Sand-Tagebau am Silbersee: Haltern profitiert bislang nicht von Ausgleichsmaßnahmen

mlzQuarzwerke

Wer Naturräume zerstört, muss für Ausgleich sorgen. Auch am Silbersee, wo ein großer Wald dem Tagebau weichen soll. Von den ersten Maßnahmen profitiert Haltern allerdings nicht unmittelbar.

Haltern

, 04.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Obwohl die Genehmigungsverfahren für die geplante Erweiterung des Sand-Tagebaus am Silbersee I in Haltern noch lange nicht beendet sind, haben die Quarzwerke bereits mit ersten Kompensationsmaßnahmen begonnen.

Denn die 87 Hektar große Waldfläche, die dem Sandabbau im Norden des Silbersees weichen soll, muss an anderer Stelle wieder ersetzt werden - durch Erst- oder Wiederaufforstung. So will es das Gesetz. Das heißt aber nicht, dass der Wald wieder dort entsteht, wo er weggenommen wurde.

Die Quarzwerke sind zuversichtlich, dass ihr Antrag auf Ausdehnung des Quarzsand-Tagebaus von der für den Bergbau zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg durchgewunken wird. Spätestens bis zur „zweiten Jahreshälfte 2021“ rechnet Thomas Pütter, Leiter des Bereichs Rohstoffsicherung bei den Quarzwerken, mit einem positiven Bescheid.

Wohl deshalb hat sich das Unternehmen längst schon in Kompensationsprojekte eingeschrieben, einige sogar bereits abgeschlossen. Die Stadt Haltern profitiert bislang noch nicht von den Ausgleichsmaßnahmen.

Kompensationsprojekt in den Lippeauen

„Wir sind früh mit unseren Vorbereitungen“, erklärt Britta Franzheim, Sprecherin der Quarzwerke, auf Anfrage. Vieles werde sich aber auch erst später noch ergeben. 15 Hektar Wald entstanden mit Unterstützung des Unternehmens bereits in Datteln-Ahsen.

Öffentlichkeit wird ins Verfahren einbezogen

Das Beteiligungsverfahren hat begonnen

  • Zwei Genehmigungsverfahren müssen die Quarzwerke durchlaufen. Beim ersten Teil, der vom Regionalverband Ruhr beabsichtigten Regionalplanänderung, hat am 3. Februar 2020 das Beteiligungsverfahren begonnen. Fachbehörden, Verbände un die Öffentlichkeit können bis zum 6. April ihre Einwände vorbringen.
  • Verfahrensunterlagen liegen bei der Kreisverwaltung Recklinghausen und dem Regionalverband Ruhr in Essen öffentlich aus und stehen im Internet. Dort finden Interessierte auch nähere Informationen zu den Öffnungszeiten der Auslegungsorte sowie den Beteiligungsfristen.

An der Lippe zwischen Datteln und Olfen wird in einem Kooperationsprojekt zwischen Lippeverband, Landschaftsagentur Plus, Vogelsang Stiftung und Regionale 2016 (hieraus entstand das Projekt Zweistromland, an dem auch die Stadt Haltern beteiligt war) eine 117 Hektar große Auenlandschaft entwickelt.

„Dieses Projekt ist eine Bereicherung für den Naturschutz“, sagt Nicole Büsing, Geschäftsführerin der Landschaftsagentur Plus, die für Kompensationsmanagement verantwortlich zeichnet. Die Renaturierung der Lippe durch Entnahme der Uferbefestigung solle der Flussaue Raum für wilde Entfaltung geben.

Naherholungsgebiet für die Halterner Bevölkerung

Auch die Wiederherstellung der Auenwälder sorge dafür, dass vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten in dem Naturschutz- und FFH-Gebiet viele Lebensräume geboten würden. „Diese Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und landesweiten Biotopverbund“, sagt Nicole Büsing. Außerdem wirke sie positiv auf den Hochwasserschutz und das Naturerlebnis. „Viele Halterner kommen hierher, um dieses Naherholungsgebiet zu genießen.“

Auch in Marl waren die Quarzwerke aktiv. Sieben Hektar Wald wurden dort aufgeforstet. Zudem sei in „Richtung Wesel“ eine kleinere Waldfläche entstanden. Im kommenden Jahr soll dann eine weitere Fläche in Datteln im Bereich der Lippe aufgeforstet werden.

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„Wer Naturraum zerstört, muss einen qualitativ hochwertigen Ausgleich schaffen“, meint Harald Klingebiel von der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft.

Wenn das nicht an Ort und Stelle möglich sei, müsse der Wald an anderer Stelle ersetzt werden. Oft sei es nicht machbar, den Wald im selben Stadtgebiet neu entstehen zu lassen. Auch sei es fast unmöglich, eine zusammenhängende Fläche für ein Projekt dieser Größenordnung zu finden, fügt Nicole Büsing hinzu.

Waldanteil der Stadt Haltern liegt bei 47 Prozent

Keine Bedenken hat Harald Klingebiel hinsichtlich des Verlustes von 87 Hektar Wald am Silbersee I in Haltern. „Diese Fläche ist ökologisch nicht sehr wertvoll“, betont er im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Soll heißen: Der Wald besteht überwiegend aus Kiefern. Ein besonderes Vorkommen von Tieren oder Pflanzen sei dort nicht gegeben. Die Stadt verfüge zum Glück über große Waldflächen. Wie ein Sprecher der Seestadt mitteilt, beträgt der Anteil des Waldes auf Halterner Gebiet rund 47 Prozent.

Immer auf der Suche nach Waldflächen

Die Suche nach geeigneten Flächen für weitere Kompensationsmaßnahmen geht indes bei den Quarzwerken weiter. „In den kommenden Jahren werden wir begleitend zur Tagebauerweiterung weitere Flächen suchen und dort, wo es ökologisch Sinn macht, umsetzen beziehungsweise aufforsten“, erklärt Sprecherin Britta Franzheim. Grundsätzlich sei man immer auch auf der Suche nach Waldflächen, die aufgewertet werden können. „Denn vor allem durch die Dürreschäden der vergangenen beiden Jahre hat der Wald sehr gelitten.“

Wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Knapp 30 Prozent der Landesfläche besteht aus Wald

  • Nordrhein-Westfalen verfügt über 935.000 Hektar Wald, was 27 Prozent der Landesfläche entspricht. Die Wälder speichern rund 700 Millionen Tonnen CO2.
  • Wälder dienen der Erholung und sind ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Sie sind entscheidend für die Regulierung des Wasser- und Temperaturhaushalts und damit ein Schlüssel einer erfolgreichen Klimaanpassungsstrategie.
  • Mit 63 Prozent der Waldfläche weist Nordrhein-Westfalen den höchsten Privatwaldanteil in Deutschland auf. 21 Prozent der Waldfläche ist Körperschaftswald.
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