Wer im Sommer Gemüse und blühende Pflanzen im Garten haben möchte, der sollte jetzt starten. Carola De Marco vom Nabu in Haltern hat uns gezeigt, worauf es dabei ankommt.

Haltern

, 20.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Langsam steigen die Temperaturen, die ersten Schneeglöckchen brechen durch die Laubdecke in Carola De Marcos Garten. Hier im Wienäckern hat sich die Halternerin vor Jahren dazu entschieden, einen naturnahen Garten aus ihrem Privatgarten zu machen. In den kommenden Wochen will sie den Nabu-Garten „sommerfest“ machen. Worauf es dabei ankommt, hat uns Carola De Marco vom Nabu verraten:

1. Obst und Zierbäume beschneiden

Bis Ende des Monats wird Carola De Marco einige ihrer Bäume „auf den Stock“, also auf die Hauptäste, zurückschneiden - Obstbäume und -sträucher genauso wie Zierbäume. „Das ist ähnlich wie mit den Fingernägeln beim Menschen“, sagt sie. „Da darf man durchaus auch großzügig schneiden.“

Hier empfiehlt die Halternerin die Trapezform: Alle in die Baumkrone ragenden Äste werden abgeschnitten. Der Vorteil: Äste mit vielen Nebenästen werden entlastet, der Baum wird verjüngt und die übrig bleibenden Äste tragen besseres Obst - auch, weil sie nun mehr Licht und Wind bekommen. Hierfür schneidet Carola De Marco etwa den Ast an ihrem Apfelbaum hinter einem neuen kräftigen Trieb ab. Dadurch wird dem Baum eine neue Wuchsrichtung gegeben und der Baum muss den schweren, auf den Boden ragenden Ast nicht mehr tragen.

Diesen Obstbaum-Ast schneidet Carola De Marco in den kommenden Wochen hinter dem neuen Ast ab, um ihn zu entlasten.

Diesen Obstbaum-Ast schneidet Carola De Marco in den kommenden Wochen hinter dem neuen Ast ab, um ihn zu entlasten. © Eva-Maria Spiller

Wer seine Johannis- und Himbeersträucher jetzt noch schneide, der könne noch in diesem Jahr auf Ernte hoffen, so De Marco.

Bei den Zierbäumen komme es beim Schneiden eher darauf an, wie ich meinen Baum haben möchte, so De Marco. Diese Bäume werden dann in die Form geschnitten, die gefällt. Rosen, sagt die Halternerin, könne man jetzt auf drei bis fünf Knospen herunterschneiden - das sei jeweils abhängig von der Sorte.

Diese Art Radikalschnitte sollte allerdings bis Ende Februar abgeschlossen sein, denn dann beginnt die Brut- und Nistzeit. So sieht es das Bundesnaturschutzgesetz vor. „Wenn ich im Sommer 20 Zentimeter von der Hecke wegnehme, dann haben wir ein Problem“, sagt De Marco. Äste und Blätter, die vorher versteckte Nester geschützt haben, liegen frei für Beutegreifer. „Die haben gute Augen für solche Kahlstellen“, sagt De Marco. „Die passen sogar auf, wohin die Vögel fliegen und fangen sie kurz vor ihren Nestern ab.“

2. Tieren noch etwas Ruhe geben

„Ich gehe nicht vor März in den Garten“, sagt Carola De Marco. „Die Tiere und Insekten sind jetzt noch im Winterschlaf. Wenn ich dort jetzt schon sauber mache, dann störe ich sie.“ Deshalb empfiehlt die Halternerin, etwa alte Hügel aus Ästen aus dem Herbst für die Igel und die Laubdecke noch liegen zu lassen. Brennnesseln seien darüber hinaus guter Dünger und als „Schmetterlingswiege“ bekannt.

„Das, was als Unkraut verpönt wird, sind eigentlich unsere besten Helfer - und teilweise lecker, wie der Giersch.“ Dessen Blüte sei nicht nur schön fürs Auge, sondern auch gut für die Insekten. Carola De Marco empfiehlt, den Garten ein wenig „strubbelig“ zu lassen. „Es muss nicht aussehen wie bei uns, aber man kann hier und da ein paar Gräser stehen lassen.“ Blütenstängel empfiehlt sie, bis Ende März stehenzulassen, da hier die Insekten schlummern. Darüber hinaus sei der Vorteil wild wachsender Pflanzen: „Die kümmern sich um sich selber“, sagt De Marco und lacht.

Während die ersten Krokusse durch die Laubdecke brechen, lässt Carola De Marco das Laub noch ein wenig liegen. Hier halten die Insekten gerade noch Winterschlaf.

Während die ersten Krokusse durch die Laubdecke brechen, lässt Carola De Marco das Laub noch ein wenig liegen. Hier halten die Insekten gerade noch Winterschlaf. © Eva-Maria Spiller

3. Gemüse im Haus vorziehen

Wer sein Gemüse im Sommer aus dem Garten statt aus der Theke im Supermarkt holen möchte, der kann jetzt schon anfangen, die ersten Pflanzen auszusäen - im Haus. In der Regel, sagt De Marco, brauchen die Pflanzen vier Wochen, bevor sie nach draußen können. Das gelte etwa für frühe Salatsorten. „Gurken etwa kann man in der nächsten Woche schon anziehen.“

Radieschen könnten bereits dann in den Boden gesetzt werden, wenn der Frost vorbei ist, auch Petersilie könne jetzt schon im Freien ausgesät werden. Für Bohnen und Kürbisse sei es derzeit allerdings noch etwas zu früh, sagt De Marco. Nach dem Vorziehen auf der Fensterbank könne man die Gemüsesorten jedoch Mitte Mai ins Freie setzen.

Wer seinen eigenen Gemüsegarten starten und jetzt schon erste Pflanzen anziehen möchte, der braucht folgende Dinge:

  • Blumentöpfe und -kübel
  • torffreie Erde (zum Schutz der Moore)
  • Abdeckungen jeglicher Art, etwa Plastiktüten

Als erstes Gartenset empfiehlt De Marco eine gute Harke, einen Spaten, eine Hacke mit Zacken, eine Rosenschere, eine kleine Astsäge sowie gute, regenfeste Kleidung.

In einem der Hochbeete im Nabu-Garten wurde eine Schote mit Feuerbohnen vergessen. Die nutzt Carola De Marco nun, um neue Pflanzen zu ziehen.

In einem der Hochbeete im Nabu-Garten wurde eine Schote mit Feuerbohnen vergessen. Die nutzt Carola De Marco nun, um neue Pflanzen zu ziehen. © Eva-Maria Spiller

4. Eine bunte Wiese sähen

Wer etwas für den Erhalt wilder Insekten und anderer Tierarten tun möchte, dem rät der Nabu, „Bunte Meter“ zu pflanzen. „Jeder bunte Meter ist ein kleines Stück (Über)lebensraum für viele Tiere und Pflanzen“, heißt es seitens des Nabu. Wichtig sei, dass die Flächen nicht gespritzt, gedüngt und seltener gemäht würden.

Auf dem Einkaufszettel des Nabu stehen folgende Pflanzensorten:

  • Kornblume
  • Gänseblümchen
  • Wegwarte
  • Acker-Kratzdistel
  • Gewöhnlicher Kratzdistel
  • Wiesen-Bocksbart
  • Rotklee
  • Echte Katzenminze
  • Gemeine Schafgarbe
  • Acker-Witwenblume
  • Wiesen-Sauerampfer
  • Echtes Mädesüß
  • Wilde Karde
  • Wiesen-Flockenblume
  • Vergissmeinnicht
  • Gewöhnlicher Teufelsabbiss
  • Wolliges Honiggras
  • Gewöhnliches Knäuelgras
  • Klatschmohn
  • Gewöhnliches Ferkelkraut
  • Krauser Ampfer
  • Floh-Knöterich
  • Gewöhnliches Bitterkraut

Und so geht es:

1. Sonnige Stelle aussuchen, die ein Jahr nicht gedüngt wird.

2. Grasstücke und Pflanzenbewuchs entfernen.

3. Boden spatentief umgraben und eine Fläche von einem bis zwei Quadratmetern auflockern.

4. Den Boden mit Sand und Kalk untermischen. Dadurch wird er abgemagert und leicht basisch.

5. Die Wildblumen-Gräser-Mischung einsähen. Alternativ kann der Wiesenschnitt von einer anderen Wildblumenwiese aufgebracht werden. „Gruppen von Wildblumenzwiebeln und Wildpflanzen setzen Akzente“, so der Nabu.

6. Die Fläche sollte maximal zwei Mal im Jahr gemäht werden - im Juni/Juli und im Oktober. Alternativ nur im Oktober.

7. Das Schnittgut sollte zum Aussamen noch einige Tage auf der Fläche liegen bleiben. Dann kann es an einen Wildblumengärtner weitergegeben werden oder zum Mulchen im Garten oder für den Kompost genutzt werden.

  • Der Nabu Haltern bietet Interessierten über das Jahr verteilt Baum- und Wiesenschnittkurse an. Die Termine sind auf der Seite des Nabu zu finden.
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