Jahre der Begegnung mit Menschen in Freud und Leid, aber auch mit Geschichten und Geschichtchen, die nur das Leben schreiben kann. Ich denke an den Bräutigam, dessen Ring vor der Hochzeit in den Gullyschacht gefallen ist - das wird er nie vergessen - oder an das Brautpaar, das den Sektempfang vor die Hochzeit verlegt hatte und dann eine überaus fröhliche Hochzeit feierte. Ich denke an den Täufling, der im Taufbecken plötzlich und unerwartet unterging und an die Dreijährige die laut „ich-will-nicht“ schreiend durch die Kirche rannte und die dann „zwangsgetauft“ wurde. Das Leben wäre so langweilig, wenn es nicht auch solche Szenen gäbe.

? Wenn Sie die Halterner Jahre auf den Punkt bringen, was sagen Sie dann? Ich denke immer noch an die unglaublichen Jahre in Haltern und im Münsterland, fühle mich immer noch vielen Menschen im Geiste und Gebet verbunden, frage mich hin und wieder, was aus dem oder der wohl geworden ist. Und wenn ich zur Dechantenkonferenz nach Münster fahre und auf der Autobahn die Ausfahrt Haltern sehe, wird es immer noch ein wenig komisch rund ums Herz. Auch, wenn natürlich in Rheinberg neue Wurzeln gewachsen sind.

? Warum haben Sie Ihr Autokennzeichen bis heute nicht geändert? Bis heute fährt durch Rheinberg am linken Niederrhein ein Auto mit dem Kennzeichen RE-BE 2205. Da kann sich einer nicht trennen, denn REBE passt ja zu einem Priester ziemlich gut, denn ohne (Mess-)Wein geht ja keine Messe und ohne REBE gibt’s keine Trauben. Und 2205 steht für den Tag der Taufe 1966 und für den Tag der Priesterweihe 1994. 25 Jahre Priester, davon fast 19 Jahre in Haltern, also fast 80 Prozent. Mit einem MO (für Moers) am Auto gibt’s nur einen MOPS oder ein freundliches MOIN.

? Was vor allem haben Sie in Haltern fürs Leben gelernt?Die wichtigste Erfahrung heißt: Nimm dich nicht so wichtig. Nach dir geht’s anders weiter und vieles, was dir (mir) wichtig war, ist dann halt anders und die Zeit geht schnell über alles hinweg. Für mich gilt: Bewahre das Gute im Herzen, denn auch die Erinnerung ist kostbar.

? So bleibt alles im Fluss zwischen Haltern und Rheinberg?Da die Lippe in den Rhein fließt und der Wesel-Datteln-Kanal auch gar nicht fern von hier seine „Einfahrt“ hat, sind Münsterland und Niederrhein doch irgendwie verbunden. Und natürlich gehört alles zum Bistum Münster, auch wenn man stromaufwärts nach Köln kommt.

Pfarrer Martin Ahls blickt auf seine Zeit in Haltern am See zurück

Bischof Reinhard Lettmann (1933-2013) weihte Martin Ahls vor 25 Jahren im Münsteraner Paulus-Dom zum Priester. © privat

? Sie laden auf diesem Wege zu Ihrem Weihe-Jubiläum ausdrücklich Gäste aus Haltern ein. Wie wird das Fest gestaltet?
Wer sich noch an den „Ex-Pastor“ erinnert und den Weg am 26. an den linken unteren Niederrhein findet, der ist herzlich willkommen: Um 11 Uhr zur Messfeier in St. Peter, anschließend zum Mittag in der Stadthalle (direkt nebenan). Und wer dann Rheinberg kennenlernen will - die Heimat von Underberg bis Isabell Werth und Claudia Schiffer - der macht sich mit einer kleinen Stadtführung auf den Weg. Zum Abschluss haben fleißige Menschen Kuchen gebacken, der auch gegessen werden will. Wer kommt, der kommt. Die Einladung ist von ganzem Herzen kommend.

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