Politik stärkt Quarzwerke: Großes Waldgebiet soll dem Silbersee I weichen

mlzSand-Tagebau

Die Quarzwerke haben die erste Hürde genommen: Um den Sandabbau für die nächsten 25 Jahre zu sichern, ändert der Regionalverband den Regionalplan. Das hat erhebliche Folgen für die Natur.

Haltern

, 01.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In ihrem Bestreben, den Sandabbau in Haltern auszudehnen, sind die Quarzwerke einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Mit großer Mehrheit hat der Regionalverband Ruhr (RVR) jetzt die Änderung des entsprechenden Regionalplans beschlossen. Wie RVR-Sprecher Jens Hapke erklärte, ist mit dieser Entscheidung das formelle Verfahren für die geplante Ausdehnung des Silbersees I in Haltern eingeleitet worden.

Rund 121 Fußballfelder groß (87 Hektar) ist die Fläche, die die Quarzwerke in Haltern-Lavesum für den weiteren Quarzsand-Tagebau ins Visier nehmen. Der bereits bestehende Abgrabungsbereich am Silbersee I, der im Westen von der Autobahn 43, im Osten vom Silbersee II und im Süden vom ehemaligen Wasag-Gelände eingekeilt ist, soll Richtung Norden wachsen.

Tagebaugelände dringt bis zu Natur- und Vogelschutzgebieten vor

Wo derzeit noch große Waldflächen existieren, soll künftig eine gewaltiger grundwassergespeister See entstehen. In direkter Nachbarschaft werden dann die besonders schützenswerten Natur-, Vogel- und Landschaftsgebiete „Weißes Venn/Geisheide“ und „Teiche in der Heubachniederung“ liegen. Im Rahmen der Regionalplanänderung soll die Rohstoffgewinnung innerhalb von Vogelschutz- und FFH-Gebieten allerdings ausgeschlossen werden, heißt es in der Beschlussvorlage.

Politik stärkt Quarzwerke: Großes Waldgebiet soll dem Silbersee I weichen

Die obere Skizze zeigt das aktuelle Sandabbau-Gebiet in Haltern-Lavesum. Im Kreis befindet sich der Silbersee I. Planmäßig soll er sich Richtung Norden ausdehnen (untere Skizze). © Regionalverband Ruhr

Wie der Regionalverband in Essen weiter mitteilte, gelten die am Standort Haltern gewonnenen Sande in der Region als einzigartiger Bodenschatz. Insbesondere für heimische Schlüsselindustrien wie Gießereien sowie im Automobil- und Anlagenbau seien sie von besonderer Bedeutung.

Sandgewinnung ist dann für die nächsten 25 Jahre gesichert

„Mit der Regionalplanänderung sollen die Quarzsandgewinnung für die nächsten 25 Jahre gesichert und den Quarzwerken eine langfristige Perspektive eröffnet werden“, sagte RVR-Sprecher Jens Hapke.

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Bereits im Mai 2019 hatte Thomas Pütter von den Quarzwerken betont, den Sandabbau nicht mehr auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes im Lavesum anzustreben. Stattdessen solle der Silbersee I in Richtung Norden ausgeweitet werden, hatte der Konzernsprecher ausgeführt.

Öffentlichkeit wird Anfang 2020 beteiligt

Die Regionalplanänderung ist Voraussetzung für das bergrechtliche Genehmigungsverfahren. Bevor es allerdings in der für Bergbau zuständigen Behörde des Landes NRW - der Bezirksregierung in Arnsberg - zu einer Entscheidung kommt, wird das öffentliche Beteiligungsverfahren voraussichtlich im Februar/März 2020 eingeleitet. Zwei Monate lang können Fachbehörden, Verbände und Bürger dann Einwände vorbringen.

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