Als zweitstärkste Fraktion hatten die Halterner Grünen erstmals Zugriff auf das Amt des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters. Gewählt ist Ulrike Doebler. Wir stellen sie vor.

Haltern

, 05.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der Kommunalwahl errangen SPD und Grüne zwar beide neun Mandate, aber die Grünen überflügelten die SPD um 1,5 Prozentpunkte. Deshalb hatten sie jetzt erstmals den Zugriff auf das Amt des zweiten stellvertretenden, ehrenamtlichen Bürgermeisters. Von diesem Recht machten sie auch Gebrauch und schlugen für die Wahl am 3. November Ulrike Doebler, die auch Fraktions-Geschäftsführerin ist, vor. Wer ist Ulrike Doebler? Wir stellen sie, die 1954 in Schwelm geboren wurde, in einem Interview vor.

Bisher sind Sie kommunalpolitisch nicht in Erscheinung getreten. Wer ist Ulrike Doebler? Mögen Sie sich kurz vorstellen?

Ich lebe seit 30 Jahren in Haltern. Ausgehend vom Lehrerberuf mit den Fächern Deutsch und Französisch habe ich in verschiedenen erweiterten Funktionen gearbeitet (u.a. Lehrerfortbildung, Bildungsbüro beim Kreis Recklinghausen). Zuletzt war ich Didaktische Leiterin an einer großen Gesamtschule im Ruhrgebiet. Ich bin verheiratet; wir haben drei Kinder und fünf Enkel. Meine Hobbys: Studium im Alter, Paddeln, Segeln, Singen, Garten, ein Start Up für Tanzschuhe.

In welchem Ortsteil von Haltern leben Sie und was schätzen Sie dort besonders?

Ich wohne in Haltern-West. Ich schätze vor allem meine gute Nachbarschaft und die jungen Familien mit vielen Kindern in dem angrenzenden Neubaugebiet, die frischen Wind in unser Viertel bringen.

Politik wird künftig einen großen Teil ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Was reizt Sie daran?

Ich war schon immer politisch sehr interessiert und hatte beruflich viel mit kommunalpolitischen Akteuren in verschiedenen Netzwerken zu tun. Ich freue mich - jetzt, wo ich pensioniert bin - auch selbst Kommunalpolitik mitzugestalten. Die Klimakrise hat dafür den letzten Anstoß gegeben. Insbesondere unsere Kinder und Enkel sind auf das politische Engagement meiner Generation angewiesen.

Seit Dienstagabend sind Sie Halterns zweite stellvertretende Bürgermeisterin. Was bedeutet Ihnen dieses Ehrenamt?

Ich habe mich sehr über unseren großen Wahlerfolg gefreut und mich geehrt gefühlt, dass meine Parteifreundinnen und Parteifreunde und auch der Rat mich für dieses Amt gewählt haben. Es ist schön, dass ich die Kompetenzen, die ich im Berufsleben erworben habe, für unsere Stadt einsetzen kann.

Was kommt angesichts der politischen Aufgaben möglicherweise in Ihrer Freizeit jetzt zu kurz?

Ich fühle mich wohl, wenn ich aktiv sein kann und bin zuversichtlich, dass ich auch in Zukunft meine verschiedenen Engagements gut miteinander vereinbaren kann, auch wenn sicher die eine oder andere Aktivität auch einmal zurückstehen muss.

Ulrike Doebler freut sich darauf, nach ihrer Pensionierung nun auch selbst Kommunalpolitik mitgestalten zu können.

Ulrike Doebler freut sich darauf, nach ihrer Pensionierung nun auch selbst Kommunalpolitik mitgestalten zu können. © Privat

Wie beschreiben Sie Haltern am See und die Menschen, die hier leben?

Haltern am See hat sich in den Jahren, in denen ich hier lebe, von einem etwas verschlafenen Städtchen zu einem offenen, lebendigen Ort entwickelt, an dem es sich sehr gut leben lässt. Ich bin immer wieder verblüfft darüber, wie viele Menschen in Haltern sich in ganz unterschiedlichen Projekten und Initiativen und in Vereinen ehrenamtlich für andere einsetzen. Unsere Stadt hat eine Menge Potenzial, um die Aufgaben, die in der kommenden Legislaturperiode anstehen, zu bewältigen. Die nähere Zukunft wird uns alle sehr herausfordern. Die Menschen in unserer Stadt sind dem gewachsen.

Sie wünschen sich laut Wahlprogramm eine Verbesserung und Stärkung des Bildungsangebotes. Welche Themen sind Ihnen sonst noch wichtig?

Im Wahlkampf und auch danach wurde ich immer wieder auf zwei Themen angesprochen: Zum einen auf die schlechte Radwegeverbindung zwischen Hamm-Bossendorf und der Innenstadt. Zum anderen machen sich die Bürgerinnen und Bürger Sorgen, dass immer mehr Grün aus der Stadt verschwindet. Hier müssen wir tätig werden.
Natürlich gibt es auch die noch größeren Themen: die Folgen von Corona, die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, den Umgang mit den Auswirkungen der Klimakrise auch hier bei uns in Haltern. Zur Bewältigung dieser Themen gehört auch, dass der Stadtrat sich über eine Prioritätenliste im Hinblick auf die Verwendung der freiwilligen Ausgaben einig wird. Darüber hinaus glaube ich, dass wir diese Themen nur im Rahmen von breiten Bündnissen erfolgreich bearbeiten werden können.
Die politischen Parteien und Entscheidungsträger müssen ihre Entscheidungen für die Bürger transparent machen und Beteiligungsmöglichkeiten für einzelne Bürger bieten und auch den Austausch mit politischen Initiativen, z.B. dem Asylkreis und dem Forum für Demokratie und Respekt, und mit den Kirchen et cetera suchen.

Welcher Persönlichkeit würden Sie in Ihrer Funktion als stellv. Bürgermeisterin gerne einmal in Haltern begegnen?

Ich würde gern den Architekten Hans-Georg Schmidt-Domogalla kennenlernen, der das Klimaschutzgebäude LiNa in Haltern gebaut hat, und mit ihm über innovative Stadtentwicklung diskutieren.

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