Wegen Corona gehen die Schulkinder zwei Tage früher in die Weihnachtsferien. Schulleiter sehen das kritisch, berufstätige Eltern von Grundschulkindern bringt es in Betreuungsnöte.

Haltern

, 13.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Weihnachtsferien in Nordrhein-Westfalen werden vorgezogen. Nicht der 22., sondern schon der 18. Dezember ist erster Ferientag. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet stellt sich vor, dass die Schulkinder sich in eine freiwillige Quarantäne begeben, damit die Familien samt Großeltern unbeschwert Corona-frei zusammen Weihnachten feiern können. Halterner Schulleiter und Eltern äußern sich zu dem Beschluss durchaus kritisch.

„Wir haben von den vorgezogenen Weihnachtsferien nur aus den Medien erfahren“, bedauern die Schulleiter unisono. Bislang gebe es keine offizielle Anordnung des Schulministeriums. „Wir wissen auch nicht, wie wir mit dem Offenen Ganztag umgehen sollen“, benennt Martin Blißenbach, Schulleiter der Heideschule, ein besonderes Problem.

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums: „Wenn sich die Schüler freiwillig in Quarantäne begeben, ist die Regelung sinnvoll.“

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums: „Wenn sich die Schüler freiwillig in Quarantäne begeben, ist die Regelung sinnvoll.“ © Jürgen Wolter

Berufstätige Eltern seien darauf angewiesen, dass ihre Kinder am 21. und 22. Dezember betreut werden. Wenn diese dann doch in die Offene Ganztagsschule müssten, würde das die Maßnahme aber ad absurdum führen, findet Martin Blißenbach.

„Diese Regelung verursacht zusätzliche Unruhe“

Vivi Klapheck, Schulleiterin der Katharina-von-Bora-Grundschule, macht im Gespräch mit der Halterner Zeitung ebenfalls deutlich: „Die Eltern haben Betreuungsbedarf.“ In der OGS der Katharina-von-Bora-Schule werden 170 Kinder bereut. Die Regelung werde „zusätzliche Unruhe verursachen“, ist Klapheck überzeugt. Grundsätzlich sei die Intention der Landesregierung aber richtig, da sind sich die von uns befragten Schulleiter einig.

Schulleiterin Vivi Klapheck kennt die Sorgen der Eltern bezüglich der Betreuung.

Schulleiterin Vivi Klapheck kennt die Sorgen der Eltern bezüglich der Betreuung.

Für Eltern mit Kindern, die die weiterführenden Schulen besuchen, ist der frühe Beginn der Ferien einfacher zu organisieren. Ältere Kinder können allein zu Hause bleiben. „Und, wenn sich die Schüler freiwillig in Quarantäne begeben, ist die Regelung sinnvoll“, findet Ulrich Wessel, Leiter des Joseph-König-Gymnasiums. Sollten sich die Schüler aber außerhalb der Schule treffen, wäre der gute Wille konterkariert. „Dann können sie auch genauso gut in der Schule sein“, so Wessel.

Frank Cremer,Leiter der Alexander-Lebenstein-Realschule, mag über die Entscheidung der Landesregierung nicht urteilen.

Frank Cremer,Leiter der Alexander-Lebenstein-Realschule, mag über die Entscheidung der Landesregierung nicht urteilen. © Foto Holger Steffe

Frank Cremer, Leiter der Alexander-Lebenstein-Realschule, äußert sich zurückhaltend: „Ob die Maßnahme sinnvoll ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen.“ Dagmar Perret, Leiterin der Joseph-Hennewig-Hauptschule, zweifelt: „Ob die wohl gemeinte Intention gelingt, da bin ich eher skeptisch.“

Die Frage nach einer Betreuung bleibt noch offen

Einen großen organisatorischen Mehraufwand befürchten die Lehrer der weiterführenden Schulen in Haltern aber nicht. Hier und da müsse eine Klausur verschoben werden. Das erfordere aber keine großen organisatorischen Umsetzungen.

Wie überhaupt eine Betreuung an diesen Tagen aussehen könnte, lässt das NRW-Schulministerium derzeit noch offen. Barbara Wolthaus, Fachbereichsleiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen) und zuständig für die von der Awo betriebenen Offenen Ganztagsschulen in Haltern, hat noch keine Informationen vom Land zu einer möglichen Notbetreuung. Die Anliegen der Eltern kann sie sehr gut nachvollziehen, aber „leider haben wir nicht mehr Personal und auch kein größeres Stundenkontingent, um alle Wünsche abzudecken“, sagt sie auf Anfrage.

An der Lambertusschule wechseln sich die Klassen mit Home-Schooling ab.

An der Lambertusschule wechseln sich die Klassen mit Home-Schooling ab. © Holger Steffe (A)

Elisabeth Pöter, Vorsitzende der Schulpflegschaft der Lambertus-Grundschule, sieht schon jetzt die Eltern vor große Herausforderungen gestellt. In Lippramsdorf unterrichten aufgrund von Krankheitsfällen vier Lehrer sieben Klassen. Um das organisieren zu können, werden die Klassen in einem rotierenden System abwechselnd für zwei Tage die Woche ins Home-Schooling geschickt. Das heißt, die Eltern sind aufgefordert, mit ihren Kindern die gestellten Aufgaben in allen Fächern zu erledigen.

OGS kann kein Home-Schooling für die Eltern übernehmen

„Das Problem liegt doch gerade im Großen und Ganzen, da fallen zwei zusätzliche Ferientage gar nicht ins Gewicht“, findet die Mutter von zwei Kindern. „Im Grunde jonglieren wir Eltern seit März.“ Ihr Arbeitgeber sei großzügig und verständnisvoll, von anderen Eltern weiß sie, dass sie die Lage nur mit größter Kraftanstrengung meistern können. „Oft muss die Schule kurzfristig entscheiden, wir Eltern fahren im Grunde genommen nur auf Sicht.“ Schulleiterin Anja Baumschäfer gebe dabei ihr Bestes, um die angespannte Lage zu managen.

Wer seine Kinder in der OGS angemeldet hat, kann sie dort betreuen lassen. „Wir sind aber auf den Nachmittagsbereich ausgelegt“, sagt Barbara Wolthaus. Für eine zusätzliche Betreuung zu den normalen Unterrichtszeiten fehlten die Kapazitäten. Home-Schooling könne die OGS gar nicht übernehmen. „Das geht über unseren Auftrag hinaus, das können wir nicht leisten.“

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