Das Halterner Bauamt genehmigte 2020 insgesamt 25 Mehrfamilienhäuser, so wie dieses an der Goldstraße hinter dem Alten Rathaus in Haltern-Mitte. © Benjamin Glöckner
Weniger Bauanträge

Stadt Haltern vertröstet Bauwillige – Grundstück ist „ein Lottogewinn“

Haltern ist als Adresse heiß begehrt. Im Wunsch, hier passendes Bauland zu finden, liefern sich Bauwillige einen Wettlauf. Trotzdem geht die Zahl der Bauanträge im Vergleich zu 2018 zurück.

Haltern mit knapp 38.700 Einwohner und einer Fläche von 160 Quadratkilometern ist attraktives Bauland. Bauwillige schätzen die weitläufige Natur, die Seen und die gute Anbindung an Autobahn und Eisenbahn. Vorzüge, die auch Investoren in die Karten spielen. Und dennoch ist die Zahl der Bauanträge in den Jahren 2018 und 2019 um 31 Prozent zurückgegangen. Das stellte jüngst die Gemeindeprüfungsanstalt bei ihrer Bewertung der Halterner Bauaufsicht fest.

Wurden in 2018 insgesamt 327 Bauanträge gestellt und 299 genehmigt, waren es ein Jahr später „nur“ noch 227 (genehmigt: 212). Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl leicht auf 232 Anträge, von denen die Stadt 203 genehmigte. Haltern gehört damit zu den mittleren kreisangehörigen Kommunen, die am stärksten von einem Rückgang betroffen ist, stellt die GPA fest.

Gestiegene Baukosten sind ein Hemmschuh

Woran liegt das? Die GPA vermutet, dass 2018 noch schnell vor der Änderung der Landesbauordnung mit neuen Auflagen zu Abstandsflächen, Brandschutz, Begrünung, barrierefreiem und klimafreundlichem Bauen beispielsweise Anträge gestellt wurden, um so eine Entscheidung nach altem Recht zu bewirken. Sie sieht ebenso in den gestiegenen Baukosten einen Hemmschuh, die die historisch günstigen Bauzinsen nicht aufwiegen. Auch die Corona-Pandemie könnte Bauwillige ausgebremst haben.

Baudezernent Siegfried Schweigmann sieht das so: „Der Bauboom hält so lange an, wie Grundstücke bebaubar sind. Der Boom wird also von der Flächenverfügbarkeit gesteuert.“ Das gelte sowohl für Grundstücke in Bebauungsplangebieten als auch für Flächen in unbeplanten Gebieten, die nachverdichtet würden.

38 Einfamilien- und 25 Mehrfamilienhäuser 2020 gebaut

Gebaut wurden Einfamilienhäuser (2018: 58; 2019: 46; 2020: 38), Mehrfamilienhäuser (31 mit insgesamt 115 Wohneinheiten; 25 mit 104 Wohneinheiten; 25 mit 123 Wohneinheiten), außerdem landwirtschaftliche Gebäude oder Garagen beispielsweise.

Bis zum Jahre 2018 sind vor allem Bauanträge aus den Gebieten „Im Grünen Winkel“ und „Elterbreischlag“ genehmigt worden. In 2019 und 2020 standen in diesen und weiteren B-Plangebieten kaum noch unbebaute Flächen zur Verfügung, sodass damit einhergehend auch die Anzahl der Baugenehmigungen in 2019 und 2020 bezogen auf 2018 signifikant zurückgegangen ist.

„Angesichts der äußerst knappen Grundstücksauswahl besteht kein großer Spielraum, sich den schönsten Standort aussuchen zu können.“

Baudezernent Schweigmann

Baudezernent Siegfried Schweigmann ist sicher, dass die Statistik sich wieder verändern wird: „Mit einer erhöhten Zahl von Bauanträgen ist in den nächsten Jahren wieder zu rechnen, wenn insbesondere die B-Pläne in den Gebieten Schafstall in Lavesum und Nesberg in Haltern beschlossen sind.“

Täglich fragen Bauwillige nach Grundstücken in Haltern

Die Frage nach den beliebtesten Standorten lasse sich, so das städtische Bauamt, nur schwer beantworten. Mit einer Standortnähe zum See oder auch zur Natur am Rande der Stadt ließen sich sicher auch immer hohe Grundstückspreise begründen.

Die Baugrube für ein neues Eigenheim-Projekt ist ausgehoben. Jeden Tag erhält die Stadt Nachfragen von Bauwilligen, die händeringend ein Grundstück in Haltern suchen. © Schrief © Schrief

Siegfried Schweigmann: „Letztlich besteht für den interessierten Bauherrn angesichts der äußerst knappen Grundstücksauswahl ohnehin kein großer Spielraum, sich aus mehreren Angeboten den schönsten Standort aussuchen zu können. Ein Grundstück oder eine Wohnung in Haltern am See erwerben zu können, kommt mangels Angebot einem ‚6er‘ im Lotto gleich.“ Jeden Tag erreichen die Stadt Anfragen von Bauwilligen nach bebaubaren Grundstücken oder auch Wohnungen. „Wir müssen sie alle vertrösten.“

In wöchentlichen Baurunden werden Projekte diskutiert

Antragsteller reichen ihre Bauanträge in dreifacher Ausführung ausschließlich in Papierform ein, die städtische Bauaufsicht führt die Akte sowohl digital als auch in Papierform. Pro Bauantrag holt die Stadt durchschnittlich fünf Stellungnahmen ein. Das liegt an der besonderen Lage Halterns im Natur-, Bodendenkmal- und Wasserschutzgebiet und an Vorhaben in Außenbereichen. Grundsätzlich läuft der Prozess eines einfachen Baugenehmigungsverfahren in Haltern überwiegend effektiv, so die GPA.

Allerdings könnte die Zeit abgekürzt werden. Denn bei der Stadt landet jeder Antrag zunächst auf dem Schreibtisch des Baudezernenten. Anschließend sichtet ihn der Fachbereichsleiter Bauen, dann werden alle Anträge in der wöchentlich stattfindenden Baurunde vom Dezernenten, den Fachbereichsleitern Planen und Bauen vorbesprochen und dann erst an die Sachbearbeiter weitergereicht. Aus Sicht der GPA aber würde es reichen, wenn sich diese Runde nur auf die großen, bedeutenden und möglicherweise strittigen Verfahren konzentrieren würde.

Durchschnittlich 69 Tage benötigt die Stadt für ein einfaches, 83 Tage für ein normales Genehmigungsverfahren.

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Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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