Stilles Örtchen mit Erlebnisfaktor - Wo Männer an den Baumstamm Nr. 17 pullern

mlzStilles Örtchen

Stille Örtchen gibt es in Haltern viele. In Jupps Erlebnisbiergarten wartet beim Besuch der Toiletten Besonderes. Frauen können die Zweisamkeit, Männer die Nähe zur Natur genießen.

Haltern

, 15.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder Mensch muss mal, meistens ist das eine private Angelegenheit und hat eher etwas mit Routine als mit Erlebnis zu tun. Es gibt allerdings einen Ort in Haltern, wo auch der Toilettengang zum besonderen Ereignis werden kann. Wenn man möchte.

Wer Jupps Erlebnisbiergarten am Halterner Stausee besucht und zwischendurch aufs stille Örtchen geht, kommt womöglich ins Staunen. Bei den Damen lohnt es sich, die Toilette zu zweit aufzusuchen. Nur dann kann der Sanitärtrakt nämlich seine volle Faszination entfalten.

Stilles Örtchen mit Erlebnisfaktor - Wo Männer an den Baumstamm Nr. 17 pullern

Iris Schumann, Mitarbeiterin in Jupps Erlebnisbiergarten am Stausee, demonstriert das Schiebetürchen in einer Wand der Damentoilette. © Silvia Wiethoff

Das Geheimnis verbirgt sich hinter einem Kläppchen in der Trennwand zwischen zwei Toiletten. „Schnacktür“, steht darauf. Per Schiebetechnik erhalten Freundinnen Durchblick zum jeweils anderen Klo und können sich während ihrer Sitzung über dies und das unterhalten.

„Wir haben uns gedacht, dass Frauen gern zusammen aufs Klo gehen. Warum ihnen nicht den Austausch erleichtern?“, sagt Toddy Geldmann, der das Lokal gemeinsam mit seiner Schwester Martina Hörstrup führt. Das Motto „Erlebnis“ soll sich nicht nur auf die Verkostung von hauseigenem Böcken Bräu beschränken.

Toilettenkultur

Das Plumpsklo war in Haltern weit verbreitet

Das erste Wasserklosett wurde in Haltern übrigens im Jahr 1900 installiert. Alte Halterner erinnern sich noch daran, dass die Hinterlassenschaften der Pumpsklos im Garten in Sickergruben gesammelt wurden. Diese mussten regelmäßig geleert werden. Der Inhalt landete auf den Äckern. Gerne wurde diese Arbeit von der katholischen Bevölkerung am Karfreitag verrichtet, dem höchsten Feiertag der protestantischen Mitbürger. Wenn der Karren mit dem Fäkalienbottich über das Kopfsteinpflaster der Innenstadt gezogen wurde, war er bei Ankunft am Feld bereits halb leer.

Deshalb wartet auch auf die männlichen Gäste eine Überraschung in den Sanitäranlagen. Ein Urinal ist in einen Baumstamm eingearbeitet. Dieser wirkt täuschend echt, besteht aber nicht aus Holz, sondern aus Beton. Oben ist die Zahl 17 angebracht.

Die Benutzung soll dem Pullern in freier Natur recht nahe kommen. „Früher habe sein Vater, der von Gästen nach der Toilette gefragt wurde, oft scherzhaft gesagt: „Nimm Baum 17 im Wald“, sagt Toddy Geldmann und lacht.

Jupps Erlebnisbiergarten wird erweitert

Zurzeit laufen Bauarbeiten für eine Erweiterung des Biergartens im ersten Stockwerk. Auch hier sollen die Toiletten wieder mit einem besonderen Flair ausgestattet werden. So viel kann schon verraten werden: Die Gäste bewegen sich über einem Aquarium mit Kois. Das wird nicht echt aufgebaut, sondern täuschend echt mithilfe von moderner Technik nachgebildet und in den Boden eingelassen.

Stilles Örtchen mit Erlebnisfaktor - Wo Männer an den Baumstamm Nr. 17 pullern

Die Außenwand zum Toilettentrakt an der Joseph-Hennewig-Hauptschule schmückt ein meterhohes Grafitti mit Motiven aus der Natur. © Silvia Wiethoff

So viel zum Thema Kurioses am Halterner Lokus. Immerhin ein Gute-Laune-Gefühl kann sich beim Besuch der Toilettenanlage der Joseph-Hennewig-Hauptschule einstellen. Gemeinsam mit einem Grafitti-Künstler haben Schüler vor einigen Jahren ein großes Wandbild geschaffen, das sowohl in die Antarktis als auch in die Wüste entführt. Auf so viel bunte Vielfalt an einem meistens tristen Ort in Schulen treffen andere Kinder und Jugendliche in Haltern nicht.

Stilles Örtchen mit Erlebnisfaktor - Wo Männer an den Baumstamm Nr. 17 pullern

Auf dem 35 Meter hohen Feuerwachturm in der Haard bei Flaesheim gibt es keine Toilette. © Kevin Kindel

Eigentlich sollte sich an dieser Stelle eine Präsentation von Halterns höchstem Klo anschließen. Doch der Vorstoß beim Feuerwächter Siegfried Körner in der Haard verlief ins Leere. Es gibt dort oben nicht mal ein Pissoir. Der Kontrolldienst dauert aber acht Stunden.

„Ich gehe runter, wenn es nötig ist“, verriet der 72-Jährige. Um den Wald zu erreichen, sind das immerhin 167 Stufen. Da ist manchmal gute Planung vonnöten, auch wenn es nur kleine Geschäfte sind, die der Feuerwächter an den Bäumen verteilt. Die anderen erledigt er an Orten mit Toilette. So viel Zivilisation muss sein.

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