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Taxi-Fahrten

Taxi-Unternehmen: „Es gibt keine Hilfen, weil wir ja fahren können“

Das Tagesgeschäft der Taxiunternehmen während der Coronavirus-Pandemie ist eingebrochen. Das merkt auch das Halterner Taxiunternehmen Ramczykowski. „Impffahrten“ sollen übernommen werden.

Der Lockdown aufgrund des Coronavirus beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit vieler Branchen. Neben dem Einzelhandel, den Gastronomen oder der Tourismus-Branche geht es auch einer weiteren Branche nicht gut, auch wenn sie weiterhin ihrer Arbeit nachgehen darf. Den Taxiunternehmen „brechen bis zu 40 Prozent aller Fahrten weg“, wie Petra Lawniczek, Inhaberin des Taxiunternehmens Ramczykowski, erklärt.

Das Problem der Taxiunternehmen bringt die Halternerin auf den Punkt: „Es gibt zurzeit keine Hilfen vom Staat, weil wir ja fahren können.“ Sie fühlt sich ein Stück weit im Stich gelassen. Denn obwohl die Taxiunternehmen keinem Fahrverbot ausgesetzt sind, so ist das Tagesgeschäft doch eingebrochen.

Schulfahrten finden nicht statt, weil sich die Schulen im Distanzunterricht befinden. Nachtfahrten gibt es nicht, weil die Gastronomie und Nachtklubs geschlossen haben. Und Fahrten zum Flughafen finden nicht statt, weil niemand in den Urlaub fliegt, erzählt sie.

Das Tagesgeschäft bestehe mittlerweile nur noch aus Krankenfahrten, sagt Petra Lawniczek. „Wir fahren weiterhin Menschen zur Dialyse, zu ihrer Chemotherapie oder zur Krankengymnastik.“ Dadurch kann das Taxiunternehmen Ramczykowski aber nicht gänzlich runterfahren und beispielsweise alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

„Vorsichtig, aber auch verunsichert“

„Sechs, sieben Autos“ brauche man noch unter der Woche. Lediglich am Wochenende ist Ruhe. Statt den sonst üblichen 14 Autos sei dann nur noch eins im Einsatz, sagt Petra Lawniczek.

Die wenigen Fahrten seien zudem nicht ohne Risiko für die Mitarbeiter. „Für unsere Fahrer ist es schwer“, sagt die Inhaberin. „Der eine oder andere hat Angst vor einer Ansteckung.“ Die Taxifahrer seien „vorsichtig, aber auch verunsichert“. Bei den Fahrten tragen sie und die Fahrgäste zwar Masken, ziemlich nah kommen sie sich aber trotzdem.

Glücklich sind die Taxiunternehmen dennoch über jede Fahrt. Ein Rundschreiben des GKV-Spitzenverbandes, dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen, sorgte zudem für zuversichtliche Stimmung. Demnach empfiehlt der GKV-Spitzenverband den Krankenkassen, anspruchsberechtigten Versicherten die Fahrt zum Impfzentrum in besonderen Fällen zu erstatten. Es gehe um einen „Anspruch auf eine Fahrtkostenübernahme durch die Verordnung zum Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2“.

Erhöhtes Ansteckungsrisiko soll verhindert werden

Konkret bedeutet das: Personen, die jetzt aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheit Anspruch auf eine Impfung gegen Corona haben, allerdings nicht mehr mobil sind und deswegen nicht zu den Impfzentren gelangen können und auch nicht durch ein mobiles Impfteam betreut werden, sollen mithilfe eines Taxis zum Impfzentrum anreisen können. Die dadurch entstehenden Fahrtkosten sollen die Krankenkassen übernehmen. So solle verhindert werden, dass dieser Personenkreis mit dem Bus oder der Bahn fährt und sich dort einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzt.

Nach Auskunft des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) in Nordrhein-Westfalen werde der Empfehlung des GKV-Spitzenverbandes entsprochen. Damit werden die Fahrkosten zu Impfzentren mit dem Taxi oder einem höherwertigen Transportmittel bestimmten Personengruppen erstattet.

„Die Fahrtkosten werden die Taxiunternehmen dann mit den Krankenkassen abrechnen“, erklärt Petra Lawniczek. „Es ist unsere Hoffnung, dass die Taxiunternehmen dann wieder häufiger gebraucht werden.“

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