US-Amerikanerin in Haltern hofft auf eine bessere Zukunft nach der US-Wahl

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Die in Lippramsdorf lebende US-Amerikanerin Muriel Neumeister ist bei der Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten wahlberechtigt – und hat auch schon ihr Kreuzchen gemacht.

Lippramsdorf

, 02.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Muriel Neumeister (52) lebt seit 20 Jahren mit ihrem Ehemann in Haltern-Lippramsdorf. „In Lipp-City“, wie sie sagt. Noch immer besitzt sie die US-Amerikanische-Staatsbürgerschaft – und ist damit auch bei der Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten am 3. November wahlberechtigt. Einer Wahl, der auf der ganzen Welt reichlich Beachtung geschenkt wird. „So eine Spaltung wie in den vergangenen vier Jahren“ habe sie in den Vereinigten Staaten noch nie erlebt, sagt sie.

Die Frage, welchen Kandidaten Muriel Neumeister wählt, beantwortet sie, ohne groß nachzudenken. „Joe Biden.“ Per Briefwahl hat sie auch schon abgestimmt. Eigentlich sei sie immer eine Befürworterin der geheimen Wahl gewesen. Doch vor dieser Wahl hat sie keine Probleme damit, ihren Favoriten zu verraten.

„Er ist Hollywood“

Auf den jetzigen Präsidenten der USA, Donald Trump, ist sie nicht gut zu sprechen. „Er meint immer, alles sei Fake News (falsche Nachrichten/ Anm. d. Red.). Dabei ist er Fake News. Er veräppelt die Leute und zieht einfach eine Show ab“, sagt sie. „Donald Trump ist Hollywood.“

Ihre Familie lebt noch in den Vereinigten Staaten und erlebt mit, wie sich die Gesellschaft immer weiter spaltet. Besonders der Rassismus teile das Land, das lange Zeit für Freiheit und Aufstiegschancen stand. „Donald Trump war der Auslöser. Er hat diese Spaltung beschleunigt“, sagt Muriel Neumeister, die aus einer Familie kommt, die zumeist die Demokraten wählt.

Zwei Lager in den Vereinigten Staaten

In den Vereinigten Staaten gibt es zwei Lager: das der Demokraten, deren Präsidentschaftskandidat Joe Biden ist, und das der Republikaner um Präsident Donald Trump. Der Ton in der Auseinandersetzung wurde in den vergangenen Jahren rauer. Mittlerweile würde Trotz die Diskussionen bestimmen, sagt Neumeister. Getreu dem Motto: „Wenn du was möchtest, bin ich aus Prinzip dagegen.“

„Meine Mutter hat eine große Familie und manche Schwestern haben einen Republikaner geheiratet“, erzählt Muriel Neumeister. Die Paare würden versuchen, das Thema Politik möglichst zu vermeiden. „Wir haben in der Familie keine Streitkultur“, sagt sie. Die sei in den USA in den vergangenen Jahren zunehmend verloren gegangen.

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„Politiker waren immer Gentlemen, sie waren eine moralische Instanz“, sagt sie. Im Kongress, dem amerikanischen Parlament, wurde immer in der Sache gestritten, erinnert sich Neumeister. Am Ende fand sich eine Lösung, die Amerika nach vorne gebracht habe. Nach vier Jahren unter Donald Trump sei davon nicht mehr viel übrig geblieben.

„Verschiedene Meinungen werden nun gegeneinander ausgefochten“, sagt die 52-Jährige. Sie glaubt, dass das Trumps Schuld sei. „Jedes ungeschriebene Gesetz hat er zertrampelt. Was man machen kann oder auch nicht machen kann, ist ihm egal.“ Warum ihn amerikanische Bürger überhaupt wählen, kann sie nicht verstehen. Es sei frustrierend, wie viel Aufmerksamkeit Donald Trump bekomme. „Er bekommt alles, was er will“, sagt Muriel Neumeister.

Wenn sie sonntags mit ihrer Mutter telefoniert, bittet diese, Politik im Gespräch außen vor zu lassen. „Sie sagt, dass sie diese negative Energie nicht haben möchte.“

„Jemand, den Amerika braucht“

Die Amerikanerin aus Lippramsdorf hofft, dass Joe Biden als Präsident - sollte er die Wahl gewinnen - das Land wieder einen kann. Er werde eine Anti-Rassismus-Kampagne vertreten und auch die Umwelt wieder in den Mittelpunkt amerikanischer Politik stellen, davon ist sie überzeugt. „Joe Biden ist jemand, den Amerika braucht.“

Der 77-Jährige habe zwar bereits ein stolzes Alter erreicht, er gehöre aber noch „zu einer Generation von Politikern, die wirklich nette Menschen waren“, denkt Neumeister. „Er hat diese moralische Rolle eines Präsidenten“ – die Donald Trump im Umkehrschluss nicht hat.

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