„Senioren oft mit Pedelecs überfordert“ - Polizei gibt Tipps für ein unfallfreies Fahren

mlzFahrsicherheitstraining

Die Zahl der Senioren, die mit einem Pedelec verunglücken, steigt stetig. Das teilt die Polizei im Kreis Recklinghausen mit. Mit einem Aktionsprogramm geht sie gegen diese Entwicklung vor.

Haltern

, 24.10.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pedelecs - Fahrräder also, deren Antrieb von elektrischen Hilfsmotoren unterstützt werden, sobald der Radler in die Pedale tritt - erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Das weiß auch Thomas Schwenken. Doch die steigende Anzahl solcher Räder im Straßenverkehr allein erkläre nicht die ebenfalls steigende Zahl von Unfällen zwischen 2014 und 2018, in die Pedelec-Fahrer verwickelt seien, erklärt der Polizeihauptkommissar.

Die Handhabung und Benutzung eines solchen Fahrrads stelle auch besondere Anforderungen an den Radler. „Manche Risiken werden im Straßenverkehr leicht unterschätzt“, betont Schwenken. Besonders betroffen seien Senioren. Schwenken: „In unserem Zuständigkeitsbereich verunglücken immer mehr über 65-Jährige mit einem Pedelec.“

Der Polizeibeamte ist in der Verkehrsunfallprävention tätig. Jetzt war er mit seinem Kollegen Martin Weinhold in Haltern. Zusammen mit der VHS Dülmen/Haltern/Havixbeck hat die Polizei Recklinghausen ein neues Konzept für Senioren entwickelt, um diese für einen sicheren Umgang mit dem Pedelec oder E-Bike (es fährt auf Knopfdruck ohne Pedalunterstützung) zu sensibilisieren. Knapp 20 Senioren aus Haltern und Umgebung nahmen an dem kostenlosen, knapp dreistündigen Kurs in Theorie und Praxis teil. Weitere Kurse sollen folgen.

Geschwindigkeitsrisiken und Unfallfolgen

Im Theorieteil ging es um Geschwindigkeitsrisiken und Unfallfolgen. Auch die Leistungsfähigkeit der Senioren wurde unter die Lupe genommen. Was theroretisch zur Handhabung des Pedelec erklärt worden war, wurde dann anschließend auf einem großzügig angelegten Parcours auf dem Schulhof der Alexander-Lebenstein-Realschule in die Praxis umgesetzt. Dabei wurde deutlich: Der Umgang mit dem Pedelec muss geübt werden.

Senioren sind oft mit einem Pedelec überfordert

„Viele Senioren kaufen sich ein solches Rad und sind damit überfordert“, meint Polizist Thomas Schwenken. Die Räder seien schwerer als herkömmliche Räder. Beim Fahren müsse zudem je nach Situation der Körperschwerpunkt verlagert werden. Fahrten im Slalom, in engen und sich verengenden Fahrspuren, engen Kurven und in einer großen Acht wurden absolviert.

Als größtes Problem stellte sich hier das auch im Straßenverkehr oftmals erforderliche langsame Fahren heraus: „Da verlieren die Teilnehmer dann häufig das Gleichgewicht.“ Und so drehten viele gleich mehrere Runden auf dem Parcours. Ein gefühlvoller Tritt ins Pedal verhinderte dabei, zu kippen.

Die Polizei hält noch ein paar Tipps parat:

  • Zwar besteht keine Helmpflicht auf Fahrrädern. Im Ernstfall aber kann ein Fahrradhelm Leben retten.
  • Auf die Höheneinstellung des Sattels achten: Optimal eingestellt ist er, wenn in Sitzposition die Fußballen des Radlers auf dem Boden stehen.
  • Nicht zu weit nach vorn gebeugt auf den Lenker stützen. Besser ist eine aufrechte Position.
  • Nicht beim Bremsen tippeln: Erst kurz vor dem Stillstand des Rads aus dem Sattel steigen.
  • Bordsteinkanten im rechten Winkel anfahren. Das verringert die Abrutschgefahr.
  • Bremshebel richtig einstellen: Den Bremshebel soweit nach innen setzen, dass Zeige-und Mittelfinger den äußeren Rand des Bremsgriffs erreichen. Nur so kann man die maximale Hebelwirkung nutzen.
  • Im Dunkeln hilft eine gute Beleuchtung. Auch Reflektoren an den Speichen sind ratsam.

Zwei Halternerinnen, erst seit vier Wochen im Besitz eines E-Pedelecs, zeigten sich besonders begeistert von dem Kurs. „Ich war vorher sehr unsicher mit dem Rad“, sagte eine. „Irgendwann hat man es heraus, wie man durch die engen Kurven kommt“, meinte die andere.

Polizeihauptkommissar Thomas Schwenken macht deutlich: „Viele Verkehrsteilnehmer fangen erst im höheren Alter an, Pedelec zu fahren.“ Dank dem Antrieb könnten sie wieder auf der Straße unterwegs sein. Diese Fahrräder seien aber häufig zu schwer und zu schnell für sie. „Mit Hilfe dieses Trainings sollen Verkehrsunfälle begrenzt werden, an denen Senioren mit Pedelecs beteiligt sind.“ Denn wer die Kontrolle über sein Fahrrad habe und sein eigenes

Leistungsvermögen abschätzen könne, verringere das Risiko, im

Straßenverkehr zu verunglücken. Der nächste Kurs findet am 16. April 2020 bei der VHS in Haltern statt.

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