Streitthema Zum Ikenkamp: Schadet der Autoverkehr der Lippeaue?

mlzVerkehrsproblem

Die geplante Freigabe der Straße „Zum Ikenkamp“ entwickelt sich zum politischen Dauerbrenner. Die Grünen sorgen sich um die Lippeaue. Die SPD macht der Stadt Vorwürfe.

Haltern

, 21.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die geplante Freigabe der Straße „Zum Ikenkamp“ zur Entzerrung des Verkehrsaufkommens im Süden des Bahnhofs nach Inbetriebnahme des dortigen neuen Parkplatzes Ende des Jahres ist weiterhin Streitthema in der Politik. Die Grünen sehen vor allem schädliche Einflüsse auf das FFH-Schutzgebiet Lippeaue durch den Autoverkehr. Sie lehnen die dauerhafte Nutzung der Straße als Umgehung ab und befürchten, dass die Freigabe keine Übergangslösung darstellen wird.

Baudezernent Siegfried Schweigmann ging in der Ratssitzung am Donnerstag auf Bedenken und Vorschläge ein, die von den Grünen in einem Antrag formuliert worden waren. Aus Sicht der Stadt sind keine Beeinträchtigungen zu erwarten, die sich negativ auf die Lippeaue auswirken. Die Verwaltung werde aber in Absprache mit dem Kreis Recklinghausen eine FFH-Vorprüfung vornehmen lassen und je nach Ergebnis erforderliche Maßnahmen einleiten.

Die Umsetzung des Wenders ist nicht in Sicht

Er bestätigte allerdings auch, dass die kurzfristige Umsetzung des Wenders unwahrscheinlich sei. Die Stadt sei sich dennoch sicher, dass die Freigabe des Ikenkamps und die damit verbundene Verteilung des Verkehrs „bis zur Herstellung des Wenders als insgesamt beste Lösung“ anzusehen sei.

Eine von den Grünen unter anderem wegen des Engpasses an der Bahnbrücke vorgeschlagene „tageszeitenabhängige Einbahnstraßenregelung“ sei eher kontraproduktiv, um den Verkehr störungsfrei zu leiten.

Die SPD spricht sich für eine befristete Öffnung des Ikenkamps „mit einer grundsätzlichen Einbahnstraßenregelung für den motorischen Verkehr“ aus. Dies erklärte die Fraktionsvorsitzende Beate Pliete und erhob gleichzeitig Vorwürfe gegen die Stadt. „Gebetsmühlenartig“ hätten die Fachleute aus dem Rathaus in den vergangenen zehn Jahren erklärt, warum der Ikenkamp als Entlastung nicht funktioniere. Wertvolle Zeit sei so ungenutzt verstrichen. „Wir haben Ihnen Glauben geschenkt und sind heute höchst irritiert über Ihren unausgegorenen Salto rückwärts“, so die SPD-Fraktionschefin unter anderem.

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Bodo Klimpel ist verärgert über SPD-Kritik

Bürgermeister Bodo Klimpel (CDU) nannte es „frech“, die Kritik so zu formulieren. Allen im Rat sei bekannt, dass die Stadt das Landesstraßenbaumt nicht zwingen könne, den Wender kurzfristig umzusetzen. Ähnlich argumentierte auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Stegemann. Seit Jahren ringe die Verwaltung mit der Behörde um eine Lösung für das Verkehrsproblem im Süden Halterns. Die Freigabe des Ikenkamps sei ein Kompromiss, der den Druck von der Umgehung über den Ampelberg nehme.

WGH und FDP begrüßen diese Lösung. Die WGH wünscht sich, dass der Ikenkamp schon sehr bald für den Autoverkehr geöffnet wird und schlägt vor, die Radfahrer durch ein Bankett zu schützen.

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