Staatsanwaltschaft plädiert erneut auf hohe Strafen für die mutmaßliche „Pfarrhaus-Bande“

mlzLandgericht Bochum

Im „Pfarrhaus-Prozess“ um Einbrüche in Haltern, Dortmund und Castrop-Rauxel hat die Staatsanwaltschaft erneut empfindliche Strafen gefordert. Jetzt sind wieder die Anwälte am Zug.

Bochum/Haltern/Dortmund/Castrop-Rauxel

, 09.12.2019, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder einer professionellen Einbrecherbande, die unter anderem auch in Pfarrhäusern in Haltern, Dortmund und Castrop-Rauxel auf Beutezug gegangen sein soll, hat die Staatsanwaltschaft am Montag am Bochumer Landgericht abermals hohe Gefängnisstrafen gefordert.

Dass seit dem ersten Plädoyer am 29. Oktober auf Initiative der Verteidigung noch sechs Wochen weiterverhandelt wurde und dabei auch noch weitere Zeugen vernommen worden sind, änderte letztlich nichts an den Anträgen der Anklägerin. Der Hauptangeklagte (44) soll nach wie vor zu zwölf Jahren Haft, sein mitangeklagter Sohn (28) zu zehn und seine Partnerin (48) zu insgesamt sechs Jahren und einem Monat Haft verurteilt werden.

Mülheimer Fall stand zuletzt im Fokus

Die Verteidiger hatten zuletzt hauptsächlich den Fall eines Überfalls auf eine Seniorin (85) in Mülheim an der Ruhr aus September 2017 ins Visier genommen und hierzu weitere Beweisanträge gestellt.

Sie wollten unter anderem ein Überwachungsfoto aus einer Mülheimer Tankstelle als entlastend bewertet wissen, weil das Bild vermeintlich exakt zur Tatzeit geschossen worden ist. Doch die Bochumer Richter lehnten am Montag diesen Vorstoß und auch alle weiteren noch offenen Beweisanträge ab, weil aus der Vernehmung der benannten Zeugen „ein Erkenntnisgewinn nicht zu erwarten ist“, so Richter Josef Große Feldhaus.

Jetzt lesen

Im Prozess wurde am Montag jedoch bekannt, dass insoweit in Mülheim am 29. November 2019 noch einmal eine Polizeigruppe am damaligen Tatort gewesen ist und mit Blick auf mögliche Beobachtungsperspektiven 26 Beweisfotos angefertigt hat.

Am 16. Dezember sollen nun die Anwälte plädieren

Der Hauptangeklagte hatte Ende Oktober als einziger Angeklagter sein Schweigen gebrochen und einige Taten eingeräumt. Die zwei Mitangeklagten dagegen schweigen nach wie vor.

Die Staatsanwaltschaft sieht die drei Angeklagten bei Einbruchscoups in Pfarrhäusern in Dortmund und Castrop-Rauxel als überführt an. Im Fall des Überfalls auf Pater James in St. Sixtus in Haltern reichen die Beweise für eine Verurteilung aber offenbar nicht aus. In Haltern war am 4. Februar 2018 im Pfarrhaus von St. Sixtus der dort anwesende Pater brutal attackiert, mit Kabeln gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt worden.

In Dortmund war am 29. Juli 2018 ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter am 15. Juli 2018 im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Am 16. Dezember sollen nun die Verteidiger plädieren. Als Urteilstermin ist aktuell der 10. Januar 2020 eingeplant.

Lesen Sie jetzt