Radler nehmen das Halterner Radwegenetz zusammen mit Straßen.NRW unter die Lupe

mlzRadverkehrsbeauftragte

Der Landesbetrieb Straßen.NRW hat acht Radverkehrsbeauftragte ernannt. Zusammen mit Kommunen und Verbänden sollen sie das Radwegenetz verbessern. Das birgt auch Chancen für den ADFC Haltern.

Haltern

, 01.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Radverkehr in NRW soll gestärkt werden. Dazu will die Landesregierung ein Radverkehrsgesetz vorlegen. Der Landesbetrieb Straßen.NRW hat darauf schnell reagiert. Um sich zukunftsfähig aufzustellen, wurden acht Radverkehrsbeauftragte ernannt. Für die hiesige Region und damit auch die Stadt Haltern ist die Niederlassung Ruhr mit Sitz in Bochum zuständig. Die ADFC-Orstgruppe der Seestadt wird sich zudem einbringen.

„Wir müssen alle an einem Strang ziehen“

„Der Radwegeplanung kommt eine immer größere Bedeutung zu“, erklärt Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek. Mobilität wandele sich - also müsse sich auch die Planung den neuen Anforderungen an Infrastruktur anpassen. Die Mitarbeiter in den Niederlassungen bündeln nach ihrer Auskunft das Know-how bei der Radwegeplanung und stehen als Hauptansprechpartner nicht nur für planerische Fragen beim Thema Radwegebau zur Verfügung.

Radverkehrsanteil beträgt 11 Prozent

Nur jeder zehnte Weg wird mit dem Rad zurückgelegt

In Deutschland gibt es laut ADFC rund 73 Millionen Fahrräder, der Radverkehrsanteil liegt aber lediglich bei 11 Prozent. Damit wird nur etwa jeder zehnte Weg mit dem Rad zurückgelegt. In den Niederlanden liegt der Radverkehrsanteil mit 27 Prozent mehr als doppelt so hoch. Die Niederländer fahren pro Jahr im Schnitt über 1.000 Kilometer mit dem Rad, die Deutschen nur etwa 400. Der entscheidende Unterschied ist die Infrastruktur: Die Niederlande bieten Radfahrenden im ganzen Land eigenständige und komfortable Radwegenetze an.

„Eine sichere und leistungsfähige Radinfrastruktur gehört zum Verkehr der Zukunft“, betont Elfriede Sauerwein-Braksiek. „Wir wollen bei diesem Thema eng mit Kommunen, Verbänden oder den Initiatoren von Bürgerradwegeprojekten zusammenarbeiten“, betont sie. „Wenn wir die Radinfrastruktur landesweit ausbauen wollen, müssen alle an einem Strang ziehen.“

Das Fahrrad soll im Mittelpunkt stehen

Der Landesbetrieb stößt beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) auf offene Ohren. „Die Menschen sollen häufiger, länger, sicherer und lieber auf dem Rad unterwegs sein“, wünscht sich Matthias Schaarwächter vom Landesverband NRW. „Wir haben eine Vision“, meint er. Demnach erreichen die Menschen 2025 ihre Zielorte schnell, kostengünstig, umweltfreundlich, und unter komfortablen Bedingungen. Es geht um die Entwicklung eines Verkehrssystems, das auf Nähe und intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsmittel setzt. Und in dessen Mittelpunkt das Fahrrad steht.

Fahrradklimatest: Kritik an Halterner Radwegenetz

Auch in Haltern gibt es einiges zu tun. Im Fahrradklimatest 2018 des ADFC hatte die Seestadt in ihrer Größenklasse mit der Schulnote 3,7 bundesweit Platz 101 von 311 belegt. Unter anderem hatten die 75 befragten Personen häufige Hindernisse auf Radwegen, mangelnde Fahrradförderung und häufigeren Fahrraddiebstahl kritisiert. Auch die mangelnde Sicherheit auf der stark befahrenen Recklinghäuser Straße, wo Fahrradfahrer direkt neben Autos und Lastwagen unterwegs sein müssen, wurde mehrfach genannt.

Der Stadt ist die dortige Verkehrssituation durchaus bekannt. Wie Sprecher Georg Bockey auf Anfrage erklärte, sei allerdings erst mit der Lösung der schwierigen Situation am Verkehrsknotenpunkt Recklinghäuser Damm/Recklinghäuser Straße/Lorenkamp ein zufriedenstellende Situation auch für Radfahrer zu erwarten. „Das eine kann nicht ohne das andere geplant werden“, sagte er. Gemeinsam mit Straßen.NRW - die Behörde zeichnet verantwortlich für die L 551 (Recklinghäuser Straße) - wird hier nach wie vor um eine Lösung gerungen. Die Verwaltung bevorzugt einen sogenannten Wender anstelle eines Kreisverkehrs.

Halterner ADFC prüft Radwegezustand bei Ortsbegehung

Die ADFC-Ortsgruppe Haltern, die erst im vergangenen November gegründet wurde, wird sich ebenfalls in die Planungen einbringen. Im Frühjahr wollen die Mitglieder bei Ortsbegehungen die Stärken und Schwächen des örtlichen Radwegenetzes untersuchen. Dabei nehmen sie beispielsweise die Qualität und Breite von Radwegen, Verkehrsknotenpunkte sowie besondere Gefahrensituationen an Ampelkreuzungen unter die Lupe. Sprecher Otto Rohde macht schon jetzt neben der Recklinghäuser Straße auch den Schüttenwall als gefährliche Strecke für Radler aus. Auch hier fehlt ein Radweg. Die Berichte aus den Ortsgruppen sollen dann schließlich in die Gespräche mit Straßen.NRW einfließen.

„Es gibt zu wenig gute Radwege, zudem sind viele Radwege in die Jahre gekommen, zu eng neben dem PKW-Verkehr geführt oder entsprechen nicht mehr dem Sicherheitsempfinden der Radfahrer“, meint auch ADFC-Sprecher Matthias Schaarwächter. Es sei notwendig, dass Radwege in entsprechender Breite bereits bei der Planung von Straßen und Brücken mitbedacht würden.

Treffen in Bochum noch im ersten Quartal

In Zukunft solle die Kommunikation zwischen den verkehrspolitischen Sprechern der ADFC-Kreis- und Ortsverbände und den Mitarbeitern von Straßen.NRW intensiviert werden, führt Matthias Schaarwächter aus. Im Rahmen von regionalen Dialogen stehe die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur im Fokus.

In der Regionalniederlassung Ruhr sind die ADFC-Kreisverbände Duisburg, Oberhausen/Mülheim, Hamm, Recklinghausen, Bochum, Essen, Bottrop, Dortmund, Unna, Herne und Gelsenkirchen zusammengefasst. Noch im ersten Quartal 2020 soll ein Treffen in Bochum stattfinden. Maximilian Schmittem ist dort der neue Radverkehrsbeauftragte. Das Radverkehrsnetz müsse augebaut, Lücken geschlossen werden, erklärt er. Dabei nimmt er auch die Stadt Haltern in den Blick.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub

Der ADFC NRW e.V. ist mit mehr als 42.000 Mitgliedern in knapp 40 Kreisverbänden und 100 Ortsgruppen der größte Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Der Verein setztt sich für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik ein, es werden gemeinsam Touren gefahren und es gibt eine Beratung in allen Fragen rund um das Fahrrad. Der ADFC macht sich für ein einheitliches Radverkehrssystem für Alltags-, Freizeit- und Urlaubsradfahrer mit hohen Qualitätsstandards und guten Serviceeinrichtungen stark.
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