Quarzwerke-Werkleiter: „Die Lagerstätte Haltern ist besonders“

mlzInterview mit Werkleiter

Früher badete er selbst im Silbersee. Jetzt ist Daniel Duric der neue Werkleiter der Quarzwerke Haltern. Wir haben mit ihm über Sand, Tagebau-Ausbaupläne und die Corona-Krise gesprochen.

Haltern

, 21.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Daniel Duric ist in Dülmen geboren, hat bei den Quarzwerken in Haltern seine Ausbildung zum Aufbereitungsmechaniker absolviert. Danach studierte er Rohstoffe und Geotechnik und sammelte berufliche Erfahrungen. Der 39-Jährige ist der neue Werkleiter der Quarzwerke Haltern. Warum der Standort kontinuierlich wachsen soll, hat er im Interview erklärt.

Herr Duric, vor Ihrer Ausbildung haben Sie – wie Sie erzählen – häufig im Silbersee gebadet. War das denn dort zu dem Zeitpunkt schon erlaubt?

Aber natürlich war es schon genehmigt. Soweit ich mich zurückerinnere, wurde es schon damals von der DLRG begleitet.

Sie haben in verschiedenen Unternehmen der Steine- und Erden-Industrie gearbeitet. Was eigentlich macht ausgerechnet Quarzsand so interessant?

Grundsätzlich ist die Verfahrens- und Aufbereitungstechnik von Rohstoffen interessant, begonnen bei der Gewinnung über den Transport bis hin z. B. zur Trennung der einzelnen Sandkörner in ihre Fraktionen (Kornklassen). Es ist eine Wissenschaft für sich, die richtigen Maschinen für den entsprechenden Einsatzzweck zu finden und dabei auch noch Umweltaspekte, wie reduzierte Energieverbräuche, zu realisieren.

Was fasziniert Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz besonders?

Die Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie sehr abwechslungsreich ist und man täglich mit wechselnden Themengebieten zu tun hat.

Sie starten in einer Zeit im Werk Haltern, in der es große Pläne für den Tagebau am Silbersee I gibt. Wie wichtig ist der Ausgang dieses Genehmigungsverfahrens für das Werk Haltern?

Sehr wichtig. Die Tagebauerweiterung sichert den Standort für die kommenden 25 bis 30 Jahre. Dasselbe gilt übrigens auch für unsere Kunden aus der Glas- und Gießereiindustrie, die wiederum für deutsche Schlüsselindustrien wie Automobil- und Anlagenbau unentbehrlich sind.

Was ist das Besondere an den Halterner Sanden?

Die Lagerstätte, aus der wir in unserem Werk Haltern fördern, ist besonders. Bei den gebleichten Halterner Sanden handelt es sich um einen seltenen und bundesweit sehr bedeutsamen Rohstoff. Der Sand ist aufgrund seiner Zusammensetzung und Kornform hervorragend für die Herstellung von Gussformen für die Gießerei-Industrie geeignet. Halterner Gießereisand ist die Referenz, an der Gießereisande aus anderen Lagerstätten gemessen werden. Aus dem Werk Haltern beliefern wir bundesweit einen großen Teil der Gießereien.

Und welche Industriebranchen werden wiederum von den Gießereien beliefert?

Die Gießerei-Industrie in der Bundesrepublik steht technologisch an der Weltspitze und zudem am Anfang der Wertschöpfungskette für viele heimische Schlüssel-Industrien. Mit Halterner Sand werden Motorblöcke, Getriebeteile, Teile für den Anlagenbau, aber auch für Windkraftanlagen gegossen.

Die Quarzwerke Haltern sollen kontinuierlich ausgebaut werden.

Die Quarzwerke Haltern sollen kontinuierlich ausgebaut werden. © Ingrid Wielens

Aufgrund der besonderen Reinheit der Halterner Sande eignen sich diese außerdem hervorragend für die Glasproduktion und für Anwendungen in der chemischen und bauchemischen Industrie. Weil die Halterner Sande „Alleskönner“ sind, lässt sich die Lagerstätte ohne Abbauverluste hundertprozentig nutzen und besitzt dadurch eine maximale Ressourceneffizienz.

Die Halterner Sande sind also kaum zu ersetzen?

Vergleichbare Sande gibt es in Deutschland nur sehr selten. Heimische Rohstoffe sollten deutlich mehr wertgeschätzt werden. Ohne Rohstoffe funktioniert unser modernes Leben nicht und heimische Rohstoffe sind für die Natur – nicht nur wegen der kurzen Transportwege – viel besser als zum Beispiel eine Quarzgewinnung in Übersee.

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Von den Naturschutzverbänden gibt es starken Gegenwind. Wie können die Interessenkonflikte gelöst werden?

Uns liegen keine Informationen über starken Gegenwind vor. Wir sind seit Jahren in ständigen Gesprächen mit den Naturschutzverbänden. Wir haben sogar gemeinsame Projekte. Dass wir nicht immer in allen Punkten einer Meinung sind, liegt in der Natur der Sache. Wichtig ist, dass beide Seiten immer gesprächs- und kompromissbereit sind.

Derzeit wird ein zweiter Siebturm am Halterner Werk gebaut – heißt das zugleich, dass die Produktion verdoppelt wird?

Nein, das hat nichts mit der Menge zu tun. Wir können damit auf wechselnde Rahmenbedingungen reagieren und bei steigenden Kundenanforderungen eine zusätzliche Veredelung unserer Rohstoffe anbieten. Der Siebturm liefert Sand mit einem individuellen Siebliniendesign, quasi einen maßgeschneiderten Sand für anspruchsvolle Gießereikunden.

Eine neue Nasssand-Bunkeranlage entsteht ebenfalls. Wozu dient sie?

Sie dient der Entwässerung der Sande. Das ist Teil des Produktionsprozesses. Wir gewinnen unseren Quarz mit Wasser, und die ersten Aufbereitungsschritte verlaufen nass. Danach wird der Sand in Nasssand-Bunkern entwässert.

Welche weiteren künftigen Planungen für das Werk Haltern sind Ihnen schon heute bekannt?

Die kontinuierliche Verbesserung und die Erhaltung des Standortes. Genau deswegen gehen wir ja in das Genehmigungsverfahren.


Die Corona-Krise trifft auch die Quarzwerke-Gruppe. Welche konkreten Auswirkungen hat die Pandemie auf das Werk Haltern?

Da das Werk Haltern Gießereisand auch an die Automobilindustrie liefert, die aktuell deutlich weniger produziert, merken wir natürlich dadurch einen rückgängigen Absatz. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir daher nicht ausschließen, dass auch wir – wie viele unserer Kunden – in Kurzarbeit gehen müssen. Wie alle anderen auch, müssen wir auf Sicht fahren.

Natürlich hat die Corona-Krise auch Auswirkungen auf das Miteinander. Damit unsere Mitarbeiter gesund bleiben, greifen an unseren Standorten viele Sicherheitsmaßnahmen. Hygiene und Distanz verändern das Miteinander-Arbeiten, machen es aber nicht unmöglich.

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