Verkehr rund um den Halterner Bahnhof: Die Kehrtwende der Stadt

mlzStraßen NRW ohne Eile

Um den Autoverkehr am Bahnhof und im Gewerbegebiet Süd zu entzerren, gibt die Stadt Ende 2020 den Ikenkamp frei. Eigentlich war sie immer Gegner dieser Öffnung. Zwei Parteien freuen sich.

Haltern

, 08.06.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wählergemeinschaft (WGH) forderte schon 2008 die Öffnung des Wirtschaftsweges Ikenkamp, die 2,5 Kilometer lange Abkürzung zwischen alter Recklinghäuser Straße und der Dorstener Straße. Sie setzte 2018 noch einmal mit einem Antrag nach, auch die FDP folgte ihr. Die Stadtverwaltung aber schmetterte dieses Anliegen stets ab. Die unzureichend befestigte und stark abgenutzte Straße sei in keiner Weise für den Durchgangsverkehr geeignet, hieß es. Und auch: Ein finanzieller Aufwand für den Ausbau in Höhe von 2,2 Millionen Euro sei nicht vertretbar. Jetzt die Umkehr.

Ende des Jahres will die Stadt den Ikenkamp entlang der Bahntrasse freigeben. Denn mit der Öffnung des Park&Ride-Parkplatzes südlich des Bahnhofs wird der Verkehrsdruck zu hoch, an der Kreuzung Glashütte wäre ein Chaos vorprogrammiert. Im Februar 2018 beauftragte die Stadt eine Ingenieursgesellschaft aus Münster mit der Verkehrsuntersuchung im Gewerbegebiet. Diese gibt der Situation vor Ort unverblümt die Note „mangelhaft“.

Auf den schlechten Straßenzustand des Ikenkamps will die Stadt durch Schilder hinweisen, ausgebessert wird die Fahrbahn nur im Notfall.

Auf den schlechten Straßenzustand des Ikenkamps will die Stadt durch Schilder hinweisen, ausgebessert wird die Fahrbahn nur im Notfall. © Kevin Kindel

Wählergemeinschaft und FDP hörten die Entscheidung der Verwaltung mit einer gewissen Genugtuung. „Wir begrüßen den Beschluss“, reagiert WGH-Fraktionsvorsitzender Ludwig Deitermann, aber auch: „Warum hat sich die Stadt nicht schon früher dazu entschieden?“ FDP-Fraktionsvorsitzender Kai Surholt staunt darüber, dass die Verwaltung erst die Anträge blockiert hat und jetzt alles plötzlich geht. Aber: „Besser eine späte Erkenntnis, als keine.“

WGH: „Die Stadt sollte Ikenkamp unverzüglich freigeben“

Ludwig Deitermann allerdings geht die Öffnung nicht schnell genug. Er fordert, die „Südumgehung“ zwischen dem Gewerbegebiet Recklinghäuser Straße und Haltern-West unverzüglich nach entsprechender Beschilderung frei zu geben. Die Stadt sollte seiner Meinung nach nicht auf die Bahn warten.

Das kann sich auch die FDP vorstellen, weil es zum Vorteil für die Bürger aus Haltern-West, Bergbossendorf und Lippramsdorf wäre. Dazu Kai Surholt: „Zeitersparnis, Entzerrung des Verkehrs und auch Umweltaspekte: Im Grunde ist es doch ganz einfach!“ Nichtsdestotrotz müsse an der Recklinghäuser Straße insgesamt eine viel bessere Lösung zur Lenkung des Verkehrsflusses gefunden werden, denn die Belastung sei schon jetzt viel zu hoch.

So stellt sich eine Ingenieursgesellschaft aus Münster die Lösung an der Kreuzung Recklinghäuser Straße/Glashütte vor. Der Wender würde die angespannte Verkehrssituation deutlich entspannen.

So stellt sich eine Ingenieursgesellschaft aus Münster die Lösung an der Kreuzung Recklinghäuser Straße/Glashütte vor. Der Wender würde die angespannte Verkehrssituation deutlich entspannen. © nts Ingenieurgesellschaft Münster

Die Freigabe des Ikenkamps soll laut Stadtverwaltung perspektivisch beibehalten werden, bis an der Glashütte der Wender (ein ovaler Kreisverkehr mit Wendemöglichkeiten) fertig ist. Doch der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW bremst die Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Es seien noch viel zu viele Abstimmungen notwendig und die Finanzierung sei fraglich, sagte eine Sprecherin von Straßen NRW auf Nachfrage. „Es gibt nichts, mit dem wir an die Öffentlichkeit gehen könnten.“

Lösung für Jahre oder wieder eine Sperrung

Die Stadt bestätigt, laufend Gespräche mit dem Landesbetrieb zu führen. Aber der Bau des Wenders lasse sich realistisch betrachtet nicht in wenigen Jahren verwirklichen. Deshalb hofft sie, dass sich die Freigabe des Ikenkamps bewährt. Und wenn nicht? „Wenn sich in kurzen Abständen Unfälle oder Beinahe-Unfälle ereignen oder die Autofahrer sich nicht an Tempo 30 halten, müsste der Ikenkamp wieder gesperrt werden“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey.

Ausgebaut wird die Straße nicht, allenfalls wird sie ausgebessert, wenn die Fahrbahn durch übermäßige Nutzung beschädigt würde. An dem Engpass Eisenbahnbrücke wird eine Vorfahrtsregelung gelten.

Grüne haben wegen des Naturschutzes Bedenken

Inzwischen haben sich die Grünen an Bürgermeister Bodo Klimpel gewandt. Sie sehen die Öffnung der Straße wegen der besonders schützenswerten Landschaft an der Lippe (FFH-Gebiet) kritisch. Vertretbar sei sie nur als Übergangslösung.

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