„Sehr aggressive“ Autofahrer pöbeln im Verkehrschaos an den Halterner Seen

mlzHeißes Wochenende

Die Nerven lagen blank: Am heißen Wochenende gab es an einigen Stellen in Haltern Verkehrschaos. Anwohner ärgerten sich, Autofahrer waren wütend und ließen das an Ordnungskräften aus.

Haltern

, 01.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Rund 30.000 Menschen sind am Wochenende an die Halterner Badeseen und Freibäder geströmt. Für viele von ihnen war es ein anstrengender Weg ans Wasser und nicht alle sind überhaupt bis an die Strände gekommen. Der Verkehr war stellenweise komplett zum Erliegen gekommen.

Wenn der offizielle Parkplatz am Bad des Halterner Stausees voll ist, parken die Badegäste immer auf dem Seitenstreifen der Hullerner Straße. Doch das ist nicht überall erlaubt, am Sonntagnachmittag kam es zu extremen Engstellen, weil auf beiden Seiten Autos parkten, die die Fahrbahn verengt haben.

660 Knöllchen sind am Wochenende geschrieben worden

Insgesamt hat das Ordnungsamt am Wochenende in Haltern 660 Knöllchen geschrieben, vor allem rund um Stausee und Silbersee. An der Hullerner Straße sind auch zwei Autos abgeschleppt worden, weil sie Rettungswege blockiert haben.

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Auch rund um die Silberseen gibt es bei gutem Wetter immer Staus, doch so schlimm wie an diesem Wochenende mit mehr als 30 Grad ist es selten. „Wir sind häufig ein bisschen genervt“, sagt Gudrun Seuser, die an der Lehmbrakener Straße wohnt: „Aber am Sonntag ist mir die Hutschnur geplatzt.“

Den kleinen Enkel könne man bei viel Verkehr auf der Lehmbrakener Straße nicht im Garten schlafen lassen, Hupkonzerte seien an der Tagesordnung. „Als ob irgendjemand dadurch schneller zum See käme“, sagt Gudrun Seuser. Vom Stau dröhne häufig laute Musik über die Hecke.

„Sehr aggressive“ Autofahrer pöbeln im Verkehrschaos an den Halterner Seen

Gudrun Seuser an ihrem Gartentor zur Lehmbrakener Straße: Am Sonntag hat hier ein Auto hinter dem anderen geparkt, auf der Straße gab's Dauerstau. © Kevin Kindel

Die Autofahrer würden ständig Müll in die Straßengräben werfen, vorletztes Jahr hätten Fußgänger einfach aus Langeweile Steine auf die Hunde geworfen, die hinter dem Gartentor gebellt haben. Im Wald müsse man auch ständig aufpassen, weil Ortskundige die Forstwege illegalerweise als Schleichweg nutzen.

„Pöbeleien treten über die Jahre immer häufiger auf“

„Wenn man in die eigene Einfahrt will, steht man hier eineinhalb Stunden im Stau und wird dann noch angepöbelt“, sagt Gudrun Seuser resigniert. Dabei ist sie bemüht zu betonen, dass es auch nette Begegnungen in dem Chaos gebe.

„Einmal hat eine Familie bei uns geklingelt und nett gefragt, ob sie ein Glas Wasser für die Mutter bekommen könnte“, sagt die Anwohnerin: „Dann hab ich sie noch alle mit dem Auto zum Bahnhof gefahren.“ Doch Pöbeleien seien über die Jahre sicherlich immer häufiger aufgetreten. Rettungskräfte würden auch mit Blaulicht und Sirene ständig im Stau stecken bleiben.

Ihren Stau-Frust haben einige Autofahrer in den letzten Tagen häufig an der Polizei und dem Ordnungsamt ausgelassen, die den Verkehr regeln wollte. „Irgendwann war es einfach voll“, sagt Sprecherin Ramona Hörst. Da habe man einige Fahrer wegschicken müssen, weil nicht genügend Parkplätze erreichbar waren.

„Sehr aggressive“ Autofahrer pöbeln im Verkehrschaos an den Halterner Seen

Einige Seitenstraßen rund um den Silbersee II werden im Sommer abgesperrt, damit dort nicht geparkt wird. © Kevin Kindel

„Die Kollegen mussten einiges über sich ergehen lassen“, so Hörst: „Etliche Leute haben sie frustriert beschimpft.“ Anzeigen wegen Beleidigungen seien aber nicht geschrieben worden. Auch von der Stadtverwaltung heißt es: „Die Kollegen sind auf der untersten Sohle beschimpft worden.“ Die Autofahrer seien „sehr genervt und sehr aggressiv“ gewesen.

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