Spielhallen-Betrüger kommen mit Bewährungsstrafe davon

Urteil am Schöffengericht

„Jeder hat jeden beschissen“, hatte die Vorsitzende des Schöffengerichts Marl, Carolin Claas, schon am ersten Prozesstag im März die zwielichtige Abzockerei einer Glücksspiel-Automatenbande kommentiert. Am Dienstag wurde das Urteil gegen einen Besitzer einer Halterner Spielhalle gefällt.

HALTERN

, 29.08.2017, 17:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Spielhallen-Betrüger kommen mit Bewährungsstrafe davon

Gegen den 39-jährigen Angeklagten aus Gelsenkirchen, der in Haltern eine Spielhalle an der Muttergottesstiege betreibt, wurde wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs und Verletzung des Betriebsgeheimnisses eine einjährige Freiheitsstrafe verhängt, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Das Verfahren gegen seine Ehefrau wird gegen Zahlung einer Geldstrafe von 1000 Euro eingestellt.

Der Angeklagte hatte zugegeben, als sogenannter Läufer tätig gewesen zu sein. Er schöpfte Gewinne an Geräten ab, deren Chipkarten durch einen Tagescode manipuliert worden waren. Dafür wurde er laut eigener Aussage mit zehn Prozent am erschwindelten Geld beteiligt. Auf seine Anregung beteiligte sich auch seine Ehefrau als Läuferin an dem Betrug. Außerdem hatte der 39-Jährige versucht, eine manipulierte Chipkarte zu verkaufen.

Manipulation an eigenen Automaten konnte nicht nachgewiesen werden

Obwohl das Gericht gestern noch zwei Zeugen anhörte, konnte dem Mann aber nicht nachgewiesen werden, dass er in seiner eigenen Halterner Spielhalle Automaten manipuliert hatte. Davon habe sein Mandant nichts gewusst, erklärte Rechtsanwalt Andreas Perner. Dieser sei auch gar nicht in der Lage gewesen, ein Gerät umzuprogrammieren.

 

Der Verteidiger versuchte vergeblich, die Staatsanwaltschaft und das Gericht dazu zu bewegen, das Verfahren gegen den Angeklagten gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Der Mann befürchtet nämlich, als Folge einer Verurteilung seine Konzession für den Spielhallenbetrieb zu verlieren. Das hätte er sich allerdings vor seinen Straftaten überlegen sollen, denn vor allem die Staatsanwältin ließ sich nicht erweichen.

Gericht verzichtete auf zusätzliche Geldbuße

Schließlich sei vor Gericht nur „die Spitze des Eisbergs“ der tatsächlich begangenen Betrugsfälle angeklagt. Sie forderte neben einer Freiheitsstrafe auf Bewährung eine zusätzliche Geldbuße von 90 Tagessätzen.

Für den Angeklagten sprach, dass er sich geständig zeigte und sein Vorstrafenregister bisher keine Einträge aufwies. Außerdem erklärte er sich damit einverstanden, auf die Rückzahlung von knapp 3770 Euro zu verzichten, die außergerichtlich eingezogen worden waren. Deshalb verhängte das Gericht keine Geldbuße mehr.

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