Sänger ritten mit Kosaken

Haltern Um eine Reise zu unternehmen, braucht man nicht immer Koffer zu packen.

24.09.2007, 16:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Am Sonntag reichte es, in der Schulzentrums-Aula dem Konzert zu lauschen, das der Kolpingchor anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Kolpingsfamilie einstudiert hatte. Die dreistündige musikalische Reise begann in den Weingebieten am Rhein, durch die Wiener Straßen hindurch ging es dann nach Ungarn, um zum Schluss die Tiefen Russlands zu erkunden.

Doch bekanntermaßen ist es wenig reizvoll, alleine zu reisen - und so hatte der Kolpingchor hochkarätige Gäste eingeladen: Einerseits das weltweit bekannte russische Quartett Paraphras und den albanischen Pianisten Desar Sulejmani, beide hatten schon vor vier Jahren mit dem Chor konzertiert. Andererseits den russischen Tenor Fedor Osipov, der zum ersten Mal nach Haltern kam. Rund 400 Zuhörer füllten die Aula, dennoch bedauerte Vorsitzender Manfred Vorholt, dass das Dekanatssingen zeitgleich stattfand. "Sonst wären sicher noch mehr Besucher gekommen, denn viele hatten an beiden Veranstaltungen Interesse." Davon abgesehen war er aber nach dem Konzert hochzufrieden: "Wir haben nur positive Reaktionen bekommen." 28 Stücke erlebten die Zuhörer, mit Besetzungswechseln nach je zwei bis drei Liedern. Der 36-köpfige Chor, der sich in Bestform zeigte, sowie Tenor Osipov mit seiner raumfüllenden Stimme wechselten sich regelmäßig ab, mal spielte Sulejmani und dann wiederum der Akkordeonist und die drei Streicher der virtuosen Paraphras. Chormitglied Herbert Schlingermann erläuterte die Hintergründe der Lieder.

Säbeltanz

Der Schwerpunkt lag auf heiteren und lebensfrohen Melodien. Es gab leichte Arien und einen Tango, der Chor besang den Wein und ritt mit den rastlosen Kosaken durch die Steppe.

Paraphras tauchte in den venezianischen Karneval ein und begeisterte beim Säbeltanz. Im letzten Teil wurde es vereinzelt wehmütig, bevor Kolpingchor, Osipov und Paraphras in einer gemeinsamen Darbietung den Sonnenuntergang an der Wolga zelebrierten und schließlich bei "Kalinka" (das es ein zweites Mal als Zugabe gab) mitklatschen und stehende Ovationen heraufbeschworen.

Leonid Sirotin

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