Schlechte Internetverbindung als Standortnachteil

Heimvolkshochschule

"Als ich nach Haltern kam und hier anfing zu arbeiten, dachte ich zuerst, mein PC sei kaputt", sagt Norbert Jansen, der neue Geschäftsführer der Gottfried- Könzgen-Heimvolkshochschule auf dem Annaberg. Aber sein PC ist völlig in Ordnung: Woran es auf dem Annaberg hapert, ist die Internetverbindung.

HALTERN

von Jürgen Wolter

, 08.01.2016, 14:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Diese Internetverbindung nervt“, findet Norbert Jansen, der neue Geschäftsführer der Heimvolkshochschule Gottfried Könzgen auf dem Annaberg. Wolter

„Diese Internetverbindung nervt“, findet Norbert Jansen, der neue Geschäftsführer der Heimvolkshochschule Gottfried Könzgen auf dem Annaberg. Wolter

 "Sie ist für eine Bildungseinrichtung wie die unsere schlichtweg ein Standortnachteil", sagt Norbert Jansen.

Der Aufbau der eigenen Homepage auf seinem PC dauert Minuten. Je mehr Mitarbeiter im Haus am PC arbeiten, desto langsamer werden die Verbindungen. Mehrere tausend Besucher halten sich im Lauf eines Jahres im Könzgenheim als Gäste von Bildungsveranstaltungen auf.

Teilweise Beschwerden

"Auch sie fragen dann nach der Internetverbindung oder beschweren sich teilweise darüber", sagt Norbert Jansen. "Zwar haben wir einen W-Lan-Router installiert, aber auch da besteht dasselbe Problem. Wenn viele surfen, wird es immer langsamer."

Videos auf Internetseiten lassen sich nicht ruckelfrei anschauen. Das Hochladen eines vom Könzgen-Haus produzierten Films zum Berufsbild Hauswirtschaft dauerte mehrere Stunden.

"Das ist untragbar", sagt Norbert Jansen. "Multimediale Aufbereitungen werden auch für die Konzeption unserer Seminarinhalte immer wichtiger. Wenn wir nicht den Anschluss verlieren wollen, muss sich da etwas ändern. Auch wir stehen in einer Konkurrenzsituation zu anderen Häusern."

100 Arbeitsplätze

Auf dem Annaberg ist auch das Altenheim und die Pfadfindereinrichtung Gilwel St. Ludger betroffen. "Da hängen insgesamt 100 Arbeitsplätze dran", sagt Norbert Jansen.

Technisch lässt sich das Problem kaum selbst lösen: "LTE-Funkverbindungen haben ebenfalls keine ausreichende Kapazität. Alternative wäre der Aufbau einer Antenne für eine Richtfunkstrecke. Aber das würde allein 30000 Euro kosten. Das können wir nicht finanzieren", so Jansen, der sich über alle Alternativen inzwischen informiert hat.

Norbert Jansen hofft jetzt darauf, dass sich in Sachen Breitbandausbau der Internetverbindungen in Haltern etwas tut. "Notwendig ist der Anschluss des Annabergs an Glasfaserkabelverbindungen", so Jansen. "Das Könzgen-Haus ist keine Exerzitieneinrichtung, in der die Gäste vom Alltag abschalten wollen, sondern ein Haus der Kommunikation. Dafür müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden." 

Die Stadt arbeitet daran: Die Verfügbarkeit von schnellem Internet über Breitbandverbindungen beschränkt sich in Haltern im Wesentlichen auf den Innenstadtbereich. Die Karte des Breitbandatlas des Bundes zeigt, dass die Ortsteile weitgehend nicht ausreichend versorgt sind. Die Stadt möchte das ändern, hat den Ausbau des Breitbandnetzes im Visier. Die CDU-Fraktion im Rat hatte dieses Anliegen mit einem Antrag in der letzten Ratssitzung des Jahres 2015 noch einmal auf die Tagesordnung gebracht.

Förderungen beantragen

50 000 Euro an Fördermitteln konnten Wolfgang Kiski und Gunther Albrecht aus der Stadtverwaltung Mitte Dezember von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Empfang nehmen. Das Geld dient dazu, zunächst einen Bedarfsplan für Haltern zu erstellen und technische, kaufmännische und rechtliche Rahmenbedingungen zu klären. Die Bundesregierung nimmt insgesamt 2,7 Milliarden Euro in die Hand, um den Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland zu fördern.

„Das erforderliche Gutachten für Haltern werden wir in Kürze in Auftrag geben“, sagt dazu Pressesprecher Thomas Gerlach. In welchen Bereichen von Haltern der Ausbau vorrangig vorangetrieben werden soll, hängt von dem Gutachten ab. „Dann werden wir die entsprechenden Fördermittel beantragen, um den Ausbau angehen zu können“, so Thomas Gerlach weiter. Angestrebt ist eine Förderung von 90 Prozent.

Lesen Sie jetzt