Hans-Peter Klauke, der Vorsitzende des Halterner Stadtsportverbandes, äußert sich im Interview zur Corona-Krise und erklärt, warum die Krise aus seiner Sicht auch eine Chance sein kann.

Haltern

, 24.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hans-Peter Klauke, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Haltern, spricht im Interview über den Umgang mit der Corona-Krise.

? Herr Klauke, aufgrund der Corona-Krise ist auch in Haltern der Sport weitgehend auf Eis gelegt. Trainings- und Wettkampfbetriebe sind gestoppt, Sportstätten bis auf Weiteres geschlossen, Veranstaltungen, wie z.B. die Sportlerehrung, wurden verschoben oder fallen aus. Wie wichtig sind diese Maßnahmen in Ihren Augen?

Die Stilllegung des Sportbetriebs hat die Vereine und ihre Mitglieder mit voller Wucht getroffen. Aktuell gehen wir davon aus, dass die Auswirkungen auf den Halterner Sport länger anhalten und uns noch weit in die Zukunft beschäftigen werden. Aber es waren und sind alternativlose Maßnahmen, die wir auch in dieser Intensität als absolut sinnvoll und notwendig erachten, und nicht nur den Sport, sondern alle Lebensbereiche betreffen.

? Was tut der Stadtsportverband in dieser Situation für die Halterner Sportvereine? Kann er überhaupt etwas tun?

Wir selber haben, gewissermaßen um ein Zeichen zu setzen, unsere Jahreshauptversammlung und die Sportparty, in Zusammenarbeit mit der Stadt, frühzeitig abgesagt. Im weiteren Verlauf haben wir die Vereine dahingehend beraten, den Trainings- und Spielbetrieb einzustellen. Aktuell können wir nur dazu aufrufen, sich im Rahmen der Vorgaben und Möglichkeiten zu Hause, im Garten oder bei Spaziergängen zu bewegen und fit zu halten. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir auch natürlich unsere Augen und Ohren offenhalten und die Interessen unserer 42 Vereine gegenüber Verwaltung, Politik und Verbänden vertreten.

? Sport, das heißt: niemals aufgeben, immer wieder zurückkommen; arbeiten, um Träume zu erreichen. Der Sport steht für Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, Disziplin, Fairness. Sind das für Sie Richtwerte, wie am besten mit der aktuellen Krisensituation umzugehen ist?

Momentan sehe ich eine Verschiebung der gesellschaftlichen Wertetabelle genau in diese Richtung. Einzelkämpfertum und Ellbogendenken sind momentan nicht gefragt und wenig zielführend. Vor allem Berufe und Tätigkeiten, die schlecht bezahlt sind und wenig Wertschätzung erfahren, gelten plötzlich als systemstützend. Es geht in der jetzigen Phase nur darum, wie die Pandemie verlangsamt wird und wie wir die Alten und Schwachen schützen können. Insofern wünschen wir uns von der Halterner Sportfamilie, aber natürlich von allen anderen auch, Besonnenheit, Geduld, Solidarität und Fairness.

? Das Virus ist eine echte Prüfung für alle. Was ist aus Ihrer Sicht nun das Wichtigste im Umgang mit dem Coronavirus?

Wir alle sollten uns hundertprozentig an die Hinweise, Vorgaben und Maßnahmen des Bundes, des Landes und der Stadt, unterstützt durch das Robert-Koch-Institut, halten – auch wenn es schwerfällt und wir in der nächsten Zeit noch weitere deutliche Einschnitte in unserem Alltag hinnehmen müssen. Alle müssen Verständnis zeigen, vernünftig sein und dadurch hoffentlich gesund bleiben.

? Wie gehen die Vereine aktuell damit um – eher verständnisvoll oder doch uneinsichtig?

Von Uneinsichtigkeit ist absolut nichts zu spüren. Die Vereine haben von Anfang an sofort mitgezogen und alle empfohlenen notwendigen Maßnahmen kurzfristig umgesetzt. Soweit wir das beurteilen können, werden die Absprachen auch zu einhundert Prozent eingehalten. Natürlich ist die Unsicherheit, wie lange alles dauern wird, was danach kommt und wann es wieder los geht, trotzdem groß.

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? Etliche Vereine, unter anderem z.B. der TuS Haltern, der aktuell in der Fußball-Regionalliga spielt, haben enorme finanzielle Einbußen, weil Veranstaltungen mit zahlendem Publikum nicht stattfinden können. Hat der SSV Ideen, um diese Finanzlücken abzufedern und die Vereine zu unterstützen?

Da die meisten unserer Vereine sich im Breitensport bewegen, erwarte ich da eher geringe Auswirkungen in der Zukunft. Beim Ligabetrieb, also zum Beispiel bei Handball, Basketball, Volleyball, Tennis oder Tischtennis, ist es so, dass die meisten Ligen entweder beendet wurden oder vorübergehend ruhen und zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird, wie es weiter geht. Hier fallen die wirtschaftlichen Verluste sehr unterschiedlich aus. Aber in den höheren Ligen, insbesondere im Fußball, weiß aktuell noch niemand, wie es weiter geht. Die kompletten wirtschaftlichen Folgen kann man noch gar nicht absehen. Wir hoffen, dass Bund, Land und Stadt sowie der Landessportbund zum gegebenen Zeitpunkt für Gespräche zur Verfügung stehen, wie den Vereinen geholfen werden kann. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat angedeutet, dass es Unterstützungen geben wird.

? Was wünschen Sie sich von den Halterner Sportlern und Vereinen in dieser Zeit?

Die 42 Sportvereine in unserer Stadt bieten allen Halterner Bürgern, ob jung oder alt, ein bemerkenswertes Sportangebot in zig Sportarten an. Dies ermöglichen hunderte von ehrenamtlich engagierten Übungsleitern, Trainern, Betreuern und Funktionären und viele Eltern und Unterstützer. Was hier geleistet wird, macht uns sehr stolz. Nun sind wir alle dazu verdammt, auszuharren und unseren Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten.

? Kann das auch eine Chance sein?

Ja, wenn wir das als Chance begreifen, werden wir gestärkt daraus hervorgehen. Und nach dieser herausfordernden Zeit werden sich alle wieder mit voller Kraft für den Halterner Sport einsetzen. Da bin ich mir sicher. Das Vorstandsteam des Stadtsportverbandes wünscht allen Mitgliedern, deren Familien und Angehörigen in dieser besonderen Zeit alles Gute, viel Gesundheit und das notwendige Durchhaltevermögen. Und wir freuen uns schon darauf, wenn wir wieder wie gewohnt unseren Sport betreiben, Wettkämpfe und Spiele bestreiten und viele tolle Veranstaltungen in dieser Stadt gemeinsam besuchen können.

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