Vier Stunden Kino für eine Mark – Halterner erinnert sich an Kindheit

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Der Halterner Christian Oste erinnert sich anlässlich des Weltspartags 2020 an seine Kindheit. Damals steckte er oft in der Zwickmühle: Geld sparen oder direkt ausgeben, lautete die Frage.

Haltern

, 08.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anlässlich des Weltspartags 2020 am 30. Oktober (Freitag) kramte der Halterner Christian Oste (81) in seinen Nachkriegserinnerungen. Zehn Pfennig – vergleichbar mit einer heutigen 5-Cent-Münze – waren damals, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Menge Geld. „Dafür habe ich ein stattliches Eis bekommen“, erinnert er sich lächelnd. Doch wenn er mehrere 10-Pfennig-Münzen sammelte, konnte er sich bessere Sachen kaufen. Oft steckte er daher in der Zwickmühle.

„Es kam oft drauf an“, sagt der 81-Jährige. Darauf, ob die Lust auf das kurzfristige Vergnügen (das Eis) das langfristige Vergnügen überstieg. Doch wenn er sparen wollte, dann tat er es auch. In einem kleinen Sparheftchen, dort passten 30 mal zehn 10-Pfennig-Münzen, also drei Mark, rein, sammelte er sein Geld. Hatte er ein Heftchen voll, ging er zur Post. „Da bekam ich ein Postsparbuch, auf dem die drei Mark dann drauf waren“, erzählt er.

Donald Duck und Kriminalromane waren das Objekt der Begierde

Hatte Christian Oste dreimal drei Mark beisammen, stöberte er vor allem in Büchern und Heften. „Ich habe mir oft Mickey-Mouse- oder Donald-Duck-Taschenbücher gekauft“, weiß er noch heute. Auch Kriminalromane standen ganz oben auf seiner Liste.

In seinen Erinnerungen um wenige Pfennige sind auch Geschichten um alte Kinos. Er wuchs im Nachkriegsberlin auf, das noch nicht durch eine Mauer getrennt war. Und so kam es, dass ein Kino Vorstellungen für Ost- und Westberlin, aber zu je unterschiedlichen Preisen anbot. Ihm kam zugute, dass er genau auf der Grenze wohnte.

„Da habe ich mir dann manchmal eine Mark genommen“, erzählt Christian Oste, der seit 45 Jahren in Haltern lebt. 25 Pfennig gingen für ein großes Eis drauf, 25 Pfennig kostete die erste Vorstellung des Films für die Ostberliner und die zweite Vorstellung für Westberliner (50 Pfennig) nahm er gleich mit. „Da war ich dann vier Stunden im Kino“, sagt er und lacht.

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Und wie kam der heutige Rentner zu seinem Geld? „Meine Tante hatte keine Kinder, für sie war ich immer ihr Lieblingskind“, erzählt Christian Oste strahlend. Für sie machte er kleinere Besorgungen, als Dank bekam er dafür 10 Pfenning. Auch für die Kneipe nebenan war er immer mal wieder für kleinere Entgelte im Einsatz. „Es war eine schöne Zeit.“

Weltspartag

  • Der Weltspartag findet jedes Jahr in der letzten Oktoberwoche statt.
  • Die Idee geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress im Oktober 1924 zurück.
  • Die ursprüngliche Idee war es, den Spargedanken zu fördern. Außerdem galt dem Weltspartag der pädagogische Aspekt: Das Sparen sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.
  • Heute werden von Banken und Sparkassen anlässlich des Weltspartags vielfach Werbegeschenke verteilt, insbesondere Spardosen oder auch Kuscheltiere, Spiele und Bücher.
  • Der Anreiz soll sein, die gefüllten Spardosen regelmäßig zur Bank zu bringen, um das Geld in den Kreditinstituten anzulegen.
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