Polizisten sprachen über schweren Unfall

Während des Blitzmarathons

Als die Polizeikommissare Alica Kinner und Benjamin Knapp im Oktober 2014 an der Unfallstelle auf der Westruper Straße eintreffen, sind sie die ersten Helfer vor Ort. Selbst für Polizisten ist das keine alltägliche Situation. Am Donnerstag kehrten die beiden Polizeibeamten während des Blitzmarathons an die Unfallstelle zurück.

HALTERN

, 21.04.2016, 18:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erinnerten sich an der Westruper Straße an einen Unfall aus dem Jahr 2014 (v.l.): Michael Grüning, Dietmar Laschinski, Alica Kinner und Benjamin Knapp.

Erinnerten sich an der Westruper Straße an einen Unfall aus dem Jahr 2014 (v.l.): Michael Grüning, Dietmar Laschinski, Alica Kinner und Benjamin Knapp.

Da der Aktionstag diesmal unter dem Motto „Der Gefahr ein Gesicht geben“ stand, erinnerten sie sich dort noch einmal an das, was dort vor 1,5 Jahren passiert war: An einem sonnigen Herbsttag war ein Ehepaar aus Werne mit einer ganzen Gruppe Motorradfahrern auf der Westruper Straße Richtung Haltern unterwegs.

Als die Gruppe ein aus ihrer Sicht langsam fahrendes Auto mit Pferdeanhänger überholen wollte, geschah es. Der Werner erschrak, als er plötzlich eine Radfahrergruppe entdeckte, die er vorher nicht gesehen hatte. Er bremste scharf ab, verlor dadurch die Kontrolle und das Motorrad kippte auf die Seite. 60 Meter rutschte es über die Straße, bis es zum Stillstand kam. Zeugen riefen die Feuerwehr. Und auch Alica Kinner und Benjamin Knapp eilten zur Unfallstelle.

Keine alltägliche Situation

Was vielleicht nach einer alltäglichen Situation für Polizeibeamte klingt, war keine: „Wir sind keine Notärzte“, sagt Alica Kinner, „und wenn wir bei Unfällen eintreffen, sind in der Regel der Arzt und die Feuerwehr schon da.“ Doch nicht an diesem Tag.

Sie müssen zu zweit nicht nur die Unfallstelle absichern, sondern sich auch um die Verletzten kümmern, die anderen Unfallbeteiligten beruhigen und – was mit am unverständlichsten ist – sich mit nörgelnden Autofahrern streiten: „Die haben tatsächlich gefragt, wann sie denn endlich weiterfahren dürften“, so Benjamin Knapp. Außerdem wurden ihnen Vorwürfe gemacht, weil sie zuerst die Unfallstelle absicherten, anstatt sich um die Verletzten zu kümmern.

Hohe Ansprüche

„Die Ansprüche an die Kollegen vor Ort sind riesig“, sagt der 1. Polizeihauptkommissar Dietmar Laschinski. Auch er war Donnerstag mit den Beiden an der Westruper Straße, um mit ihnen die Geschehnisse von damals zu besprechen. „Dabei sind Polizisten auch nur Menschen“, so Laschinski. Vom Opferschutzbeauftragten der Polizei, Michael Grüning, erfuhren Alica Kinner und Benjamin Knapp auch gestern zum ersten Mal, wie es dem Ehepaar heute geht: Beide sind wieder wohlauf, werden aber mit Schmerzen bis zum Rest ihres Lebens leben müssen. Auch ihnen wird der Unfall damit nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Lesen Sie jetzt