Siegerehrung: So tickt Halterns erster E-Sport-Stadtmeister

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Mit einem 5:2 kürte sich Fabio Kownatka (16) zu Halterns erstem E-Sport-Stadtmeister. Mit uns sprach er über die richtige Taktik, seine Lieblingsspieler und eine dreimonatige FIFA-Pause.

Haltern

, 07.05.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es läuft die 79. Minute, Wolfsburgs Maximilian Arnold geht durchs Zentrum an zwei Leverkusenern vorbei. Ein kurzer Pass nach links auf Brekalo, der nimmt den Ball an und jagt ihn aus 16 Metern unhaltbar ins rechte, obere Eck. Der Jubel ist groß, das Finale der ersten Halterner E-Sport-Stadtmeisterschaft ist wieder vollkommen offen. Doch Fabio Kownatka vom BW Lavesum, der die elf Leverkusener auf dem virtuellen Feld steuert, sorgt direkt danach für die Entscheidung - mit einer taktischen Veränderung.

Im Turnier spielte der 16-Jährige, der auf dem echten Rasen meist als defensiver Mittelfeldspieler im Einsatz ist, die meiste Zeit in einem 4-2-2-2-System - um offensiv agieren zu können. Als er im Finale gegen Flaesheims Niklas Haak rund zehn Minuten vor dem Abpfiff den Ausgleich kassierte, setzte er jedoch nicht alles auf die Offensive, sondern entschied sich für das Gegenteil: Er stellte auf sein ohnehin bevorzugtes 4-2-3-1 um. Eine Formation, mit der er defensiv kompakter stehen könne, erklärt er einige Tage nach seinem Triumph.

„Da hatte ich schon erst mal Respekt“

Mit der Formation mit zwei defensiven Mittelfeldspielern habe er im Verlauf des Turniers immer dann gespielt, „wenn ich gemerkt habe, dass ich eher defensiv und auf Konter spielen sollte“, sagt der B-Jugendliche. Die Änderung machte sich im Finale schnell bezahlt. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich lag der Ball schon wieder im Wolfsburger Netz. Spätestens da war der Bann gebrochen. Niklas Haak lief die Zeit davon, er musste immer mehr riskieren, was Fabio Kownatka mit zwei weiteren Treffern in den Schlussminuten ausnutzte.

Der Jubel im Hause Kownatka war groß. „Bei uns zuhause war richtig Stimmung“, erzählt Vater René Kownatka, der seinen Sohn auch in der Lavesumer B-Jugend trainiert und zudem noch die zweite Mannschaft betreut. „Wir haben uns alle gefreut, dass er es geschafft hat.“

Drei Spieler sind in Fabio Kownatkas Traum-Elf gesetzt

  • Sergio Ramos (Real Madrid): „Ich habe ihn immer als Idol gesehen.“
  • Cristiano Ronaldo (Juventus Turin): „Wegen seinem Kampfgeist und seinen tollen Erfolgen.“
  • Kylian Mbappé (Paris Saint-Germain): „Ich finde ihn einfach mega sympathisch.“

Damit hatte sein Sohn vor dem Turnier selbst gar nicht gerechnet, da die anderen Spieler sich selbst im Vorfeld als ziemlich gut eingeschätzt hatten, verrät er. „Da hatte ich schon erst mal Respekt“, sagt der 16-Jährige. „Aber ich glaube, ich habe mich dann ganz gut eingefunden.“ Zwei Siege, ein Unentschieden und ein Torverhältnis von 9:4 hieß die Bilanz nach der Gruppenphase.

Dabei hatte er in den vergangenen Monaten kaum noch FIFA gespielt. „Ich hatte eine dreimonatige Pause“, erzählt er. Sein favorisierter Spielmodus „FIFA Ultimate Team“ habe ihm einfach nicht mehr so viel Spaß wie früher gemacht. Als er dann aber von der ersten Halterner E-Sport-Stadtmeisterschaft hörte, war er sofort Feuer und Flamme. Etwa eine Woche sei er wieder viel aktiver gewesen, habe viel geübt.

Viele Glückwunsch-Nachrichten kurz nach Abpfiff

Für den Lavesumer ist FIFA schon lange ein beliebter Zeitvertreib. Es sei sein erstes Spiel gewesen, als er seine erste Konsole bekam. Damals - vor etwa neun oder zehn Jahren - spielte er noch auf einer XBox. Heute besitzt er eine Playstation. „Ich finde den Controller angenehmer“, erklärt er.

Ungeschlagen kürte er sich dann am Sonntag, 3. Mai, zu Halterns erstem E-Sport-Stadtmeister. Das Spiel war gerade abgepfiffen, da erhielt er auch schon von Gegner Niklas Haak die ersten Glückwünsche über WhatsApp. Danach habe er in diversen Gruppen ebenfalls Glückwunsch-Nachrichten erhalten. So viele, dass er schnell den Überblick verloren habe, erzählt er.

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In den vergangenen Tagen habe es auch schon wieder erste Herausforderungen von Freunden gegeben, die sehen wollten, ob sie besser als Halterns E-Sport-Stadtmeister sind. Die klare Antwort: nein. „Die haben verloren“, sagt Kownatka. Doch das Wichtigste sei ohnehin der Spaß am Spiel und nicht das Gewinnen. Eine Einstellung, die ihm schon von klein auf bei BW Lavesum vorgelebt wurde.

Bier als Dankeschön für die erste Lavesumer Mannschaft

„Verlieren gehört auch dazu“, sagt sein Vater. Schon seit vielen Jahren begleitet er als Trainer die Spieler, die aktuell in der Lavesumer B-Jugend kicken. Auch in der kommenden Saison wird er dabei sein - dann aber in der A-Jugend. In zwei Jahren, wenn die jungen Lavesumer dann nicht mehr zur Jugendmannschaft gehören dürfen, sei dann aber auch Schluss, sagt er. Dass er sie aber bis zum Ende ihrer Jugendlaufbahn begleitet, „habe ich den Jungs versprochen“. Danach wolle er dann nur noch im Seniorenbereich arbeiten, wo er aktuell schon die zweite Mannschaft der Lavesumer trainiert.

Sein Sohn wird nächste Saison derweil auch erste Schritte als Trainer gehen. Dann trainiert er gemeinsam mit Max Hovenjürgen Lavesums D-Jugend. „Ich bin dann quasi überall“, sagt Fabio Kownatka und lacht. Denn auch bei den Senioren habe er schon einige Male mittrainiert.

Die erste Mannschaft wird bald auch noch etwas von dem Preisgeld bekommen, dass Kownatka zusätzlich zu einem Pokal von der Halterner Zeitung für den Gewinn der E-Sport-Stadtmeisterschaft erhalten hat. Von den 100 Euro „werde ich auf jeden Fall eine oder zwei Kisten Bier für die erste Mannschaft besorgen“, sagt er. Als kleines Dankeschön dafür, dass sie ihn haben antreten lassen. Das restliche Geld, so hat es der Vorstand des Vereins entschieden, soll der Gewinner für sich selbst ausgeben und nicht - wie ursprünglich vorgesehen - in die Vereinskasse geben. Verdient hat er es sich auf jeden Fall.

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