Vor der Taufe von Mutter und Tochter in St. Laurentius Haltern standen Zweifel und Neugier

mlzBekenntnis zur Kirche

Kirche? Das war maximal das Krippenspiel zu Weihnachten. Kathleen Schröder glaubte nicht an Gott. Doch nun hat sich die 39-Jährige mit ihrer Tochter in St. Laurentius taufen lassen. Warum?

Haltern

, 14.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kathleen Schröder lebt mit Lilian (8) seit sechs Jahren in Hamm-Bossendorf. Sie zog wegen der guten Bahnverbindungen und großartigen Natur in die Stadt am See. „Eine tolle Wohnung, Arbeit in Essen, Kita-Platz für Lilian in Hullern. Ich war glücklich und wusste doch, irgendetwas fehlt“, erzählt Kathleen Schröder. Was das sein könnte, wurde ihr erst am Arbeitsplatz bewusst.

Kathleen Schröder kam in Havelberg/Sachsen-Anhalt zur Welt und zog 2013 von Rathenow/Brandenburg nach Haltern am See. In der DDR hatte sie keinen Kontakt zu einer kirchlichen Gemeinde. Heiligabend sah sie sich das Krippenspiel an. Ein Ritual, kein Glaubensbekenntnis. Sie braucht auch heute noch kein Gotteshaus, aber ihre Haltung hat sich grundlegend geändert.

Mehr skeptisch als neugierig

An ihrem Arbeitsplatz beim Lippeverband in Essen sprach Norbert Walter - ein überzeugter Katholik und Teilnehmer eines Alpha-Kurses – sie an. Zur Erklärung: Alpha ist eine Reihe von Treffen, bei denen der christliche Glaube und die Beziehung zu Gott in entspannter Atmosphäre (neu) entdeckt werden kann. Norbert Walter machte Kathleen Schröder anfangs mehr skeptisch als neugierig. Aber er lud sie zu sich nach Hause ein. Guten Gesprächen und einem Gebet für sie folgte die Aufforderung zum Abschied: „Bete doch mal bewusst!“

Lange habe sie über diesen Nachmittag und das Gebet nachgedacht. Irgendwann, Wochen später, verabredete sie sich mit einem Freund zum Angeln. Noch bevor dieser sie abholte, betete sie zum ersten Mal bewusst: „Lieber Gott, wenn es dich gibt, dann mach, dass ich einen Aal kriege.“ Am heißesten Tag des Jahres am Kanal ging kein Fisch an die Angel, dafür hatte ihre Nachbarin noch einen Aal und eine Forelle in der Truhe. Kathleen Schröder war überrascht, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Nachbarn - die gesundheitlich angeschlagen, selbst nicht mehr gut zu Fuß ist und auch selten Besuch bekommt - einen Aal in der Truhe hat, ist ziemlich gering. „Ich dachte: Gott hat Humor, denn ich hab noch eine Forelle dazu bekommen.“

Erst Angelschein, dann Alpha-Kurs

Doch eigentlich hing nicht ein Fisch, sondern sie selbst am Haken. Ihr Interesse an der Bibel erwachte. „Ich las darin, habe aber nicht alles verstanden. Ich habe Norbert mit meinen Fragen gelöchert.“ Kathleen Schröder machte dann aber doch erst den Angelschein, danach meldete sie sich zum Alpha-Kurs in Haltern an. „Dort habe ich mich super aufgehoben gefühlt. Die Diskussionen über die Bibel und den Glauben haben mich zum Nachdenken gebracht. Und ich war überrascht, wie modern man die Bibel deuten kann“, berichtet sie von den Kurserfahrungen.

Sie sprach auch über den Glauben, wenn sie ausging. Einmal vertiefte sie sich so sehr, dass sie am Ende sagte: „Es war der tollste Abend, den ich je in einer Kneipe erlebt habe.“ Schließlich wusste sie: Sie wollte sich taufen lassen. „Das sollte in einer Gemeinde geschehen, in der ich mich wohlfühle. Das war St. Laurentius.“

Pfarrer Klemens Emmerich taufte dann nicht nur Kathleen Schröder, sondern auch Tochter Lilian. „Ich will auch ein Kind Gottes sein“, sagte sie ihrer Mutter. Die 39-Jährige feierte gleichzeitig auch Kommunion und Firmung, Lilian geht im nächsten Jahr zur Kommunion.

Zu Tränen gerührt

In der von der Gruppe „Aufwind“ mitgestalteten Feier sprach Kathleen Schröder über ihren Glaubensweg, manche Zuhörer waren zu Tränen gerührt. „Alle haben am Ende Lilian und mir gratuliert, die persönlichen Worte waren die schönsten Geschenke für uns.“ Kathleen Schröder bedankt sich von Herzen bei ihren Begleitern und bei Pfarrer Emmerich insbesondere.

Pastoralreferent Gregor Coerdt, Mitverantwortlicher im Alpha-Kurs, freut sich mit Kathleen Schröder und ihrer Tochter. „Diese Aufnahme in die Kirche als Folge unseres Angebotes war für uns ein großer Glücksfall. Der Alpha-Kurs richtet sich genau an diese Menschen, die im Glauben etwas suchen.“ Das ganz Team habe sich gefreut, dass beide sich gut überlegt hätten taufen lassen.

„Kirche ist für mich die gelebte Gemeinschaft“

Zur Kirche finden, die gerade viele Negativ-Schlagzeilen produziert? Kathleen Schröder nimmt die Kritik sehr wohl wahr. „Aber Kirche ist für mich nicht die Amtskirche und auch nicht der Papst, sondern die gelebte Gemeinschaft und die tiefe Freundschaft.“

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