Vergebliches Warten auf den Bus

Warnstreik

Vergeblich warteten Halterner am Mittwoch (7.3.) auf den Bus. Wegen des Streiks fuhr nämlich keiner. Dafür waren umso mehr Autos unterwegs. Wie die Halterner dem Streik begegneten.

HALTERN

von Von Daniel Sczekalla und Holger Steffe

, 07.03.2012, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angesprochen, ob sie denn nicht wüsste, dass kein Bus wegen des Streiks fährt, verneinte die 87-Jährige. Da ihre einzige Informationsquelle das Fernsehen ist, vermutete sie die Auswirkungen des Streiks nur in den großen Städten, aber nicht in Haltern. Da irrte sie: Wie von der Vestischen angekündigt, verließen an diesem Tag keine Busse das Depot. Am Busbahnhof wurden Reisende auf den digitalen Infotafeln aufgeklärt: „Aufgrund eines Warnstreik findet heute kein Busbetrieb statt!“

Über mehr Kundschaft konnten sich dadurch die Taxifahrer jedoch nicht freuen. „Bei uns läuft alles ganz normal“, meldet Andreas Pieper, Geschäftsführer des gleichnamigen Taxiunternehmens. Weit größerer Andrang herrschte hingegen am Schulzentrum: Auch die Schulbusse, die sonst vom Vestischen Reisedienst gefahren werden, standen still. Hier war auf den Straßen teilweise kein Durchkommen mehr, da viel mehr Schüler mit dem eigenen Auto kamen oder von ihren Eltern gebracht wurden.

„Für mich ist das schon ein großer Aufwand“, berichtet eine Mutter, die gleich vier Kinder in ihren Kombi lud. Familien halfen sich untereinander, organisierten Fahrgemeinschaften um ihre Kinder zur Schule zu bringen. Es funktionierte. Ulrich Wessel, Leiter des Joseph-König-Gymnasiums, meldete keine wesentliche Beeinträchtigung des Schulbetriebs.

Kaum ein Schüler fehlte auch an der Realschule. Schulleiter Frank Cremer zählte lediglich drei Schüler, die von ihren Eltern entschuldigt wurden, da diese keine Möglichkeit sahen ihrer Kinder zu bringen. Anders sah es da in der Nachbarstadt aus: Die Gesamtschule Wulfen meldete, dass viele Schüler aus Flaesheim und Sythen nicht zum Unterricht erschienen sind.  Trotz einiger weniger Ausfälle, stand im Rathaus niemand vor verschlossenen Türen. Lediglich der Baubetriebshof blieb wie angekündigt geschlossen. Acht Mitarbeiter streikten, andere waren auf einer Schulung. „Ist schon ein bisschen ärgerlich“, sagt eine Frau die ihren Pappmüll abliefern wollte. „Wenn man wenigstens ein Schild sähe, das die Sache erklärt.“

Wo in anderen Städten Kitas geschlossen blieben und auch Filialen der Sparkasse ihre Türen nicht öffneten, war Haltern wie eine Insel der Glückseligkeit. Übrigens, die ältere Dame an der Haltestelle, wurde selbstverständlich von einem Reporter der Halterner Zeitung zum Arzt chauffiert. Wie sie den Heimweg geschafft hat, ist allerdings unbekannt. 

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