Seniorengerechtes Wohnen in Sythen: Das Argument für zentrale Hausübergänge bröckelt

mlzSeniorengerechtes Wohnen

Die geschlossene Bauweise des seniorengerechten Wohnkomplexes in Sythen sorgt nach wie vor für Empörung bei den Anwohnern im Baugebiet. Sind die zentralen Treppenhäuser wirklich notwendig?

Sythen

, 16.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Empörung haben Anwohner des Neubaugebietes Elterbreischlag auf die Argumentation der Stadt Haltern reagiert, dass die mächtigen Fassadenfronten des neuen Gebäudekomplexes für das Betreute Wohnen am Eltritt und Dietrich-Bonhoeffer-Weg für sie zumutbar seien.

„Ich bin der Meinung, die Verantwortlichen haben unmoralisch gehandelt und die individuelle Empfindung Hunderter Menschen missachtet und sind dann auch nicht in der Lage, ihre Beweggründe zu vermitteln“, schreibt Nachbarin Marlit Büren-Kolk an die Redaktion.

Seitdem die fünf Einzelhäuser durch drei Übergänge mit Treppenhäusern aus blickdichtem Beton verbunden worden sind, hagelt es Kritik am Vorgehen der Verwaltung. Sie genehmigte die Veränderung am Baukörper im Alleingang.

Die TSC Real Estate als Bauherrin des Projekts hat mittlerweile wirtschaftliche Gründe für den Materialwechsel bei den Übergängen genannt. Ursprünglich sollten auf dem 4350 Quadratmeter großen Grundstück fünf Einzelhäuser entstehen, dann waren Übergänge aus Glas geplant, um zumindest für einen gewissen luftigen Charakter zu sorgen.

Pflegeservice wird bei Bedarf gebucht

Das Konzept für das Millionenprojekt hätte womöglich auch eine ganz andere Bauweise zugelassen. Wer eine der 35 Wohnungen im Elterbreischlag anmietet, muss nicht zwingend betreuungsbedürftig sein und bucht nur bei Bedarf den Service eines Pflegedienstanbieters in Haltern oder Umgebung.

Dies lässt die Frage zu, warum eine „effiziente Zuwegung“ über zentrale Treppenhäuser erforderlich sein soll. Mit dem Argument, die Pflegekräfte müssten zwischen den Wohneinheiten schnell hin- und herwechseln können, begründet der Investor die Übergänge zwischen den Häusern.

Jetzt lesen

Die Pflegekräfte unterschiedlicher Dienste aber könnten ihre Klienten auch über ein ganz normales Treppenhaus in jedem Haus erreichen, was allerdings neben fünf Aufgängen auch fünf Aufzüge notwendig gemacht hätte.

Die Wohnungen sind seniorengerecht

Auf Nachfrage bestätigte Thomas Poley von der TSC übrigens, dass die neuen Wohnungen dem Standard „seniorengerecht und zum Teil behindertengerecht“ entsprechen. Der Standard Betreutes Wohnen wird demnach nicht erreicht. Voraussetzung wäre, dass ein Betreuungsträger für Pflege und weitere Dienstleistungen zuständig ist.

Außerdem würde eine Beratung bei Behördenangelegenheiten oder für Freizeitaktivitäten angeboten. Auch würde der Kontakt der Bewohner untereinander angeregt.

Ursprünglich, so lässt es sich in alten Unterlagen nachlesen, sollte Alloheim die Bereiche Hauswirtschaft, Reinigung und Hausmeistertätigkeiten beim Seniorenwohnen auf dem Nachbargrundstück übernehmen. Eine weitergehende Beratung der Bewohner sollte durch die Heimleitung erfolgen. Insgesamt waren vier bis fünf zusätzliche Mitarbeiter für das erweiterte Angebot vorgesehen.

Durch Verkauf hat sich die Situation verändert

Mittlerweile ist die Alloheim GmbH, die vom schwedischen Investmentfonds Nordic Capital aufgekauft wurde, nur noch Betreiber der „Seniorenresidenz Sythen am See“. Die Pflegeimmobilie wechselte ebenso wie das Grundstück für das Seniorenwohnen nebenan in den Besitz der TSC Real Estate. Das angedachte Betreuungskonzept hat sich so überholt. Aktuell gibt es laut Auskunft von Thomas Poley keine Kooperation zwischen Alloheim und der TSC.

Zu diesem Thema werde man das Gespräch mit der TSC suchen, teilte die Alloheim GmbH nun kurz vor Eröffnung der Wohnanlage nebenan auf Anfrage mit. Ein Alloheim-Sprecher informierte, dass die neuen Nachbarn in Sythen die Cafeteria der Pflegeeinrichtung besuchen, am Mittagsmahl teilnehmen oder an angebotenen Veranstaltungen und Ausflügen teilnehmen können.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung „Anne‘s Dorflädchen“
Inhaberin von Dorfladen in Lavesum frustriert: „Der Laden läuft schlecht bis gar nicht“