Bei der Digitalisierung der Schulen in Haltern spielen viele Aspekte eine Rolle. Sie reichen von der Bausubstanz der Gebäude bis zu Fragen des Jugend- und Datenschutzes.

Haltern

, 11.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Haltern bereitet die Digitalisierung ihrer neun Grund- und drei weiterführenden Schulen vor (Schulträger des Berufskollegs in Haltern ist der Kreis Recklinghausen). Der Glasfaseranschluss für jede Schule ist gelegt. Wir stellen den weiteren technischen Fortschritt und die Anforderungen vor.

? Gibt es lokale Besonderheiten, die bei der Digitalisierung der Schulen in Haltern eine Rolle spielen?

Ja, zum Beispiel hängt einiges von der Bausubstanz des Gebäudes ab. Sind nur altes Mauerwerk, Beton oder sogar viel Stahl verbaut? Einfluss nimmt auch die Dichte der zu versorgenden Klassen und Schüler in einer Schule. Am Schulzentrum mit ca. 2000 Schülern der Sek I oder auch II mit einem bis zu 3-etagigen Bau muss sicherlich anders versorgt werden, als eine 1-etagige kleine Grundschule mit wenig Grundschülern.

? Was ist bei der Auswahl des geplanten einheitlichen Serversystems wichtig?

Da nicht jede einzelne Schule, sondern der Schulträger insgesamt für den „digitalen Service“ verantwortlich ist, ist ein einheitliches System schon aus Kosten- und Personalgründen notwendig. Andernfalls müsste in jeder Schule ein spezieller Fachlehrer für die Systeme verantwortlich sein. Die einheitliche Serverausstattung an allen Schulen, sollen folgende Funktionen unterstützen:

  • Schulserver mit privater Cloud, pädagogischer Oberfläche (per Web und App erreichbar) und Netzwerksteuerung (alle nötigen Serverdienste sind integriert)

  • Benutzer-, Gruppen- und Rollenverwaltung, inklusive Importmodul mit Schild-Kompatibilität. Schild-NRW ist das zentrale Schulverwaltungsprogramm für die Individualdaten- und Leistungsdatenverwaltung. Das Programm verwaltet Schüler/Innen, Lehrkräfte, Erzieher/Innen und Betriebe und ist für alle Schulformen in NRW eignet.
  • Datenschutzkonforme Kommunikation aller Beteiligten (Schüler, Lehrkräfte und Eltern)
  • Gemeinsame und eigene Dateiablage mit ortsungebundenem Zugriff
  • Integrierter Kalender, Stundenplan, Buchungsmodul, E-Mail, Messenger, Dateiaustausch, Curriculum, Foren, News, Aufgaben
  • Automatisierte nächtliche Backups
  • Integrierter RADIUS-Server für BYOD (RADIUS = Remote Authentication Dial-In User Service ist ein Client-Server-Protokoll, das zur Authentifizierung, Autorisierung und Accountingvon Benutzern bei Verbindungen in ein Netzwerk dient .BYOD = Bring Your Own Device; Kürzel für Mitarbeiter in Organisationen und Unternehmen, die ihre privaten, mobilen Endgeräte mit zur Arbeit bringen und dort einsetzen

  • WLAN Freischaltung auf Benutzer, oder Gruppenebene, auch nur für wenige Minuten.

  • Jugendschutzfilter für alles Schuleigene Geräte und für BYOD-Geräte, auch ohne Proxy-Eingabe
  • Automatische Softwareverteilung für Betriebssysteme und Anwenderprogramme
  • Druckserver mit optimaler Kostenverwaltung
  • Kostenlose Apps für iOS und Android
  • Verlässliche Serverhardware mit Vor-Ort-Garantie
  • E-Mail- und Telefon-Support an allen Werktagen
    Jürgen Bially, IT-Fachmann im Halterner Schulamt, stellt eines der neuen mobilen Endgeräte vor, die für die Schüler bestellt wurden.

    Jürgen Bially, IT-Fachmann im Halterner Schulamt, stellt eines der neuen mobilen Endgeräte vor, die für die Schüler bestellt wurden. © Silvia Wiethoff



? Womit werden die jetzt aktuell eingetroffenen Endgeräte ausgestattet?

Die iPads, die für die bedürftigen Schüler aus dem Sofortausstattungsprogramm beschafft werden, sollen mit schulspezifischen Apps ausgestattet werden. So sollen die Schüler hiermit schulisch arbeiten können, aber zum Beispiel auch im Falle einer notwendigen Schulschließung in der Lage sein, beim Distanzunterricht teilnehmen zu können.
Die Schulen nutzen im Moment noch das Lernmanagement System der Firma iServ (eine Ausschreibung für ein Serversystem ist in Vorbereitung). Die Schüler und Lehrer sind in diesem System eingepflegt und können dies auf dem iPad mit der iServ-App nutzen.
Weitere Apps, die jede Schule selbst bestimmen kann, werden einheitlich vom Schulträger bereitgestellt und über ein MDM-System (Unter Mobile Device Management versteht man die zentrale Verwaltung von Smartphones, Tablets und ähnlichen Geräten durch Administratoren) installiert.

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? Können dort nur schulspezifische Dinge bearbeitet werden?

Die Schüler können keine Apps selber installieren. Dies ist vom System her nicht vorgesehen und auch nicht zugelassen. Es werden dort nur Apps installiert, die für den Schulbetrieb notwendig sind.

? Wer bekommt diese Tablets zunächst?

Wir erhoffen in den nächsten Tagen die nächste(n) Lieferung(en) und werden sodann diese einheitlich an die Schulen aushändigen.

? Werden Grundschüler damit ausgestattet?

Natürlich werden auch Grundschüler damit ausgestattet. Denn auch in der Grundschule wird digital unterrichtet und entsprechende Kompetenzen vermittelt. Darüber hinaus sollen auch Grundschüler in der Lage sein, bei einer möglichen nächsten (Teil-)Schließung von Schulen im Distanzunterricht mitarbeiten zu können.

? Verbleiben die Geräte in den Schulen oder dürfen sie mit nach Hause genommen werden?

Ja, die Geräte dürfen (und sollen) mit nach Hause genommen werden, da bereits jetzt schon und zukünftig immer mehr mit dieser Technik zuhause gearbeitet werden soll (muss) und Schüler zum Beispiel im Fall einer (Teil-) Schließung oder längerer Krankheit ein digitales Endgerät zur Verfügung haben sollen.

? Verfügen schon alle Schulen über hochwertiges WLAN, sodass der Nutzung von Tablets nichts im Weg steht?

Alle Schulen verfügen über WLAN, aber nicht über ein so hochwertiges WLAN, dass zukünftig eine Vielzahl von Klassen und Schüler gleichzeitig im WLAN arbeiten können. Diese Voraussetzungen müssen nun in der nächsten Zeit geschaffen werden und ist Teil des umfangreichen technisch- pädagogischen Konzeptes für die Halterner Schulen. Eine Beschaffung oder Ausschreibung eines hochwertigen WLAN mit den dazugehörigen Switches sowie die Beschaffung der Server steht mit an erster Stelle.

? Was ist der nächste Schritt?

Wenn die Beschaffungen der Server und Switche abgeschlossen sind, wird eine umfangreiche Ausschreibung zur Ausstattung aller Klassen mit digitaler Unterrichtsunterstützung erfolgen.
Alle Schulen haben sich gemeinsam auf eine Ausstattung der Klassen mit iPads, AppleTV und einem Beamer nebst Lautsprechern und Leinwand verständigt. Lediglich in besonderen Fachklassen werden teilweise interaktive Beamer mit Whiteboards eingesetzt. An Stellen, wo noch keine ausreichende Anzahl oder ausreichende Qualität an Netzwerk- oder Glasfaserkabeln vorhanden ist, muss die Beschaffung ebenfalls berücksichtigt werden.
Das Verkabelungskonzept mit passender Ausschreibung wird auch zeitnah in Angriff genommen. Weiterhin müssen auch ständig neue Endgeräte, wie Laptops, PCs, Tablets und Drucker für die Schulen beschafft werden. Die Beschaffung von digitalen Arbeitsgeräten, wie programmierbare Roboter, 3D-Drucker, oder digitale Mess- und Regelgeräte stehen ebenfalls für die Schulen im Fokus.

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