Ungewöhnlicher Anblick: Wie kommt das Wagenrad auf die Trauerbuche?

mlzForsthaus Sythen

Seit Samstagmittag thront auf der Trauerbuche am Forsthaus Sythen ein Wagenrad. Ein Baumkletterer hat es dort mit Unterstützung angebracht. Doch wofür oder für wen?

Sythen

, 28.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nicht die „klappernde Mühle am rauschenden Bach“. So viel war der Nachbarschaft im Stockwieser Kamp klar. Aber zuerst kann sich niemand einen Reim über das Geklapper machen. Ein Blick auf die Spitze der Trauerbuche, die im Garten des ehemaligen Forsthauses steht, schafft Klarheit: Ein Storchenpärchen gibt alles und klappert, was das Zeug hält.

„Der Anblick war einfach so schön“, erzählt Josef Middelkamp. „Und wir Nachbarn waren uns alle einig: Wir möchten dem Storch eine Heimat anbieten, zumal die Störche regelmäßig auf der Trauerbuche landen.“

Ein altes Wagenrad als Untergrund für das Storchennest

Bei Baumkletterer Hendrik Thies und Mietservice Honert stößt die Nachbarschaft mit ihrer Bitte, dem Storch auf der Buche eine Nistplattform zu befestigen, auf offene Ohren. Familie Herrmann vom Forsthof stellt ein altes Wagenrad zur Verfügung, das Hendrik Thies zusammen mit seinem Großvater Hermann Thies stabilisiert.

Anschließend machen sich die beiden daran, eine Konstruktion an der Spitze des Baumes zu befestigen, an welcher dann später das Wagenrad fixiert werden soll. „Das Ganze muss schon sehr stabil sein, denn so ein Storchennest ist ganz schön schwer“, weiß Hendrik Thies, der in Münster Landschaftsökologie studiert. „Außerdem wird es von Jahr zu Jahr schwerer. Und ein Absturz des Ganzen ist natürlich gefährlich.“

Trauerbuche ist circa 20 Meter hoch

Das Ganze ist kein einfaches Unterfangen. Die Trauerbuche ist immerhin etwa 130 Jahre alt und ca. 20 Meter hoch. Die Höhe schreckt Baumkletterer Hendrik Thies nicht. „Solche Bäume sind eine Herausforderung. Auf solchen Bäumen macht die Arbeit Spaß.“ Die Geschwindigkeit mit der Hendrik Thies den Baum erklimmt – selbstverständlich mit Sicherung – ist beachtlich. Und ebenso beachtlich ist es, dass er in zwanzig Metern Höhe mit Bohrmaschine, Säge und anderen Werkzeugen hantiert, als stünde er in seiner Werkstatt.

Großvater Hermann versorgt ihn vom Boden aus über einen Flaschenzug mit allem notwendigen Werkzeug und Getränken. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Die Konstruktion passt perfekt

Am Samstagmittag ist es soweit. Mietservice Honert kommt mit einem Hubsteiger. Das Wagenrad wird in den Korb verfrachtet, Hendrik Thies und Marcel Schulte, Mitarbeiter von Honert, zwängen sich dazu und ab geht es in schwindelerregende Höhe. Die Konstruktion von Hermann und Hendrik Thies passt perfekt. „Respekt“, lobt Marcel Schulte.

Mit der Hilfe eines Hubsteigers wurde das Wagenrad auf der Trauerbuche befestigt.

Mit der Hilfe eines Hubsteigers wurde das Wagenrad auf der Trauerbuche befestigt. © privat

Innerhalb von zwanzig Minuten ist das Wagenrad fixiert. Petra Herrmann vom Forsthof Sythen hat schweißnasse Hände. „Ich bin nicht schwindelfrei“, gesteht sie. „Mir wird schon schwindelig, wenn ich andere in solcher Höhe beobachte. Die beiden haben fantastische Arbeit geleistet. Danke im Namen der ganzen Nachbarschaft.“

Fotos und Videos werden mit der Nachbarschaft geteilt

Alle Nachbarn hätten gerne zugeschaut. „Doch in Coronazeiten ist das nicht möglich“, bedauert sie. „Ich werde aber die Fotos und Videos in die Nachbarschafts-Whatsapp-Gruppe stellen. Und nach Corona wird es ein Nachbarschaftsfest geben. Dazu werden Hendrik, sein Großvater und die Firma Honert selbstverständlich eingeladen.“

Marcel Schule packt an.

Marcel Schule packt an. © privat

Jetzt heißt es abwarten, wann der Storch seine neue Bleibe bezieht und ein Nest baut. „Für dieses Jahr ist es wahrscheinlich zu spät“, meint Georg Tuschewitzki von der Naturschutzgruppe Sythen. „Aber im nächsten Jahr kommt er bestimmt.“ Und dann wird hoffentlich kräftig geklappert.

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