Mehrere Jahre Ausbildung haben die Spezialeinheiten der DLRG in Haltern hinter sich. © DLRG Haltern
DLRG-Strömungsretter

USA als Vorbild: In Haltern entsteht eine Spezialeinheit zur Wasserrettung

Die DLRG in Haltern hat zwei besonders ausgebildete Einsatztrupps. Einer davon soll zukünftig umstrukturiert werden. Vorbild ist eine Spezialeinheit aus den Vereinigten Staaten.

Während und nach der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehrte sich der Frust bei vielen Betroffenen und freiwilligen Helfern, der Katastrophenschutz würde nicht gut helfen.

„Allgemein könnte sich sicherlich die Kommunikation und die oftmals hinderliche Bürokratie verbessern“, findet auch Sebastian Höhnerhaus (34), Leiter Einsatz und Beauftragter für Katastrophenschutz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Haltern.

„Anforderungen und Alarmierungen dauern oft sehr lange und sind mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden“, erläutert der 34-Jährige. Die vorhandenen Strukturen müssten den neuen Gegebenheiten dringend angepasst werden.

Dazu nimmt Sebastian Höhnerhaus die Politik in die Pflicht. „Speziell die DLRG in Nordrhein-Westfalen benötigt mehr finanzielle Unterstützung seitens des Landes. Bisher stellen die einzelnen Gliederungen, somit auch wir in Haltern am See, als einzige Hilfsorganisation in NRW ihr komplettes Material aus eigenen Mitteln“, so der Einsatzleiter.

Das beginne bei der Badehose und ende beim Boot, der Tauchausrüstung oder dem Einsatzfahrzeug. Aktuell werde alles durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Unter anderem auch zwei Spezialeinheiten.

Amerikanischer „Swiftwater Rescue Technician“ als Vorbild

Die Einheiten der DLRG in Haltern werden vor allem bei Such- und Bergungseinsätzen von Personen oder Gegenständen an den Silber- oder Stauseen eingesetzt.

Kommt es zu einem Katastrophenfall wie beim Jahrhundert-Hochwasser im Juli, können auf Anforderung der Bezirksregierung auch zwei Halterner Spezialeinheiten in das gesamte Bundesgebiet entsandt werden.

„Für den Katastrophenschutz und die öffentliche Gefahrenabwehr halten wir 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche einen Tauchtrupp und einen Bootstrupp bereit“, erklärt Sebastian Höhnerhaus (34), Leiter Einsatz und Beauftragter für Katastrophenschutz in Haltern.

Sebastian Höhnerhaus wünscht sich mehr Unterstützung von der Landesregierung für die Arbeit der DLRG.
Sebastian Höhnerhaus wünscht sich mehr Unterstützung von der Landesregierung für die Arbeit der DLRG. © DLRG Haltern © DLRG Haltern

Die bislang als Bootstrupp bezeichnete Einheit soll zukünftig jedoch als Strömungsretter-Einheit umstrukturiert und eingesetzt werden, erklärt der Einsatzleiter. Angelehnt an den amerikanischen „Swiftwater Rescue Technician“ ist der DLRG-Strömungsretter ein auf stark strömendes Gewässer, Wildwasser und Hochwasser spezialisierter Wasserretter.

Die Halterner Strömungsspezialeinheiten werden grundsätzlich im Team eingesetzt und sind dabei durch eine spezielle Schutzausrüstung vor den besonderen Gefahren in Flüssen und Überschwemmungsgebieten geschützt. Sebastian Höhnerhaus leitet eine Einheit.

„Einsatztaucher und Strömungsretter stellen eine besondere Qualifikation dar, bei der es drei bis vier Jahre dauern kann, um von der Grundausbildung bis zum einsatzfähigen Spezialisten ausgebildet worden zu sein“, so der Leiter Einsatz.

Die Strömungsretter und Einsatztaucher bei einer gemeinsamen Übung.
Die Strömungsretter und Einsatztaucher bei einer gemeinsamen Übung. © DLRG Haltern © DLRG Haltern

Aus ehrenamtlichen Helfern werden Freunde

Tritt der Katastrophenfall ein, sind die Spezialisten allerdings nicht nur für die Rettung und Evakuierung von Betroffenen zuständig. Sie sichern auch den Einsatz anderer Hilfsorganisationen ab. Eine Abstimmung untereinander sei daher besonders wichtig.

„Das Verhältnis zwischen den einzelnen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr ist in Haltern am See ein ausgesprochen gutes“, findet Sebastian Höhnerhaus. Bei Einsätzen, die in oder an einem Gewässer stattfinden, werden die DLRG-Einheiten meist zeitgleich mit der Feuerwehr alarmiert.

„Mit dem DRK und den Maltesern haben wir schon einige Veranstaltungen gemeinschaftlich abgesichert. Mit dem THW wurden zwar weniger Einsätze, aber dafür um so mehr Übungen gemeinsam bestritten“, erklärt der 34-Jährige die Zusammenarbeit untereinander.

Darüber hinaus sei ein Teil der DLRG Mitglieder zusätzlich in anderen Organisationen aktiv und umgekehrt. Das verbinde die Menschen auch außerhalb ihrer ehrenamtlichen Hilfe, beobachtet Sebastian Höhnerhaus: „Dadurch sind auch schon viele Freundschaften entstanden.“

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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Janis Czymoch

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