Teure Begleiter - Halterner lassen sich ihr Haustier einiges kosten

Ein Tag beim Tierarzt

HALTERN Mehr als zwei Milliarden Euro gaben die Deutschen laut Statistischem Bundesamt 2007 für ihre treuen Begleiter aus, Tendenz steigend. Diesen Trend beobachtet auch der Halterner Veterinärmediziner Dr. Volker Beyer – mit gewissen Einschränkungen.

von Von Ilka Bärwald

, 16.10.2009, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Volker Beyer und Tierarzthelferin Ramona Seifert untersuchen Katze Mimi. Sie wird außerdem geimpft und entwurmt.

Dr. Volker Beyer und Tierarzthelferin Ramona Seifert untersuchen Katze Mimi. Sie wird außerdem geimpft und entwurmt.

„Sie machen den Hauptanteil aus, dann ungefähr 30 Prozent Katzen und die restlichen zehn Prozent sind Meerschweinchen, Vögel, Hamster, aber auch der ein oder andere Exot.“ Zu letzteren gehört Mimi nicht. Die graugetigerte Katze ist erst seit kurzem in der Familie von Silke Hestermann. Silke Hestermann hat ihre Zwillinge Max und Jule – sie haben Mimis Namen ausgesucht – ins Sprechzimmer mitgebracht. Mimi soll heute gegen Katzenseuche und -schnupfen geimpft werden. Auch eine Wurmkur braucht das Jungtier. Die Kosten sind für Silke Hestermann zweitrangig: „Ich würde auch noch mehr zahlen. Mimi ist schließlich ein Familienmitglied.“ Bei einer Dauerbehandlung zieht sie jedoch auch Grenzen.  

„Ich hatte einmal eine Katze, die war schwer nierenkrank. Das ging irgendwann nicht mehr.“ Fatma Uzunoglu hat den Golden-Retriever Coco dabei. Viereinhalb Jahre alt ist die Hündin. Sie bekommt Tabletten und Spritzen gegen eine Entzündung. „Heute sind wir nur noch zur Kontrolle hier, sie ist schon wieder fast gesund.“Der nächste Patient ist Bruno. Der lebhafte Staffordshire-Terrier ahnt nicht, was ihm heute bevorsteht. Er wird seiner Manneskraft „beraubt“. Durch sein starkes Interesse am anderen Geschlecht ist Bruno nicht zu bändigen, er rennt los, sobald er eine Hundedame wittert. Besitzerin Monique Huland aus Gelsenkirchen kann den 30-Kilo-Brocken dann kaum halten.

„Leidet sein Spieltrieb unter der Kastration?“, erkundigt sie sich besorgt bei Volker Beyer. Der Tierarzt beruhigt: „Er wird insgesamt ruhiger, seinen Spieltrieb dürfte er aber behalten.“ Monique Hulands Freund Thorsten Hielscher hat sich auf den ersten Blick in Bruno verliebt. „Ich weiß, dass diese Hunde ein schlechtes Image haben. Aber Bruno ist wirklich lieb, er hat vor kurzem den Wesenstest zur Maulkorbfreigabestanden.“

75 Euro haben sie dafür bezahlt. „Aber wenn man sich ein Tier anschafft, weiß man, dass es etwas kostet“, so Thorsten Hielscher. Eine Operation wie die Kastration von Bruno ist eher selten in Volker Beyers Praxis. „Für aufwändigere Eingriffe bin ich nicht ausgerüstet. Ich sehe mich eher als eine Art Hausarzt für Tiere. Wem ich hier nicht weiterhelfen kann, verweise ich an die Kliniken in der Nähe.“ Dort könnten dann auch Hüft-OPs oder Chemotherapien durchgeführt werden.

Dass Leute mehrere tausend Euro für die Behandlung ihres Tieres ausgeben würden, sei jedoch im Moment noch die Ausnahme, glaubt Beyer. „Bei solchen Summen passen dann meistens auch die größten Tierfreunde.“ 

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