Start der Grundschulen am 15. Juni: „Wir sind die Versuchskaninchen“

mlzHalterner Grundschulen

Ab kommenden Montag (15. Juni) sollen die Grundschüler wieder täglich zur Schule gehen. Das hat das Ministerium am Freitag beschlossen. Das trifft in Haltern nicht überall auf Verständnis.

Haltern

, 10.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Entscheidung des NRW-Schulministeriums, alle Grundschulkinder in Nordrhein-Westfalen ab dem 15. Juni wieder täglich in den Klassenräumen unterrichten zu lassen, ist bereits kurz nach der Verkündung auf Gegenwind gestoßen. Besonders das Wegfallen der Abstandsregeln sorgt für Kritik, bei Verbänden, Eltern und Gewerkschaften.

In Haltern hatten sich die Schulen gerade an den tageweisen Präsenzunterricht gewöhnt, Unterrichtspläne bis zu den Sommerferien gemacht und versucht, den Spagat zwischen Notbetreuung, Unterricht und OGS zu bewältigen. Und jetzt ist alles wieder auf Anfang gestellt.

„Das ist eine absolute Katastrophe“

„Meine persönliche Meinung dazu? Wir sind die Versuchskaninchen“, sagt Veronika Beher, Leiterin der Silverbergschule, und meint damit nicht nur ihre Schule, sondern die Grundschulen im Allgemeinen. „Das ist eine absolute Katastrophe“, so Beher.

Sie sei absolut dafür, dass Kinder wieder zur Schule gingen. Aber jetzt die Abstandsregeln zu vernachlässigen, nachdem zuletzt alles für deren Einhaltung getan wurde, das kann die Schulleiterin nicht nachvollziehen. Wenn man zwei Wochen vor den Ferien die Schulen wieder öffne, so Beher, riskiere man, dass die Eltern und Schüler dann möglicherweise zu Ferienbeginn in Quarantäne müssten.

Ihr hatte ein System vorgeschwebt, was die Klassen in zwei Gruppen einteilt und diese jeweils ein um den anderen Tag zur Schule gehen lässt. „Die Schüler hätten das Gelernte in dem Tag Homeschooling vertiefen können und wären am nächsten Tag wieder da gewesen.“ So hätte man den Abstand im Klassenraum wahren können.

Ab Montag sollen die kompletten Klassenverbände wieder gemeinsam unterrichtet werden, im Durchschnitt sind das 28 Schülerinnen und Schüler. In der Silverbergschule sind dann 230 Kinder wieder zeitgleich im Haus. Auf den Fluren, Toiletten soll dann der Mund-Nasen-Schutz getragen und weiter Abstand gehalten werden. Durch gestaffelte Anfangs- und Pausenzeiten werde laut Ministerium eine Trennung der Lerngruppen auch außerhalb des Unterrichts gewährleistet. Nur eine Lehrkraft soll pro Klasse unterrichten. „Wir haben einige Teilzeitkräfte, die sich die Klassenleitung teilen. Wie soll das funktionieren?“, fragt sich Veronika Beher.

Sie wehrt sich außerdem gegen die pauschale Kritik, die Lehrer würden zurzeit nur „Däumchen drehen“, wie ihnen oft vorgeworfen würde. „Meine Kollegen sitzen am PC, machen Arbeitspläne, Elternberatung, zusätzlich Präsenzunterricht und viel, viel mehr.“ Gleichzeitig lobt sie aber auch die Halterner Eltern, die „verdient haben, dass es wieder weitergeht“. Beher und ihre Kollegen sähen, was die Eltern geleistet hätten in den vergangenen Wochen. „Sie haben ihre Kinder sehr gut vorbereitet“, so die Rektorin.

„Es ist für uns eine herausfordernde Aufgabe“

Etwas verhaltener auf die Neuregelung reagiert der neue Schulleiter des Grundschulverbundes Flaesheim/Hullern, Martin Blißenbach. Man sei „nicht begeistert“, dass man zwei Wochen vor den Sommerferien jetzt alle mühsam entworfenen Pläne wieder umwerfen müsse. „Aber wir versuchen natürlich, es gut umzusetzen“, so Blißenbach.

Die Gesundheit der Kollegen stehe an erster Stelle, betont der Rektor. Man wolle den Unterricht nach Stundentafel gewährleisten, es sei aber möglich, dass doch Stunden ausfielen, weil nicht alle Kollegen im Einsatz seien. „Es ist für uns eine herausfordernde Aufgabe“, sagt Martin Blißenbach.

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