Über die Zukunft von Auguste Victoria 8 muss noch verhandelt werden

mlzBergbau

Auf Schachtgelände Auguste Victoria 8 bewegt sich nichts mehr. Das Tor ist verschlossen, der Hof geputzt. Die neue Besitzerin aus Essen erklärt, wie es hier weitergeht.

Lippramsdorf

, 12.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau weihte vor 800 geladenen Gästen am 23. September 1982 die Schachtanlage Auguste Victoria 8 ein. Nur 33 Jahre später war sie Geschichte. Die letzte Schicht setzte 2015 den Deckel auf den Pütt. Nun geht es um die Zukunft der neun Hektar großen Fläche mit dem 41 Meter hohen, prägnanten Turm unweit der Lippe in Lippramsdorf-Freiheit.

Besenrein hinterlassen

Noch bis Anfang des Jahres nutzte die RAG Deutsche Steinkohle den Standort. Hier wurde das Material für die Verfüllung von Bergbauschächten hergestellt. Nach Auskunft des neuen Besitzers, der RAG Montan Immobilien GmbH, sind jetzt alle Schächte in der Umgebung verfüllt, sodass das Gelände in Lippramsdorf nicht mehr benötigt wird. Die maschinellen Einrichtungen sind demontiert und zu anderen Standorten umgesetzt worden. „Wir haben AV 8 besenrein hinterlassen“, beschreibt Sprecher Frank Schwarz den derzeitigen Zustand. „Aktuell werden in Lippramsdorf noch selektiv Anlagenteile vermarktet und demontiert.“

Im Zuge des Abschluss-Betriebsplanes wird das Gelände nun untersucht (Gefährdungsabschätzung), etwa 2021/2022 werden alle Gebäude und auch der in A-Form gebaute Schachtturm abgerissen. Bis vom Bergbau in Lippramsdorf nichts mehr zu sehen ist, werden nach Auskunft der RAG Montan Immobilien etwa sechs Jahre vergehen.

Stadt hat andere Pläne

Wie es dort am Ende aussehen wird, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Die RAG Montan Immobilien plant, das Gelände der Natur zurückzugeben und würde damit den Rahmenbetriebsplan erfüllen. Die Stadt Haltern allerdings hat ganz andere Pläne.

Während der aktiven Bergbauzeit war die Fläche als „gewerbliche Baufläche mit zweckgebundener Nutzung“ ausgewiesen. Die Stadt möchte, dass es bei der „gewerblichen Baufläche“ bleibt und hat eine entsprechende Anregung in die Stellungnahme zum neuen Regionalplan einfließen lassen. „Wir führen laufend Gespräche“, betont Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger.

Das Gelände ist ein bereits - wie es Dr. Rüdiger nennt - überformter Standort. Denn in direkter Nachbarschaft genehmigte die Stadt eine Brecheranlage. Das Lippramsdorfer Bauunternehmen Mertmann betont als Eigentümer, diese Anlage sei existenziell für den Betrieb. Würde AV 8 der Natur zurückgegeben, müsste auch die gewerbliche Anlage weichen.

Das „A“: Schön oder störend?

Diskussionen hatte es mit Schließung des Schachtes zuletzt um den Erhalt des Schachtturms gegeben. Einige Lippramsdorfer sehen darin eine Landmarke mit Symbolkraft, andere hingegen finden ihn, der eingebettet in der Lippeauenlandschaft liegt, eher störend. Letztlich geht es ums Geld: Wer soll das „A“ pflegen und wer bezahlt den Aufwand?

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