Todesschützen sind voll schuldfähig

Fall Kandaouroff

Jetzt wird es ernst: Im Prozess um den Kopfschuss-Tod des Halterner Seehof-Hoteliers Klaus Kandaouroff dürfen die drei Angeklagten wohl nicht auf mildernde Umstände hoffen. Zwei Gutachter bescheinigten dem Trio am Dienstag volle Schuldfähigkeit.

HALTERN/BOCHUM

von Von Werner von Braunschweig

, 28.03.2012, 18:09 Uhr / Lesedauer: 1 min

Besonders die von Todesschütze P. und seinem Komplizen M. geäußerte, angebliche Mischung aus „Mitleid“ und „Schreckensflucht“ kurz nach dem tödlichen Kopfschuss stieß bei den Psycho-Experten auf Kritik. Beide Gefühle zeitgleich seien unmöglich: „Man kann auch nicht zeitgleich wütend und zärtlich sein.“ In der Informantenfrage hat die Staatsanwaltschaft beteuert, dass niemand erpresst worden sei. „Die angeblich ‚bedrohte’ Familie Kandaouroff blieb stets Herrin der Angelegenheit und unterwarf sich nicht blind“, so Ankläger Dieter Justinsky.

Ende 2010 hatte ein geheimnisvoller Insider Hinweise angekündigt, aber erst genannt, nachdem ihm Anonymität und die Aufstockung der Belohnung (auf 300 000 Euro) zugesichert worden waren. Die Anwälte sehen die Rolle des Tippgebers extrem kritisch. Anwalt Ostmeyer: „Wenn die Familie gesagt hätte, wir zahlen keinen Cent mehr als angeboten, hätte es keine Information und auch keinen Prozess gegeben.“

Das Trio hat die Beteiligung an der Erschießung des Millionärs zugegeben. Im für sie schlimmsten Fall droht allen lebenslange Haft. Voraussichtlicher Urteilstermin: 10. Mai.

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