Thorsten Möllers mit seinen drei Border Collies. © Thorsten Möllers
Tierschutz

Tausende von Euros für einen Welpen – „es wird wahnsinnig viel gekauft“

Hunde sind beliebt wie nie – mit der Nachfrage nach Welpen steigt die Zahl derer, die ein Geschäft wittern. Eine Hundezüchterin und ein -Trainer aus Haltern raten von „Mitleidskäufen“ ab.

Die Corona-Maßnahmen führen zu traurigen Entwicklungen. Vielleicht um die Einsamkeit zu stillen, ist die Nachfrage nach Haustieren im Corona-Jahr 2020 immens gestiegen. Was sich zunächst nach einer guten Nachricht anhört, führt bei genauer Betrachtung zu immensen Problemen, die auf dem Rücken der Tiere ausgetragen werden.

Erst kürzlich wurden bei einer Frau, die offenbar das schnelle Geld machen wollte, vier Hunde-Welpen versteckt in einem Kühlschrank gefunden.

Es werden „wahnsinnig viele Welpen gekauft“

Thorsten Möllers, Hundetrainer in Haltern, bestätigt, dass die Nachfrage auf jeden Fall gestiegen sei. „Durch befreundete Hundetrainer kriege ich mit, dass wahnsinnig viele Welpen gekauft werden.“

Auch Hundezüchterin Désirée Wolf bekommt das zu spüren. Auf ihrer Homepage, wo sie über ihre Zucht von der ungarischen Rasse Vizsla berichtet, hat sie vermerkt, dass sie keine Anfragen für die geplanten Würfe für 2021 annehme. „Ich habe 100 bis 150 Bewerber auf einen Welpen“, schätzt sie.

Auf der Warteliste für die Welpen im Frühjahr stünden 25 Parteien. „Die Leute stehen da aber schon anderthalb bis zwei Jahre drauf“, erklärt Désirée Wolf. „Schnellschuss-Anfragen“ würde sie gleich abblocken.

Die Preise steigen

Manch ein Interessent böte sogar mehr Geld an. Eigentlich nimmt Wolf 2000 Euro für einen Welpen.

Die Preise seien mittlerweile aber so stark gestiegen, dass sie nun in die Bredouille komme. „Die Leute wundern sich jetzt teilweise, warum meine Hunde so preiswert zu haben sind. Da könne ja dann was nicht stimmen“, erzählt sie.

Doch es ist genau anders herum: Seit 13 Jahren züchtet Désirée Wolf Hunde, aber, sagt sie, „ich züchte nicht auf Masse“.

Désirée Wolf mit ihren Hundewelpen
Désirée Wolf mit ihren Hundewelpen. © privat © privat

Sie hat sieben Hündinnen, mit denen sie züchten könnte. Zwei von denen leben bei ihr. Die anderen Hündinnen stammen aus ihrer Zucht, wurden vermittelt und die heutigen Besitzer können sich vorstellen, dass ihr Hund einmal Welpen bekommt. „Meine Hündinnen bekommen vielleicht ein- bis zweimal in ihrem Leben Welpen, ansonsten sind sie ganz normal Hund“, erklärt die Halternerin ihr Zuchtprinzip.

Tipps zum Welpenkauf

Thorsten Möllers und Désirée Wolf raten Leuten, die sich überlegen, einen Hund anzuschaffen, sich vorher ausführlich zu informieren. „Heutzutage ist es so leicht, im Internet nachzuforschen“, meint der Hundetrainer. Von „Mitleidskäufen“ können die Experten nur abraten.

Erst kürzlich hörte Désirée Wolf von einem Fall, wo ein Labradorwelpe an der Haustür übergeben wurde. Der Hund sei schwer krank, dehydriert und apathisch gewesen. Die Käufer fanden über das Netz fünfzehn weitere Käufer, die ebenfalls auf das Angebot reingefallen waren.

Wolf und Möllers appellieren deshalb an die Vernunft. „Wer einen Hund will, der kann auch Wartezeiten in Kauf nehmen“, findet die Züchterin.

Interessenten sollten sich Zeit nehmen, die richtige Rasse und den richtigen Züchter zu suchen. Eine gute Anlaufstelle sei der VDH, findet Thorsten Möllers. Der deutsche Dachverband der Hunderassen-betreuenden Vereine überwacht die Hundezüchtungen, legt auch die Preise für Welpen fest.

Seit 13 Jahren züchtet Désirée Wolf die Hunderasse Magyar Vizsla.
Seit 13 Jahren züchtet Désirée Wolf die Hunderasse Magyar Vizsla. © Désirée Wolf © Désirée Wolf

„Auf der Internetseite des VDH kann man die Rasse auswählen und seine Postleitzahl eingeben, dann bekommt man eine Auflistung der Hundezüchter im Umkreis“, erläutert Möllers den Vorteil.

Désirée Wolf züchtet bewusst nicht nach VDH-Maßgaben: Der Vizsla-Verein sei Jagd-orientiert und sie züchte nicht für die Jagd. Deshalb sei sie in einem sogenannten „Dissidenzverein“ Mitglied.

„Das Züchten sollte man den Züchtern überlassen“

Dubiose Angebote von 5000 Euro für silberfarbene Labradors, wie der Hundetrainer sie neulich bei Facebook gesehen hat, seien mit Vorsicht zu genießen. Nicht nur, dass der aufgerufene Preis unverhältnismäßig hoch sei, die „Farbe“ entspräche auch nicht dem Rassestandard.

Warum das wichtig ist? Thorsten Möllers sagt ganz klar: „Das Züchten sollte man den Züchtern überlassen.“ Es sei ja okay, wenn durch einen Zufall Mischlinge entstünden, aber die Zucht von Hunderassen sollte Profis überlassen werden, denn die kontrollieren die Gesundheit und Gene der Tiere.

In der Welpenschule erlebe er zum Beispiel Labrador-Mischlinge, die viel bellen. „Da stellt sich dann raus, dass einer der Vorfahren Riesenschnauzer ist“, erklärt Möllers das für Labradore ungewöhnliche Verhalten.

Hund und Halter müssen zusammenpassen

Er selbst hat Border Collies, betreibt mit ihnen Agility-Training. „Ein Berner Sennen-Hund würde bei mir unglücklich werden“, gibt er zu. „Hund und Mensch müssen vom Energielevel her zusammenpassen.“ Ein großer Herdenschutzhund passe nicht zu einer kräftemäßig unterlegenen Person.

Wer einen Hund kauft, sollte sich anschauen, wo der Welpe aufwächst. „Ich bin ein Freund von Hunden, die im Haus aufwachsen“, so Möllers. „Wenn die nur auf dem Bauernhof mitlaufen, sind die viel überdrehter.“ Die Verkäufer könnten dann oft auch wenig über den Charakter der einzelnen Welpen sagen.

Aus Züchterperspektive gesprochen, meint Désirée Wolf: „Ich nehme mir Zeit. Ich fühle mich nicht auf den Schlips getreten, wenn Interessenten vorbeikommen wollen und mir viele Fragen stellen.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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