Dr. Rolf Budde hat sich ausführlich mit dem Thema Allergien beschäftigt. © Jürgen Wolter
Allergien

Pollen fliegen, die Nase läuft: Halterner Arzt gibt Tipps für Allergiker

Mit den wärmeren Temperaturen beginnt wieder die Leidenszeit für Allergiker. Der Halterner Allergologe Dr. Rolf Budde hat sich mit dem Thema beschäftigt und gibt praktische Ratschläge.

Jetzt fliegen sie wieder: Hasel-, Erlen- und Birkenpollen machen Allergikern zu schaffen. Niesen, schniefen, husten sind noch die harmloseren Reaktionen. Allergien können auch schwerere Komplikationen auslösen, etwa Bronchial-Asthma und Lungenfunktionsstörungen. Was man selbst tun kann, um Risiken zu vermindern, dazu hat der Halterner Allergologe Dr. Rolf Budde Tipps zusammengestellt.

Rolf Budde hat 35 Jahre in Haltern als Hals-Nasen-Ohren Arzt praktiziert, war Belegarzt im Sixtus-Hospital. Das Thema Allergien hat immer einen Schwerpunkt seiner Arbeit gebildet. Rolf Budde ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie.

Die schwierige Zeit für Pollen-Allergiker hat wieder begonnen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Zur Saison 2021 hat er aktuelle Forschungserkenntnisse zusammengestellt. „Es gibt Entwicklungen in der Forschung, die auch neue Schlussfolgerungen nahe legen“, sagt er.

Etwa die Hälfte der Deutschen ist sensibilisiert

„Aktuell ist fast die Hälfte der Deutschen (48,6 Prozent) gegenüber Allergenen sensibilisiert und inzwischen jeder Vierte in Deutschland durch eine oder mehrere Allergien betroffen“, so Rolf Budde. Es gebe genetisch bedingte Häufungen von allergischen Erkrankungen, aber auch Diskussionen darüber, ob Luftverschmutzung Einfluss auf die Erkrankungshäufigkeit hat.

„Heute stellen Verkehrsabgase die wichtigste Schadstoffquelle für die Außenluft dar“, so Budde. Sie belasteten die Atemluft unter anderem mit Stickoxiden, Schwebstaub, Kohlenmonoxid, Benzol und bis vor kurzen auch ungefiltertem Dieselstaub. Auch Stickoxide spielten hier eine Rolle. In Studien verdichteten sich die Hinweise, dass alle diese Substanzen die Entstehung von Atemwegserkrankungen und Allergien beeinflussen. Auch Tabakrauch und Innenraumschadstoffe wie Formaldehyd hätten eine verstärkende Wirkung, so Rolf Budde.

Wichtigste Therapie: Hyposensibilisierung

Eine weitere Ursache für das Ansteigen allergischer Erkrankungen könnte die ungewohnt frühe Blühphase (ab Dezember) der Haselblüte sein. „Durch die steigende CO2-Konzentration in der Luft kommt es außerdem zu einer verstärkten Photosynthese in Pflanzen, was zwar Sauerstoff erzeugt, aber auch die Pollenbildung erhöht“, so Dr. Budde.

Die beste ärztliche Therapie sei die Hyposensibilisierung. Viele Patienten fragten sich aber auch, was sie selbst gegen die Symptome der Allergien unternehmen könnten. „Wie groß die jeweils entsprechende Pollenbelastung in der Luft ist, kann per Internet (Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst) abgefragt werden. Ab einer Pollenkonzentration von über 1600 Pollen pro Kubikmeter Luft beginnen die allergischen Reaktionen“, so Rolf Budde. Hier einige seiner Ratschläge:

  • Die Sensibilisierung der Schleimhäute entsteht vor allem nachts, wenn Abwehrreaktionen wie Husten, Niesen, Räuspern ausgesetzt sind. Allergiker sollten deshalb bei geschlossenem Schlafzimmerfenster schlafen.
  • Beim Lüften tagsüber sollte das Bett mit einer Decke abgedeckt werden, damit keine Pollen auf der Oberfläche landen, die nachts eingeatmet werden.
  • Es empfiehlt sich, abends die Haare zu waschen, auch ein Pollenfilter im Fensterrahmen ist ratsam.
  • Man sollte sich über Kreuzallergien informieren. Bestimmte Allergene kommen in mehreren Pflanzen vor, zum Beispiel in Birken,- Hasel- und Erlenpollen.
  • Bei 60 Prozent der Betroffenen mit einer Nahrungsmittelallergie liegt eine Kreuzallergie mit Inhalationsstoffen vor. Bei Birkenpollenallergie sollte auf rohe Äpfel, rohe Möhren, Kiwis, Stein- und Kernobst, Haselnüsse und Pfefferminz,
  • bei Gräserpollenallergie auf Erdnüsse, Sojaprodukte, rohe Tomaten,
  • bei Beifußpollenallergie auf Sellerie und Anis verzichtet werden.

Coronaimpfungen sind möglich

Ohne Berücksichtigung dieser Faktoren und ohne Behandlung verschlechtere sich der Allergieverlauf häufig mit der Zeit, so Rolf Budde. Positive Umwelteinflüsse könnten andererseits Allergien vorbeugen. „Studien haben eindeutig gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof leben, ein 30 Prozent geringeres Risiko haben, Asthmasymptome zu entwickeln. Stimulierend auf das Immunsystem wirkt sich auch der Besuch einer Kita aus“, so Rolf Budde. Für ausschließliches Stillen von Säuglingen über den 4. Lebensmonat hinaus mehrten sich die Hinweise, dass dies das Allergierisiko erhöhen könnte. Daher sollte eine Beikost ab dem 5. Lebensmonat verwendet werden, empfiehlt Rolf Budde.

Auf Impfungen gegen das Coronavirus habe eine Allergie übrigens keine Auswirkung, sagt Rolf Budde: „Auch Allergiker können sich gegen Corona impfen lassen.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
Zur Autorenseite
Jürgen Wolter
Lesen Sie jetzt