Pfarrer Martin Ahls spricht über seinen Abschied

Nach 18 Jahren Haltern

Für ganz Haltern war es eine große Überraschung. Martin Ahls, Dechant im Dekanat Lippe und leitender Pfarrer in St. Sixtus, verlässt die Seestadt Anfang Februar in Richtung Rheinberg am Niederrhein. Wir sprachen mit Martin Ahls und befragten ihn zu den Gründen für diesen Schritt.

HALTERN

, 04.11.2016, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nach 18 Jahren in Haltern am See wechselt Pfarrer Martin Ahls (50) Anfang Februar nach Rheinberg an den Niederrhein.

Nach 18 Jahren in Haltern am See wechselt Pfarrer Martin Ahls (50) Anfang Februar nach Rheinberg an den Niederrhein.

Herr Pfarrer Ahls, gibt es den einen Grund, warum Sie Ihre Stelle hier in Haltern aufgeben?

Nein, mehrere! Das Bistum legt großen Wert darauf, dass seine Pfarrer nicht mehr, wie früher üblich, mehr als 30 Jahre an einer Stelle sind. Ich glaube, es hat auch einen guten Grund. Ich bin jetzt 18 Jahre in Haltern, davon fünf als leitender Pfarrer der Groß-Pfarrei und mit 50 Jahren musste ich mich fragen, wie lange ich noch in der Lage sein werde, neue Aufgaben zu übernehmen und neue Menschen kennenzulernen. Mein Pensionsalter liegt ja nicht bei 67, sondern bei 75 Jahren. So denke ich, dass ich es eher mit 50 als mit 60 Jahren noch schaffen kann. Als weiteren Grund muss ich sagen, dass es nicht das erste Angebot des Bistums war und ich in den letzten fünf Jahren als leitender Pfarrer öfters im Schussfeld gestanden habe. Da fiel es mir nicht schwer, zu sagen, jetzt ist auch genug. Hinzu kommt, dass meine Eltern am Niederrhein leben und ich als Einzelkind zurzeit häufig über eine ständig verstopfte B 58 dahin fahre. Von Rheinberg aus könnte ich das sogar mit dem Fahrrad erledigen, es sind nur 17 Kilometer. Es ist halt nicht der eine Grund, sondern auch die realistische Einschätzung der eigenen Kräfte und Lebensperspektive.

Wenn man Ihren Brief an die große Gemeinde liest, bekommt man den Eindruck, Sie seien sehr frustriert. Stimmt das?

Der Eindruck täuscht. Frustriert bin ich überhaupt nicht. Ich sehe das eher so, dass die eigenen Kräfte in Beziehung zur eigenen Erwartung stehen und ich an manchen Stellen gesehen habe, dass ich diesen Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Ich empfinde das als einen realistischen Blick auf die eigene Begrenztheit. Es ist kein Frust. Kein Mensch kann es allen gerecht machen und niemand kann gleichzeitig an mehreren Orten sein. Bei einem so großen Team ist dies auch nicht nötig. Trotzdem war häufig die Erwartung spürbar, dass man lieber den leitenden Pfarrer gesehen hätte, um ein Problem zu lösen. Das funktioniert nicht immer.

Konnten Sie in Ihrer Zeit als Pfarrer und Dechant in Haltern die Ziele umsetzen, die Sie sich gesteckt hatten?

Ich kann dies mit ja und nein beantworten. Hierbei muss man zwischen den organisatorischen und strukturellen Zielen unterscheiden. Ich denke, da haben wir viel geschafft. Vieles ist bewegt und geschafft worden, wie etwa beim Umbau in Sythen und der neuen Struktur der Großgemeinde St. Sixtus. Bei mir als Priester und Seelsorger sehe ich die gesteckten Ziele eher kritisch und teilweise nicht erreicht. Da fehlte mancherorts die nötige Zeit und Aufmerksamkeit für die Sorgen und Nöte, die an den Priester herangetragen werden.

Ihre größte Aufgabe war sicherlich die Fusion. Haben wir jetzt in Haltern am See eine Großgemeinde, oder hat der Zusammenschluss zu einer Zersplitterung geführt?

Zersplitterung? Nein! Die Struktur ist klar, eine Pfarre St. Sixtus und neun Gemeinden. Wir haben keine zentralisierte Groß-Pfarre. Da unterscheiden wir uns ganz stark gegenüber anderen Groß-Pfarren, wo zum Beispiel die Erstkommunion nur noch zentral stattfindet. Wir haben St. Sixtus so aufgebaut, dass möglichst viel Selbstständigkeit in den Gemeinden verblieben ist, nur nicht mehr mit eigenem Pfarrer mit Pfarrhaus neben der Kirche.

Haben Sie bei der Fusion mehr Unterstützung oder mehr Widerstand erfahren?

Mehr Unterstützung auf jeden Fall. Hier ist die Fusion mit allen Entscheidungen von unten und vor Ort getroffen und erarbeitet worden. Allein über 200 Menschen haben den Prozess des Zusammenschlusses in Arbeitsgruppen begleitet.

Welche Reaktionen gab es nach Ihrer Ankündigung, dass Sie Haltern verlassen werden?

Die Reaktionen haben sich in überschaubaren Grenzen gehalten. Einige waren traurig, andere haben mit Nachfragen reagiert. Als Fazit würde ich denken, war überwiegend der Wunsch nach einer guten Nachfolge vorhanden. Und das finde ich auch als sehr richtig und wichtig.

Sie haben sich in der vergangenen Woche bei den Pfarreiräten, Vorständen und Seelsorgern an ihrer zukünftigen Wirkungsstätte vorgestellt. Wie sind Sie dort empfangen worden?

Dort war man neugierig, mit einer gehörigen Portion Freundlichkeit. Dabei ist zu bedenken, dass ich dort auch die Aufgabe einer Fusion der beiden mir anvertrauten Gemeinden durchführen soll und meine Person vorher nicht bekannt war.

Werden Sie an der Suche nach einem Nachfolger beteiligt sein und hätten Sie einen Wunschnachfolger?

Nein, ich bin sicher nicht an der Suche beteiligt. Sie ist auch schon beim Bistum im Gang, seit ich mich zu einem Wechsel bereit erklärt habe. Ich bin guten Mutes, dass es eine sehr gute Nachfolgelösung für Haltern geben wird. Beim Bistum wird eine langfristige Personalpolitik betrieben und der Bischof wird ebenso sicher eine gute Wahl treffen.

Warum verzichten Sie auf eine große Verabschiedung?

Weil es nicht zu mir passt. Das ist nicht mein Ding. Ich gehe lieber in den letzten Wochen hier in Haltern in alle Gemeinden, um dort den Gottesdienst zu halten und abschließend an der Tür der Gemeinde die Möglichkeit zu einem Wort des Abschieds zu geben. Da halte ich es mit Papst Johannes XXIII., der immer sagte „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig“. Und deshalb sage ich dann „Martin, nimm dich nicht so wichtig“. Denn wichtig ist es als Priester nur, Platz für Gott zu schaffen.

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