Halterner rufen zu Restaurant-Boykott auf: Hoga-Vorsitzender empört

mlzEssen in Haltern

Gastronomen haben an der Corona-Krise schwer zu knabbern. Nun nehmen manche von ihnen einen Corona-Aufschlag, um den Verlust gering zu halten. Manchen Gästen schmeckt das gar nicht.

Haltern

, 18.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Wochen geschlossen, dann mit begrenzten Sitzplätzen wieder geöffnet: Gastronomiebetriebe haben es auch nach den neuesten Lockerungen noch schwer. Die Umsetzung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen führt zu weiteren Unkosten. Um sich über Wasser zu halten, zeichnen manche Betriebe einen Corona-Aufschlag auf der Rechnung aus.

Im Internet wird nun heiß darüber diskutiert, ob ein solcher Aufschlag rechtmäßig sei und man nicht besser Gaststätten aufsuchen sollte, die ihre Preise nicht der Situation angepasst haben.

Angestoßen wurde die Diskussion von einem Gast, der sich über 1,50 Euro Corona-Gebühr pro Person bei einem Halterner Restaurant beschwerte. Viele Halterner kommentierten den Beitrag und riefen gar zum Boykott von Restaurants auf, die einen solchen Zuschlag verlangen.

Aufruf zum Boykott ist ein Schlag in die Magengrube

Der Vorsitzende des Halterner Hotel- und Gaststättenverbandes (Hoga), Christian Zehren, hat die Diskussion verfolgt und ärgert sich über das Verhalten der Kommentatoren: „Es steht jedem frei, das Lokal zu meiden, wenn ihm die Preise nicht gefallen. Aber öffentlich zum Boykott aufzurufen ist geschäftsschädigend. Die Leute wissen gar nicht, was sie damit lostreten und wie es dem Gastwirt dabei geht.“ Denn der sei durch die Krise ohnehin finanziell gebeutelt und möchte lediglich seine Unkosten schmälern - das sei laut Zehren völlig legitim.

„Stellen Sie sich mal vor, Sie seien ein Kellner, Koch oder Wirt und gehen nach Wochen der Schließung hoch motiviert ans Werk. Sie geben alles, liefern tolles Essen ab und halten alle Richtlinien ein - und müssen dann im Internet lesen, dass jemand zum Boykott Ihres Arbeitsplatzes aufruft, weil sich die Preise leicht erhöht haben. Das ist ein Schlag in die Magengrube“, umschreibt Zehren das Gefühl.

Die Preiskalkulation geht bei manchen Wirten nicht mehr auf

Unter den Gastwirten habe es eine größere Diskussion über die Einführung des Corona-Zuschlages gegeben. Wie viele Halterner Restaurants tatsächlich die Preise erhöht habe, wisse er jedoch nicht. In Zehrens Betrieben bleibe alles beim Alten, hauptsächlich weil er keine Diskussion um die Preise lostreten wollte.

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„Ich kann aber jeden verstehen, der die Preise erhöht. Die Gäste sind sich häufig nicht bewusst, was für Kosten durch die Corona-Maßnahmen entstehen. Da kommt oft das Argument: ‚Vorher war es ja hoffentlich auch schon hygienisch; die müssen gar nicht viel ändern‘, doch da hängt noch viel mehr dran. Bei vielen geht die Kalkulation im Moment nicht mehr auf“, so Zehren.

Hohe Kosten durch Hygienemaßnahmen

Er rechnet vor: 700 Euro habe er seit der Wiedereröffnung alleine für den Druck der Datenerfassungsprotokolle bezahlt. 500 Euro seien bislang für Desinfektionsmittel drauf gegangen. 100 Euro kostet die Miete der Desinfektionsspender im Monat. Nur etwa die Hälfte der Sitzplätze können aufgrund der Abstandsregelungen besetzt werden, also auch nur halb so viel Umsatz gemacht werden.

Veranstaltungen und Vereinstreffen fielen in der letzten Zeit weg. Und dann müsse an manchen Tagen auch noch eine zusätzliche Kraft aushelfen, um die Datenerfassung und Platzzuweisung zu organisieren. Dazu kommt, dass im März ohnehin die Bierpreise auf dem Markt gestiegen seien.

Trinkgeld geht an die Kellner

„Einige Gäste geben mehr Trinkgeld, um uns zu unterstützen. Das freut uns, denn unser Personal hat durch die Kurzarbeit auch Federn gelassen. Aber davon können wir unsere Zusatzkosten natürlich nicht decken - das Trinkgeld gehört den Kellnern. Das haben sie sich auch verdient“, so Zehren. „Wir haben im Moment nur zwei Möglichkeiten - entweder erhöhen wir die Preise oder wir nehmen weitere Verluste hin. Da geht es um Existenzen. Manchen Facebook-Kommentatoren ist das nicht so präsent“, fügt er hinzu. Der Hoga-Vorsitzende wünscht sich daher, dass die Gäste künftig ihre Kritik direkt beim Wirt anbringen, anstatt im Internet Diskussionen loszutreten.

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