Tabletten vertauscht: Rentner (79) nach "Schlummerfahrt" vor Gericht

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Auweia: Vor anderthalb Jahren hat ein Rentner seine Tabletten vertauscht und war in Schlangenlinien durch Haltern gefahren. Vor Gericht kämpft der 79-Jährige nun um seinen Führerschein.

Haltern/Essen

, 21.02.2019, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der 5. Oktober 2017, als sich der Angeklagte hinters Steuer seines Autos setzte. Auf dem Beifahrersitz saß seine Ehefrau, die offenbar zum Arzt musste. Kurz vorher hatte der 79-Jährige allerdings noch zwei Kopfschmerztabletten eingeworfen. Das dachte er zumindest.

Wie sich später herausstellte, ist ihm an diesem Tag nämlich ein fataler Fehler unterlaufen. Er hatte die Medikamentenpackungen vertauscht und in Wahrheit zwei Schlaftabletten geschluckt. Die Wirkung ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

"Ich dachte, der hatte einen Schlaganfall"

Als der Senior gegen 15.20 Uhr in Richtung Innenstadt auf die B58 abbog, nahm er einer anderen Autofahrerin einfach die Vorfahrt. Doch nicht nur das. An der nächsten Ampel fuhr er ihr auch noch leicht hintendrauf. Danach wurde es dann richtig bunt. Der 79-Jährige dachte gar nicht daran, rechts ranzufahren und auszusteigen, sondern setzte seine Fahrt einfach fort. Nun allerdings in Schlangenlinien. Bis er schließlich rechts gegen den Bordstein fuhr, womit er sich gleich beide Reifen auf der Seite zerfetzte. Außerdem musste noch ein Werbeschild dran glauben.

"Ich dachte, der hätte einen Schlaganfall gehabt", sagte eine Zeugin den Richtern. "Der hat mich gar nicht wahrgenommen." Dass damals eine Überdosis Schlafmittel im Spiel war, hatte sich erst später herausgestellt.

Angeklagter will Führerschein behalten

Für Unfall und Schlangenlinienfahrt war der Angeklagte im Mai vergangenen Jahres bereits vom Amtsgericht Marl zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt worden. Außerdem soll ihm der Führerschein abgenommen werden - für mindestens ein Jahr. Doch genau das will der 79-Jährige nicht einsehen. Deshalb muss sich seit Donnerstag nun auch das Landgericht Essen mit dem Fall befassen.

"Er hat die Medikamente doch nur genommen, weil er sich vertan hat", sagte Verteidiger Thomas Schwieren im Prozess. Damit sei der Fall nicht vergleichbar mit einer Trunkenheitsfahrt. Wo man genau wisse, dass man irgendwann fahruntüchtig werde. "Hier hat die Wirkung ja sofort eingesetzt."

Vor einem endgültigen Urteil wollen die Berufungsrichter weitere Zeugen hören. Der Angeklagte selbst macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.

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