Urteile gesprochen nach Disko-Schlägerei: „Eine ganz schäbige Tat“

mlzUrteile im Disko-Prozess

Mit einer Überraschung ist in Essen der Prozess um eine Diskoschlägerei in Haltern zu Ende gegangen, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verloren hat.

Haltern/ Olfen/ Essen

, 27.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit hatte wohl auch der 27-Jährige nicht gerechnet: Im Prozess um die brutale Schlägerei in der Halterner Diskothek „Stadtmühle“, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verloren hat, haben die Richter einen der angeklagten Brüder direkt nach dem Urteil aus dem Gefängnis entlassen.

Zwei Jahre Haft auf Bewährung: So lautete das Urteil für den 27-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Tag zuvor noch deutlich über vier Jahre Haft beantragt.

Sein zur Tatzeit 20-jähriger Bruder bleibt dagegen im Gefängnis. Er ist zu viereinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden – wegen schwerer Körperverletzung.

Spirale der Gewalt in Gang gesetzt

Richterin Ute Postert sprach im Urteil von einer „ganz schäbigen Tat“. Statt „die Füße stillzuhalten“, als er vor die Tür gesetzt werden sollte, habe er eine „Spirale der Gewalt“ in Gang gesetzt. Es gebe keinen Zweifel, dass der damals 20-Jährige ein schweres Cocktailglas in das Gesicht des Sicherheitsmitarbeiters geworfen haben – aus ein bis zwei Metern Entfernung.

Die Folgen waren dramatisch: Der 48-jährige Olfener verlor sein linkes Auge – und damit natürlich auch seinen Job als Lkw-Fahrer. Ob er sein Haus halten kann, das er gerade erst gekauft hatte, ist ungewiss. „Wir reden hier nicht über eine Ohrfeige“, so Richterin Postert. „Wir reden über eine richtig schwere Verletzung.“

Auf den Schwerverletzten eingeschlagen

Genau die könne dem älteren der beiden Angeklagten jedoch nicht angelastet werden. Der 27-Jährige habe zwar auf den bereits Schwerverletzten eingeschlagen, als der schon blutüberströmt war. Das Auge sei zu diesem Zeitpunkt jedoch schon verloren gewesen. Weil er außerdem nicht vorbestraft sei und 1000 Euro Schmerzensgeld gezahlt habe, sei eine Bewährungsstrafe zu rechtfertigen.

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Seine Freunde und Familienangehörigen, die zahlreich zur Urteilsverkündung im Essener Landgericht erschienen waren, nahmen die Entscheidung mit großer Freude auf. Sie hatten sich später vor dem Gefängnistor versammelt, um den 27-Jährigen in Empfang zu nehmen.

Haupttäter nahm das Urteil sofort an

Doch auch der jüngere Bruder ist mit dem Urteil zufrieden. Auch in seinem Fall waren die Richter zwei Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft geblieben. Der inzwischen 21-Jährige nahm das Urteil dann auch sofort an.

Er selbst hatte im Prozess behauptet, dass er sich an nichts erinnern könne, weil er zu viel getrunken habe. Von einer verminderten Schuldfähigkeit wollten die Richter jedoch nichts wissen. Dafür habe der vorbestrafte Halterner zu gezielt agiert.

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