Von der Riesen-WG in Köln nach Haltern - Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft

mlzTag der Freundschaft

Eigentlich sollte Mirjam nur zur Zwischenmiete in eine WG in Köln ziehen. Drei Jahre später wohnt sie mit ihrer besten Freundin Ruth in Haltern. Eine Geschichte zum Tag der Freundschaft.

Haltern

, 30.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Mirjam Wanek die Geschichte erzählt, wie sie und ihre beste Freundin Ruth sich vor drei Jahren kennengelernt haben, dann will man seinen Ohren nicht so recht trauen. Nicht nur, dass die 23-jährige Stuttgarterin und ihre beste Freundin sich in einer Neuner-Wohngemeinschaft in Köln kennengelernt und zusammen gewohnt haben.

Die restlichen sieben Mitbewohner waren alle gemeinsam fürs Studium von Haltern am See nach Köln gezogen. Heute - drei Jahre später - wohnt der Großteil des Freundeskreises in Haltern.

„Immer, wenn wir konnten, dann haben wir was zusammen gemacht, ‚Wer wird Millionär‘ geguckt, eine Kiosktour gemacht, uns in den Biergarten gesetzt oder zusammen in der Kölner Innenstadt geshoppt“, erinnert sich Mirjam an die WG-Zeit in Köln.

Aus zwei Wohnungen wird eine Riesen-Neuner-WG

2012 hatte einer der Halterner auf einer WG-Party von einem privaten Studentenwohnheim erfahren, das kurz vor der Fertigstellung stand. Weil die Freunde auf der Suche nach einer großen WG waren, riefen sie den Bauherren an. Eine ausgehängte Zwischentür später wurden aus einer Vier- und einer Fünf-Zimmer-Wohnung eine Neuer-WG. Im August 2016 zog Ruth in die WG, ein Monat später Mirjam.

Ursprünglich sollte Mirjam nur zur Zwischenmiete für sechs Monate in der Riesen-WG wohnen. „In dem halben Jahr hat sich dann gezeigt, dass ich da super gern wohne und sich schnell eine gute Freundschaft entwickelt hat.“ Weil einer der Halterner für ein anderes Studium in eine andere Stadt zog, konnte Mirjam sein Zimmer in der WG übernehmen. „Wir sind auf jeden Fall ein sehr bunter Haufen, wir können auch übereinander lachen, es ist immer sehr lustig, sehr harmonisch und sehr entspannt“, sagt Mirjam.

Von der Riesen-WG in Köln nach Haltern - Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft

Gemeinsam mit insgesamt sieben Jungs aus Haltern haben Mirjam und Ruth in einer 9er-WG in Köln gewohnt. Heute wohnen die meisten in Haltern. © Mirjam Wanek

Trotz Riesen-WG wurden auch Ruth und Mirjam schnell zu engen Freunden. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir gut miteinander auskommen, obwohl wir sehr verschieden sind. Ich bin eher hibbelig, Ruth ist eher tiefenentspannt“, sagt Mirjam über die Freundschaft zu Ruth und lacht. „Bei diversen Gläsern Bier hat sich das intensiviert.“

Als die Jungs und Ruth ausziehen, bleibt Mirjam zurück

Eineinhalb Jahre wohnten Ruth, Mirjam und die Halterner Jungs gemeinsam in der WG im vierten Stock des Wohnheims in Ehrenfeld. Bis nach Ende des Studiums Anfang 2018 einer nach dem anderen die Wohnung verließ. Die meisten zog es zurück in die Seestadt.

„Dann ging es los, dann hatten wir eine richtige Auszugswelle. Ruth hatte zu dem Zeitpunkt ein Jobangebot und musste sich räumlich neu orientieren, da hat Haltern gut gepasst, weil sie sagte, ‚da kenne ich ja auch die meisten Leute‘“, erinnert sich Mirjam an das Gespräch mit ihrer Freundin. Als auch Ruth ging, blieb Mirjam als einzige zurück in Köln.

„Aus Köln in so ein kleines Dorf“

„Darüber war ich nicht so happy“, sagt die 23-Jährige. Woraufhin Ruth sie fragte, warum sie nicht einfach mitkomme. „Ich wusste, ich studiere noch ein Weilchen in Köln. Man sagt immer, man besucht sich, aber man kennt das ja, das ist ja nicht das gleiche.“ Kurz darauf suchte Ruth nach einer WG in Haltern. „Die Jungs fanden das tatsächlich erst mal ziemlich verrückt“, sagt Mirjam und lacht. „‚Jetzt aus Köln in so ein kleines Dorf zu ziehen‘, warum wir das machen wollen, haben sie gefragt. Aber es kommt ja auch immer auf die Menschen an, die hier wohnen.“

Heute wohnt Mirjam zusammen mit Ruth in einer WG in Haltern, neben ihrem Zimmer in Köln. „Ich fahre entweder mittwochsabends oder donnerstagsmorgens nach Haltern und bleibe dann bis sonntags. Jetzt in den Semesterferien bin ich komplett hier und bleibe bis Oktober.“

„Es ist tatsächlich auch so ein bisschen Familie“

Mit der Zeit haben die Freundinnen auch die Freunde der Halterner Jungs kennengelernt. Von 20 bis 35 Jahren sei da alles dabei, sagt Mirjam. Und sie hat in der Zwischenzeit ihren Freund in Haltern kennengelernt. Auch zur ihren alten WG-Genossen hat Mirjam weiter guten Kontakt. „Es ist tatsächlich auch so ein bisschen Familie. Wir haben ständig Kontakt und sehen uns meistens am Wochenende. Ich hatte früher schon einen großen Freundeskreis, aber so eine Erfahrung wie mit den Jungs und Ruth habe ich davor noch nicht gemacht“, sagt Mirjam.

So schnell will die gebürtige Stuttgarterin hier auch nicht wieder weg. Mirjam: „Ich würde erstmal gucken, dass ich hier in Haltern bleibe. Ich bin gern bei meiner Familie in Stuttgart, aber ich kann mir nicht vorstellen, hier vorerst wieder wegzuziehen.“

Der internationale Tag der Freundschaft findet jedes Jahr am 20. Juli statt. Er wurde am 27. April 2011 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Die Vereinten Nationen halten Freundschaften für einen wichtigen Bestandteil privater und auch internationaler kultureller Beziehungen, um Kriegen vorzubeugen.
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